Kossebau l Die Träger von Kindertagesstätten und die Eltern entscheiden bei der Essenversorgung nicht mehr nur zwischen Daumen und Zeigefingern, sondern besinnen sich immer öfter auf die Vorteile einer eigenen Küche. Bei den Wichtelhäusern in Kossebau war das Auslagern der Mittagversorgung nie ein Thema. Der Kita-Förderverein trat mit Hilfe der Robert-Bosch-Stiftung vor einiger Zeit vielmehr die Flucht nach vorne an und hob das Projekt „Frischeküche“ mit moderner Einrichtung und Ganztasversorgung aus der Taufe.

Der Plan ging auch deshalb auf, weil Ilka Bethge seit gut 18 Jahren das Kochlöffelzepter im Untergeschoss der alten Villa schwingt und damit zur Halbzeit des Tages für gesunde Zufriedenheit bei 50 Kindern, deren Erzieherinnen und bei einigen Senioren sorgt, die das Essen auf Rädern seit Jahren zu schätzen wissen.

Die 52-Jährige Lückstedterin ist vom Fach. Ihr Handwerk hat sie noch im Osterburger Kreiskulturhaus gelernt und half später in der LPG-Küche Lückstedt, täglich 500 bis 600 Mittagsportionen zuzubereiten. Nach der Wende musste sie sich wie viele andere mit Arbeitsfördermaßnahmen und Umschulungen über Wasser halten, bis sie in der Tagesstätte im Nachbardorf ihre alte, mit Kindern aber auch einen neue Berufung fand und sich seither in „Wichtelhausen“ großer Beliebtheit bei Jung und Alt erfreut.

Die Mädchen und Jungen, die sie alle mit Namen kennt, sind so herrlich, aber auch gnadenlos ehrlich, wenn es um den Geschmack geht. Deshalb gönnt sie sich selbst nach so vielen Jahren täglich den Blick in die Mittagsrunde und versucht, die Gesichter der Kinder zu interpretieren, wenn sie ihre Mahl verspeisen. Am meisten freut sich die Familienmutter, wenn sich die Knirpse sogar bei Suppe einen Nachschlag einfordern.

Dass einem Kind das Essen mal nicht schmeckt kommt selten vor. Und meist liegt es dann auch nicht an der Arbeit der Köchin, sondern eher daran, dass etwas auf dem Teller liegt, „was der Bauer (noch) nicht kennt“. Rhabarber, Porree und Kohl stehen da an erster Stelle.

Obst und Gemüse kommt auch aus privaten Gärte

Womit deutlich wird, dass der Job von Ilka Bethge über das Sattmachen der Knirpse weit hinaus geht und die Köchin fast schon Pädagogin ist. Denn sie hat einen großen Anteil daran, dass der Nachwuchs den Geschmack für frische, regionale, natürliche und gesunde Hausmannskost entwickelt, bevor die Kinder noch früh genug ihre Liebe für Fastfood entdecken.

Dass Lieblingsgerichte nicht aus frittierten Kartoffeln bestehen oder zwischen zwei wabbeligen Brötchenhälften passen müssen, zeigt das absolute Lieblingsgericht der Kleinen. Nudeln und Tomatensoße kommt im Dienst der Vielfalt allerdings nur alle 14 Tage auf den Tisch. Auf Rang zwei folgen übrigens Fischstäbchen, die als Fertigprodukte sonst die absolute Ausnahme in der Frischeküche sind. Das Fleisch kommt sonst von der Agargenossenschaft Lückstedt, Obst und Gemüse aus Kleinau oder noch frischer aus privaten Gärten des Dorfes.

Privat sind ihre Kochkünste meist nur am Wochenende gefragt. In der Woche essen „ihre Männer“ im Betrieb. „Superfleißig, verlässlich, sogar bei Stress immer freundlich“, umschreibt es Kita-Leiterin Kornelia Krüger und fügt an, das sie sich die Einrichtung ohne ihre Köchin nicht vorstellen kann. Muss sie aber auch nicht. Denn Ilka Bethge will den Job gerne noch bis zur Rente machen.