Klötze/Schwiesau l Kleine Holzkreuze an einem Abschnitt der Landesstraße zwischen Klötze und Schwiesau ziehen die Blicke auf sich. Jedes Kreuz steht für einen Wildunfall. Derzeit sind zwar nur sechs dieser „Dreibeine“ – so auch der Name des Pilotprojekts – zu sehen. Seit Anfang 2018 sind dort aber bereits acht Wildunfälle registriert worden, wie Ray Siebentaler von der Polizei in Salzwedel resümierte. Er nannte weitere Zahlen: „2015 kam es auf dieser Strecke zu 14 Wildunfällen, 2016 waren es 12, im vergangenen Jahr nur vier.“ 2018 wird die Anzahl mindestens doppelt so hoch sein.

Auf der Pilotstrecke selbst, sie umfasst den Bereich mit der auf 70 Stundenkilometer begrenzten Höchstgeschwindigkeit von Waldrand zu Waldrand, sind seit Jahresbeginn fünf Unfälle mit Wild registriert worden. Zu weiteren drei Wildunfällen kam es im Bereich des Privatwaldes zwischen dem Ortsausgang Klötze und dem Waldrand.

Auf die Monate verteilt, krachte es im Mai zweimal zwischen Auto und Wild, ebenso im September. Keinen Wildunfall gab es von Januar bis April, jeweils einen im Juni, Juli, August und Oktober.

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Unfälle auch außerhalb des Bereichs

Dietmar Schulze, Leiter des Reviers Klötze im Landesforst, betonte: „Wir sollten dabei beachten, dass nicht alle Wildunfälle in der 70er-Zone passierten.“ Das würde das Ergebnis für den beruhigten Bereich realistischer aussehen lassen. Kommt es bis Jahresende zu weiteren Unfällen mit Wild, fließen auch die in die Statistik für 2018 mit ein.

Betrachtet man die Wildunfälle im gesamten Altmarkkreis Salzwedel, ist die Tendenz positiv: „Wir hatten 2017 zusammen 1218 Wildunfälle im Kreis, mit Stand vom Montag sind es in diesem Jahr bisher 1003 Wildunfälle“, rechnete Peter Klahs aus dem Salzwedeler Polizeirevier vor. Bis Ende 2018 werden sich die Zahlen noch angleichen.

Doch weshalb sind es in diesem Jahr nicht erneut weniger Wildunfälle? Dietmar Schulze vermutete: „Es ist mehr Schwarzwild an den Unfällen beteiligt“. 2018 sei ein sogenanntes Mastjahr. Kastanien und Eichen bilden dann bedeutend mehr Früchte aus. Die lässt sich das Schwarzwild jetzt schmecken und hält sich deshalb mehr in den Wäldern an der Pilotstrecke auf. Zu den Unfalltieren zwischen Klötze und Schwiesau gehört deshalb ein starker Keiler. Weniger Probleme würden aus zwei Gründen Dam- und Rehwild bereiten: Es ist weniger geworden und wird von Wölfen stärker in Schach gehalten.

Dunkelziffer durch ungemeldete Crashs

Interessante Informationen hatte auch Jens Mösenthin von der Unteren Jagdbehörde des Altmarkkreises mitgebracht. „Alle zwei Minuten geschieht in Deutschland statistisch gesehen ein Wildunfall. Aber nicht alle werden auch gemeldet.“ Das sei nicht im Sinne des Naturschutzes und verursache deshalb in den Statistiken eine hohe Dunkelziffer. Und deutlich: „Zu spätes Melden eines Wildunfalls ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit Bußgeld geahndet werden.“

Beim Thema Dunkelziffer mussten die beiden Polizeibeamten jedoch eingestehen, dass es in diesem Jahr in dem Abschnitt keine Geschwindigkeitskontrollen gegeben hat.

Mit Blick auf die Ergebnisse der vergangenen Jahre zog Dietmar Schulze ein Fazit: „Die Zahl der Wildunfälle ist leicht rückläufig. Allerdings gibt es eine natürliche Spanne, die abhängig ist von der Wildpopulation. Viel weniger Wildunfälle werden wir nicht schaffen auf diesem Abschnitt.“ Für Mösenthin war klar: „Wildunfälle können wir nie ganz ausschließen, das ist Tatsache.“

Mit einer Neuigkeit überraschte Peter Klahs selbst die eingefleischten Kenner des Wildes: „Untersuchungen ergaben, dass die blauen Reflektoren auf das Wild keinerlei Wirkung haben.“ Nur eine psychologische auf die Autofahrer. Die blauen Reflektoren sollten aber auch bei dem Pilotprojekt zwischen Klötze und Schwiesau das Wild vertreiben.

Revierleiter Dietmar Schulze betonte zudem, dass jeder Autofahrer die Länge seines Bremsweges selbst bestimmen kann. „Eine Reduzierung von 100 auf 80 Kilometer pro Stunde verkürzt den Bremsweg um 35 Meter.“

Um belastbarere Zahlen zu bekommen, wird das Pilotprojekt über 2018/2019 hinaus fortgesetzt. Das kündigte Jens Mösenthin an.