Quarnebeck/Berlin l „Das war echt ein tolles Erlebnis“, schwärmt Andreas Lenz im Telefongespräch mit der Volksstimme von der Tagesreise nach Berlin. Mit zwei Bussen waren die Quarnebecker am vorigen Freitag nach Berlin gefahren, um an der Siegerehrung des 26. Bundeswettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ teilzunehmen. In diesem Wettbewerb hatte Quarnebeck 2017 zunächst im Altmarkkreis Salzwedel gewonnen und 2018 auch auf Ebene des Landes Sachsen-Anhalt die Goldmedaille errungen.

Mit 90 Leuten ging es am Freitag von der Altmark in die Bundeshauptstadt, wo den siegreichen Dörfern im Rahmen der Grünen Woche eine große Bühne geboten wurde. „Schön war, dass man mit den anderen Dörfern ins Gespräch kam und sich austauschen konnte. Jeder hat dem anderen den Erfolg gegönnt“, beschreibt Lenz die harmonische Atmosphäre. Besonders enge Kontakte knüpften die Quarnebecker an diesem Tag mit Garlitz (Landkreis Havelland/Brandenburg). Nicht auszuschließen, so Lenz, dass sich daraus eine gewisse Dörferfreundschaft entwickelt.

Bundesministerin würdigt Engagement der Dörfe

„Runter wie Öl“ sind ihm auch die lobenden Worte von Julia Klöckner gegangen. Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft würdigte in ihrer Rede die Kreativität, den Zusammenhalt und das Engagement der Menschen auf dem Land. „Ohne lebendige, ländliche Regionen sehen wir alle alt aus“, sagte sie. Und: „Die Bewohner vor Ort haben oft die besten Ideen, wie ein gutes Zusammenleben gelingen kann. Das Ehrenamt ist vor allem auch auf dem Land zuhause.“

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Wie die Ministerin weiter unterstrich, geht es bei „Unser Dorf hat Zukunft“ – anders als bei anderen Auszeichnungen – nicht nur um die Leistung von Einzelnen, sondern um die Mitwirkung ganzer Dorfgemeinschaften. „Ob alt oder jung, zugezogen oder alteingesessen – alle packen mit an, wenn es darum geht, die eigene Heimat noch lebenswerter zu machen.“

Der Parlamentarische Staatssekretär Uwe Feiler übernahm es, den Siegerdörfern die Urkunden zu überreichen. Damit verbunden ist ein Preisgeld in Höhe von 15 000 Euro (Gold), 10 000 Euro (Silber), 5000 Euro (Bronze) und 3000 Euro für Sonderpreise. Die Quarnebecker, die Silber holten und dazu den Sonderpreis „Engagement gegen Extremismus“, sind also gleich um 13 000 Euro reicher.

Rundherum gab es für die etwa 2500 Gäste ein buntes Programm mit Musik, Tanz, Trachten und guter Laune. Unter anderem wird den Quarnebeckern im Gedächtnis bleiben, wie ihre Jagdhornbläser mit bayerischen Alphornbläsern gespielt haben. Alle hatten so viel Spaß, dass es schwer fiel, sich zu verabschieden.

Quarnebecker sind noch enger zusammengerückt

Erst gegen 22.30 Uhr machten sich die Quarnebecker wieder auf den Heimweg, berichtet Reinhard Meyer. Für die Quarnebecker war es ein ziemlich langer Tag. Beginnend mit der Abfahrt um 9.30 Uhr in Quarnebeck und Wenze mit Zwischenstopp in Klötze. Und natürlich, wenn Engel reisen, schien die Sonne. Bei der Hinfahrt gab es eine kleine Pause mit Kaffee und Kuchen.

In Berlin war von den Organisatoren alles bestens vorbereitet worden, erinnert sich Meyer. Die Delegationen hatten reservierte Tische, auf denen Speisen und Getränke bereitstanden. Zu Beginn der Veranstaltung zogen Abordnungen der Siegerdörfer nacheinander in den Saal ein und wurden von Julia Klöckner persönlich begrüßt. Aus Quarnebeck oblag Lars Wille, Reinhard Meyer, Marco Wille, Harald Schulz und Verena Treichel diese Ehre. Zum Programm gehörte auch eine Auswertung des Vorsitzenden der Bewertungskommission, die Quarnebeck am 28. Juni 2019 einen Besuch abgestattet hatte – und offenbar begeistert war. Ansonsten hätte es die Silbermedaille und den Sonderpreis nicht gegeben.

„Es herrschte eine ausgelassene Stimmung, eben ein Dorffest“, schildert Reinhard Meyer, der sich bei den Jagdhornbläsern, die Unterstützung aus Klötze und Umgebung bekommen hatten, noch einmal für ihren guten Auftritt bedanken möchte. „Die mitgereisten Chöre (Männerchor Wenze und Frauenchor Klötze) hatten leider keine Gelegenheit, ihr Können auf der Bühne zu präsentieren“, bedauert Meyer. „Dafür haben sie für uns im Bus die Hymne auf Quarnebeck gesungen.“

Nachdem es anfangs durchaus unterschiedliche Meinungen dazu gegeben hatte, ob sie sich an „Unser Dorf hat Zukunft“ wirklich heranwagen sollten, sind die Quarnebecker längst von der Richtigkeit ihrer Entscheidung überzeugt. „Der Wettbewerb hat wesentlich zur weiteren Stärkung der Dorfgemeinschaft beigetragen“, resümiert Meyer. Die Bewohner rückten weiter zusammen, jeder leistete seinen Beitrag. „Das Projekt ist mit jedem Jahr gewachsen und hat eine sehr große Dynamik erreicht“, erklärt Meyer, der besonders Ortsbürgermeister Marco Wille danken möchte, „der von Anfang an nicht lockergelassen und dabei alle mitgerissen hat“.

Der Wettbewerb bedeutet viel Freude, aber auch viel Arbeit. Dass die Quarnebecker alsbald wieder an „Unser Dorf hat Zukunft“ teilnehmen werden, kann sich Andreas Lenz deshalb nicht vorstellen. Aber wer weiß: „Vielleicht sieht das in einem Jahr schon wieder anders aus.“

Der Altmarkkreis ruft zum Kreiswettbewerb von „Unser Dorf hat Zukunft“ 2020-2022 auf. Teilnahmeberechtigt sind Orte mit höchstens 3000 Einwohnern. Fragen beantwortet Yvonne Linhardt unter Telefon 03901/84 03 46. Weitere Infos gibt es im Internet unter mule.sachsen-anhalt.de