Klötze l Das hatte sich Constanze Witte ganz anders vorgestellt. Nur eine Woche nach der Eröffnung ihres neuen Geschäftes am Klötzer Eichholz Anfang März musste die junge Geschäftsfrau wieder schließen. Die Coronakrise machte der Friseurmeisterin einen dicken Strich durch ihre Pläne. Sechs lange Wochen konnte sie mit ihren drei Mitarbeiterinnen sowie ihrer Auszubildenden keinen Kunden begrüßen. Doch heute ist es endlich soweit. Bereits um 7 Uhr öffnet sich die Ladentür und es wird ein großer Kundenansturm erwartet. „Die Menschen waren sechs Wochen lang nicht zum Friseur. Da ist die Nachfrage in den nächster Zeit groß“, merkt Constanze Witte an.

Doch die Kunden werden den Friseursalon ab heute nicht mehr wiedererkennen. Denn die Inhaberin musste auf Grund der Eindämmungsverordnung ihr Geschäft umbauen. „Wir haben vier Friseurplätze komplett und jeden zweiten Sitzplatz aus der Reihe weggenommen, um den Mindesabstand von Kunde zu Kunde und zum Personal von 1,50 Meter einzuhalten.

Auch den Wartebereich und die Kinderspielecke haben wir entfernt, um die Vorschriften einzuhalten“, listet Constanze Witte auf. Auf Getränke und Zeitungen müssen die Kunden, die vor der Tür warten müssen, vorerst ebenfalls verzichten. Weiter müssen sie darauf achten, dass, wenn ein Elternteil mit zwei Kindern kommt, ein Kind draußen warten muss.

Doch das ist noch nicht alles, was Constanze Witte und ihr Team ab heute beachten müssen: Sie dürfen die Kunden nämlich nur mit einem Mundschutz bedienen. Das wird eine der größten Herausforderungen für die Frauen in ihrem bisherigen Berufsleben.

Neue Umstände fordern das Friseurteam

Doch die Chefin ist sicher, dass sie und ihre Mitarbeiter auch dies unter den neuen Umständen meistern werden. Nicht unerwähnt ließ die Klötzer Friseurmeisterin, dass der Mehraufwand auch zu einer kleinen Preissteigerung beim Haarschnitt führt. Denn sowohl beim weiblichen als auch beim männlichen Geschlecht müssen die Haare vor jedem Schnitt gewaschen werden, bevor die Friseurinnen zur Schere greifen und mit dem Haarschnitt beginnen dürfen. Was die Preissteigerung betrifft, hält sich die Erhöhung in Grenzen. Männer müssen nicht tiefer ins Portemonnaie greifen. Frauen ein wenig mehr.

Mit dem heutigen Wiederbeginn des Geschäftsbetriebs hat Constanze Witte an alles gedacht. Ob es Desinfektionsmittel ist oder auch der Mundschutz, den einige Kunden vielleicht nicht parat haben. Alles ist in ihrem Geschäft in der neuen, nicht alltäglichen Situation vorhanden.

Auch auf den Ansturm sind sie und ihre Mitarbeiterinnen vorbereitet. Um der übergroßen Nachfrage nach einem neuen Haarschnitt in allen Altersklassen in den kommenden Wochen auch gerecht zu werden, wird im System mit Früh- und Spätschicht gearbeitet. Denn nicht alle ihre drei Angestellten plus Azubis dürfen zusammen arbeiten. Nur drei Friseure sind erlaubt.

Auch die Öffnungszeiten sind deutlich länger als bislang. Schon um 7 anstatt um 8 Uhr öffnet das Geschäft am Eichholz. Und gegen 20 Uhr wird Constanze Witte es erst wieder schließen. Damit möchten sie und ihr Team nach sechs Wochen Pause so viele Kundenwünsche wie möglich erfüllen.

Dass jeder gleich bei einem unangemeldeten Besuch einen Haarschnitt bekommt, kann die Chefin allerdings nicht garantieren. Einige Kunden hatte sich weitsichtig nämlich schon vor sechs Wochen einen Termin geholt, sagte sie.

Diese sechs Wochen waren auch für Constanze Witte eine schwierige wirtschaftliche Zeit. Die hat sie aber Dank der Corona- Soforthilfen vom Land Sachsen-Anhalt gemeistert. Als Unternehmerin mit bis zu fünf Angestellten bekam sie aus Magdeburg insgesamt 9000 Euro für drei Monate.