Klötze l Warum steigt ein Heißluftballon eigentlich in luftige Höhen hinauf? Oder wie lässt sich eine Figur auf dem Computerbildschirm mit einfachen Programmierbefehlen zum Leben erwecken? Und was ist eigentlich das Leben? Antworten auf diese und unzählige weitere spannende Fragen erhalten Mädchen und Jungen in der Klötzer Stadt- und Kreisbibliothek. Dort stehen die ersten neuen Medien zur Ausleihe bereit, die 2020 für die Einrichtung gekauft wurden.

Möglich machten das 5000 Euro, die das Land Sachsen-Anhalt als Fördermittel bereitstellte. Weitere 5000 Euro gab die Stadt Klötze als Trägerin der Einrichtung dazu, erklärte die kommissarische Bibliotheksleiterin Ilka Prager im Gespräch mit der Volksstimme. Ein Teil des Geldes wurde für Neuanschaffungen in der Kinder- und Jugendabteilung ausgegeben. Der Fokus lag dabei auf den Bereichen Tüfteln, Entdecken und Ausprobieren. „Die Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik-Thematik ist dieses Jahr der Renner in der Kinder- und Jugendliteratur“, erklärte Ilka Prager: „Kinder haben eine große Neugierde.“ Diese helfe ihnen beim Lernen. Mit den richtigen Angeboten würden die kleinen Gehirne viel Wissen aufsaugen, war sich Ilka Prager sicher.

Ermöglichen sollen das hybride Medien. Klassische Bücher aus Papier werden mit Apps auf digitalen Geräten verknüpft. Wie sie mit der Programmiersprache Scratch arbeiten und eigene Spiele entwickeln können, lernen Zweit- bis Viertklässler zum Beispiel mit dem neuen Buch „Ganz easy programmieren lernen“. Darin werde alles Schritt für Schritt erklärt, etwa, wie mit aneinander gereihten Sprachbefehlen Bilder zum Laufen gebracht werden.

 „Auch wir Bibliothekare müssen ständig dazulernen“, sagte Ilka Prager. Sie selbst eigne sich neues Wissen gern über Kinderbücher an, um den Einstieg in unbekannte Themenfelder zu bekommen. Das Programmieren probiere sie zu Hause am Computer aus und freue sich dann, wenn alles funktioniert, gab die Leiterin zu. Kleinere Kinder können sich beispielsweise unter dem Motto „Malen, Spielen, Forschen“ mit dem Thema Farben beschäftigen. Im Bereich Biologie erfahren die jungen Nutzer unter anderem mit anschaulichen Bildern und kurzen Textabsätzen, wie Pflanzen funktionieren. Zu finden sind die aktuellen Neuanschaffungen auf der Treppe in der Kinderabteilung. Das hat bereits Tradition.

Im Bereich der Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik-Thematik, kurz Mint, wolle sie in der Klötzer Bibliothek nun einen repräsentativen Bestand aufbauen, blickte Ilka Prager voraus. Dafür müssten allerdings alte Bücher aus den Regalen genommen werden. „Dabei wird geschaut, was nicht mehr der kindlichen Erfahrungswelt entspricht“, nannte die Leiterin ein Kriterium, auf das beim Aussortieren der alten Medien geachtet wird.

Allein für den Mint-Schwerpunkt wurden die zur Verfügung stehenden 10.000 Euro aber nicht ausgegeben. Reichen müsse das Geld auch für neue Medien für die Erwachsenenabteilung, für Filme, Hörbücher, Spiele und anderes mehr, was ebenfalls schon gekauft wurde. Außerdem würden mit den Mitteln Anschaffungswünsche der Nutzer erfüllt. Viele Neuheiten liegen bereits im Büro von Ilka Prager bereit. Doch einfach so können die Bücher und DVDs nicht zum Ausleihen in die Regale gestellt werden. Erst müssen sie in die Datenbank der Einrichtung eingearbeitet und mit Schlagworten versehen sein.

Für jedes Exemplar dauert das rund 20 Minuten. „Ohne Schlagworte wäre es nur ein wilder Bücherhaufen“, erklärte Ilka Prager. In der Bibliothek würde man dann nichts mehr finden. Mit dem Einpflegen in die Datenbank erscheinen die Medien auch im neuen Online-Katalog der Bibliothek, in dem der gesamte Bestand zu finden ist. Es lohne sich, bereits vor dem Besuch in der Einrichtung zu schauen, ob der gewünschte Titel verfügbar ist, damit der Aufenthalt in der Bibliothek in Corona-Zeiten nicht zu lange dauert.

Ein zweiter Schwerpunkt bei den Neuanschaffungen für die Kinder sind in diesem Jahr die Tonie-Figuren, die in Zukunft wohl Hörspiele auf CD und Kassette ersetzen werden. „Im vergangenen Jahr haben wir mit einigen angefangen“, erinnerte Ilka Prager. Besonders die Eltern junger Kinder würden die Figuren, für die ein spezielles Abspielgerät benötigt wird, stark nachfragen. Zwei Körbe voll mit Figuren stehen derzeit zur Einarbeitung in die Datenbank bereit. Doch auch das müsse Stück für Stück erfolgen.

Bis alle Neuheiten im Bestand verfügbar sind, sei noch Geduld gefragt, teilte Ilka Prager mit. „Wir versuchen, so viele Medien wie möglich zur Verfügung zu stellen.“ Zunächst werde dabei an die Kinder gedacht, die im Corona-Jahr durch ausgefallene Veranstaltungen in der Bibliothek Verluste einfahren mussten, begründete die Leiterin.