Klötze l Kontaktbeschränkungen, Ansteckungsgefahr, steigende Infektionszahlen. Corona macht so manchem Angst. Vor allem den Älteren. Christen finden Trost und Zuspruch im Glauben. Der Pfarrer ist für sie oft der wichtigste Ansprechpartner. Doch was ist, wenn der Pfarrer selbst von solchen Ängsten getrieben wird?

Michael Nolte ist Pfarrer in Klötze. Ihm geht es so. Und er geht damit sehr offen um: Er komme „mit Corona nicht klar“, sagt er auf Nachfrage im Gespräch mit der Volksstimme. Das habe eine längere Vorgeschichte. Er halte sich strikt an die Kontaktbeschränkungen und ziehe die Isolation vor, um kein Risiko einzugehen.

Schon seit März gab es keine Gottesdienste mehr mit ihm, nicht mal zur Einschulung, zur Konfirmation oder zum Reformationstag. Seit Ausbruch der Pandemie ist Nolte Pfarrer im Homeoffice. Für seine Gemeindeglieder ist er als Ansprechpartner nur noch telefonisch und per E-Mail zu erreichen. Andachten, Sprüche und Lesungen mit ihm gibt es online unter „Videogottesdienste Gemeinde Klötze“. Für alle, die kein Internet haben, bietet er jeden Montag eine dreiminütige Telefonpredigt an. In der Kirche predigt er nicht mehr.

Dass das nicht optimal ist, weiß Nolte selbst: Einerseits will er die Gemeinde nicht vernachlässigen, andererseits könne er das mit sich nicht in Einklang bringen, gesteht er der Volksstimme im März. Damals ist er allerdings noch voller Hoffnung, dass sich die Situation entschärft.

Doch diese Hoffnung erfüllt sich nicht. „Ich persönlich“, macht er klar, „würde nach wie vor keine Gottesdienste machen. Auch nicht mit Hygienekonzept.“

Aber demnächst muss er das auch nicht mehr: Denn ab dem 1. Januar 2021 wird Nolte nicht mehr der Pfarrer von Klötze sein. Mit Jahresbeginn wird er von seinem Arbeitgeber, der Kirche, in den sogenannten „Wartestand“ versetzt.

„Seine Stelle wird neu ausgeschrieben“, bestätigt Superintendent Matthias Heinrich. Die Entscheidung habe schlussendlich das Landeskirchenamt gefällt. Demnach bleibe Nolte der Kirche verbunden, bekomme statt der Pfarrstelle aber einen „Beschäftigungsauftrag“ zu reduzierten Bezügen, über dessen Inhalt noch verhandelt werden müsse.

Verhandelt werden muss allerdings wohl auch noch über die Dauer dieser Auszeit. Denn während Nolte im Gespräch mit der Volksstimme von einem Zeitraum von drei Jahren ausgeht, will sich der Superintendent auf keinen zeitlichen Rahmen festlegen: „Wer weiß, was die Zukunft bringt!“

Eine unbestimmte Auszeit also? Ein Abschiebegleis für den Pfarrer, der aus gesundheitlichen Gründen aktuell nicht persönlich für seine Gemeindeglieder da sein kann?

Eine Verletzung der Fürsorgepflicht gegenüber dem kirchlichen Arbeitnehmer schließt der Superintendent indes auf Volksstimme-Nachfrage aus: Die Versetzung in den „Wartestand“ sei ganz klar Noltes eigener Vorschlag gewesen, betont Heinrich. Und selbstverständlich sei auch das gesetzlich vorgeschriebene betriebliche Eingliederungsmanagement erfolgt. „So ein Schritt wird nicht leichtfertig gemacht!“ Nolte scheide mit dieser Regelung weder aus dem Dienstverhältnis mit der Landeskirche aus, noch verliere er seine Ordination. Der Kollege bleibe natürlich auch sozial abgesichert.

Und der Zeitrahmen? „Bei einer Erkrankung wird niemand wissen, was kommt“, macht Heinrich klar. „Sagen wir so: Vor Ablauf der drei Jahre wird neu entschieden, wie es weitergeht.“

Wie es für die Gemeinde ohne ihren Pfarrer weitergeht, ist ebenfalls offen. „Die Stellenbesetzung in der Altmark ist ohnehin schwierig. Und mit Corona umso mehr“, weiß Heinrich. Einstweilen, so kündigt er an, werde neben anderen Geistlichen Johannes-Michael Bönecke die Vertretung übernehmen.