Nun doch

Breitband-Internet für (fast) alle Einwohner von Kunrau in Aussicht gestellt

Kunraus Ortsbürgermeister Uwe Bock ist optimistisch, dass nach den weißen Flecken wohl auch die schwarzen Flecken an das Glasfasernetz angeschlossen werden. Demnach vollzieht der Netzbetreiber den Internet-Ausbau auf eigenwirtschaftlicher Basis, ohne Förderung.

Von Markus Schulze
Nach Gesprächen mit dem Zweckverband und dem Netzbetreiber ist Kunraus Ortsbürgermeister Uwe Bock optimistisch, dass der Glasfaserausbau im Ort auch in den sogenannten schwarzen Flecken stattfindet.
Nach Gesprächen mit dem Zweckverband und dem Netzbetreiber ist Kunraus Ortsbürgermeister Uwe Bock optimistisch, dass der Glasfaserausbau im Ort auch in den sogenannten schwarzen Flecken stattfindet. Foto: Markus Schulze

Kunrau - Freude einerseits, Enttäuschung andererseits. Dieses Bild bot sich bei der Sitzung des Kunrauer Ortschaftsrates am 1. Juni. Freude deshalb, weil der Zweckverband Breitband Altmark (ZBA) mit dem Breitbandausbau in Kunrau begonnen hatte. Enttäuschung, weil zunächst nur die sogenannten weißen Flecken erschlossen wurden. Um zu erreichen, dass auch die schwarzen Flecken, wo kein geförderter Ausbau stattfinden kann, berücksichtigt werden, sollte das Gespräch mit dem ZBA und dem Netzbetreiber DNS:Net gesucht werden.

Genau dieses Gespräch hat mittlerweile stattgefunden, berichtete Ortsbürgermeister Uwe Bock am Dienstagabend im Ortschaftsrat und brachte frohe Kunde mit. So sei er „guter Dinge“, dass Kunrau – neben Jübar, Wallstawe, Kusey und Immekath – zu jenen Orten gehört, in denen der Ausbau auch in den schwarzen Flecken erfolgen werde. Derzeit prüfe der Netzbetreiber noch die Wirtschaftlichkeit, aber wenn sich knapp 50 Prozent der Haushalte dazu entschließen, einen Ausbau haben zu wollen, dann stünde die Ampel auf grün, gab sich Bock optimistisch. „Es hängt davon ab, ob wir die Hauseigentümer überzeugen können.“

Bürger zweckentfremden öffentlichen Raum

Beim Ausbau in den weißen Flecken seien derweil die Hauptstränge verlegt worden, teilte der Ortsbürgermeister mit. Es fehlten noch die Anschlüsse bis ins Haus. Vorher würden Mitarbeiter das Gespräch mit den Eigentümern suchen und Fotos machen, „damit es hinterher nicht heißt, die haben mir die Fassade demoliert“, wie Bock erklärte. Die Hausanschlüsse kämen dann so schnell wie möglich.

Die „schlechte Nachricht“ sei, dass beim Verlegen der Kabel deutlich wurde, dass manche Bürger die Randstreifen in den öffentlichen Räumen zweckentfremdet hätten. „Das ist nicht im Sinne des Erfinders“ und habe die Arbeiten unnötig erschwert, ärgerte sich Bock. Schließlich befänden sich dort noch andere Versorgungsleitungen. Ehe man Pflanzkübel oder Feldsteine aufstellt, hätte man wenigstens im Klötzer Rathaus nachfragen können, meinte der Ortsbürgermeister. Seiner Ansicht nach sollten die betreffenden Grundstückseigentümer angeschrieben und zur Räumung der Randbereiche aufgefordert werden.

Dann meldete sich Ratsmitglied Ralf Kuske zu Wort. Er bedankte sich für die Informationen zum Breitbandausbau, gab aber zu bedenken, dass Kunrau nur zu einem Drittel aus weißen Flecken bestehe. „Der Rest ist schwarz.“ Kuske sprach von einer „Fortsetzung der Schildbürger-Ära“, weil im Ort gebuddelt werde, die meisten Einwohner aber nichts davon hätten. Eine Einteilung in weiß und schwarz und damit eine Ungleichbehandlung dürfe es nicht geben, meinte Kuske. „Ich fühle mich benachteiligt“, sagte er.

Ratsmitglied will keine Benachteiligung

„Auch die schwarzen Flecken werden erschlossen“, erinnerte Bock, doch Kuske ließ sich nicht besänftigen. Für ihn gebe es „zu viele Konjunktive“. Er wolle nicht vom Wohlwollen beziehungsweise der Wirtschaftlichkeitsprüfung einer Firma abhängig sein. Stattdessen sollte es Aussagen von Bund und Land geben, wie man gedenke, sämtliche Bürger mit schnellem Internet zu versorgen. Dies sei zwingend erforderlich, wie sich in den vergangenen Monaten herausgestellt habe. „Seit über einem Jahr ist Corona. Die Leute sind im Homeoffice, die Schulen machen Fernunterricht, aber es tut sich nichts.“ Deutschland sei viel zu langsam, machte Kuske seinen Unmut deutlich und kündigte an, sich mit dem Status quo nicht zufrieden geben zu wollen.

„Was ist eigentlich, wenn nur 40 Prozent einen Anschluss haben wollen?“, fragte Ratsmitglied Kay Krieger. „Wird dann trotzdem in den schwarzen Flecken gebaut?“ Uwe Bock ging davon aus, dass die Wirtschaftlichkeit auch dann gegeben sein dürfte. Nach der Sommerpause erwarte er zu dem Thema eine konkrete Aussage. Der Vorteil in Kunrau sei aber, dass es eine dichte Bebauung gebe. Die Häuser stünden eng beieinander, es gebe keine großen Entfernungen. „Dann muss man nicht so viel buddeln“, fasste der Ortsbürgermeister zusammen.

Allerdings gibt es wohl auch Ausnahmen. Denn während die Kolonie zwischen Kunrau und Jahrstedt in den Genuss des Breitbandausbaus käme, dürften der Hahnenberg und der Belfort dafür nicht in Betracht kommen, weil diese Siedlungen zu weit abgelegen sind. „Die fallen hinten runter“, sagte Bock nach einem Blick auf die Karte, auf der die weißen und schwarzen Flecken ersichtlich sind.