Westernstadt

Biker vom Harley-Davidson-Club „Ragtag“ aus Ahlum wünschen sich mehr Achtung

Der Westernstadt am Ahlumer See im Altmarkkreis droht das Aus. Die Gemeinde Rohrberg fordert den Abriss, doch die Biker wollen sich wehren.

Von Walter Mogk
Die Biker vom Harley-Davidson-Club "Ragtag" bangen um die Zukunft ihrer kleinen Westernstadt am Ahlumer See. Geht es nach der Gemeinde Rohrberg, die das gesamte Seeareal gekauft hat, soll der Treffpunkt verschwinden. Foto: Walter Mogk

Ahlum. Seit 15 Jahren ist der Harley-Davidson-Club „Ragtag“, dessen Mitglieder aus ganz Deutschland kommen, am Ahlumer See zu Hause. Im hinteren Bereich des weiträumigen Geländes haben sich die Biker eine kleine Westernstadt aus Holz aufgebaut, in der auch andere Vereine, Einwohner aus dem Dorf und interessierte Besucher willkommen sind. Doch die Idylle ist gestört, seitdem die Gemeinde im vergangenen Jahr den Ahlumer See vom Vorbesitzer, der Beetzendorfer Agrargenossenschaft, gekauft hat. Der künftigen touristischen Nutzung des Seegeländes, für die ein Konzept ausgearbeitet werden soll, stehen die Motorradfreunde offenbar im Wege.

„Wir haben den Bürgermeister zweimal angeschrieben und um ein Gespräch darüber gebeten, wie unser Gelände bei der Weiterentwicklung des Ahlumer Sees berücksichtigt werden kann“, berichtet Vereinsvize Norbert Wingenfelder. Eine Antwort gab es lange nicht, dafür am 29. März die äußerst kurzfristige Einladung zu einem Gesprächstermin am 1. April im Bauamt der Verbandsgemeinde. Den konnten die Biker nicht wahrnehmen. Am 16. April habe Bürgermeister Bernd Schulz dann telefonisch mitgeteilt, dass die Westernstadt zurückgebaut werden muss.

Die Motorradfreunde fühlen sich vor dem Kopf gestoßen. „Uns wird gar keine Chance gegeben, unsere Vorstellungen und Ideen vorzutragen und mit der Gemeinde ins Gespräch zu kommen“, ärgert sich Norbert Wingenfelder. Dabei habe sich bisher niemand an dem Gelände gestört. Im Gegenteil: Die Ford- und die Trabi-Freunde, der Belgische Schäferhund-Verein und andere haben die Westernstadt bei ihren Treffen mitgenutzt.

Holzgebäude ohne offizielle Genehmigung gebaut

„Wir wollen uns einbringen und passen eigentlich genau in das touristische Konzept hinein, das gerade entwickelt werden soll“, erklärt auch Biker-Präsident Andreas Wingenfelder. Dass die Holzgebäude einst zwar mit Duldung des Eigentümers, aber ohne offizielle Genehmigung errichtet wurden, könne nicht als Grund für das abweisende Verhalten der Gemeinde gelten.

Schließlich habe es vor dem Eigentümerwechsel schon das Signal der zuständigen Behörden gegeben, dass über einen Bebauungsplan alles wieder in Ordnung kommen könne. „Einen Teil der Kosten dafür würden wir auch übernehmen und regelmäßig Pacht an die Gemeinde bezahlen“, versichert Norbert Wingenfelder.

Auch für Sibylle Freitag, die Pächterin der Fischerhütte, wäre eine Vertreibung der Biker ein schwerer Schlag. In der schwierigen Corona-Zeit waren sie nicht nur ihre Haupteinnahmequelle. Die Motorradfreunde halfen ihr auch, wo sie gebraucht wurden. Etwa beim Abfischen oder bei der Erneuerung des Vordachs. „Das haben sie ganz allein gemacht, nachdem die Kosten für die Terrassenerneuerung den Voranschlag weit überstiegen und kein Geld mehr da war“, erzählt die Lüdelsenerin. Für Freitag ist klar: „Wenn die Biker gehen müssen, gehe ich auch. Dann muss sich die Gemeinde einen neuen Betreiber suchen.“

Noch haben die Motorradfreunde die Hoffnung nicht aufgegeben. „Wir sind nach wie vor gesprächsbereit“, betont Norbert Wingenfelder, der vor allem über den Zuspruch vieler Einwohner der Gemeinde froh ist. Man wolle sich im Gegenzug auch für die Gemeinde engagieren und tue dies schon seit Jahren. Bei Veranstaltungen habe man stets auf regionale Firmen gesetzt, damit das Geld vor Ort bleibt. „Und wir haben hunderte Leute an den See gebracht, die hier Urlaub gemacht haben“, so Wingenfelder. Rohrbergs Bürgermeister war gestern für eine Stellungnahme telefonisch nicht erreichbar.