Weniger Natur

Der geplante Ausbau zweier Waldwege bei Poppau stößt auf Kritik

Für den Ausbau von Waldwegen kann die Gemeinde Beetzendorf eine 90-prozentige Förderung erhalten. Doch mit der Auswahl der in Frage kommenden Verbindungen sind einige Einwohner und Jäger alles andere als einverstanden.

Von Walter Mogk
Der Verlängerung des Jeebener Kirschwegs durch den Wald in Richtung Hohentramm-Poppauer Weg würden viele Einwohner der betroffenen Ortschaften und Jäger bei einem geförderten Ausbau den Vorzug geben.
Der Verlängerung des Jeebener Kirschwegs durch den Wald in Richtung Hohentramm-Poppauer Weg würden viele Einwohner der betroffenen Ortschaften und Jäger bei einem geförderten Ausbau den Vorzug geben. Foto: Walter Mogk

Beetzendorf

2700 laufende Meter Waldwege will die Gemeinde Beetzendorf in den Gemarkungen Jeeben und Hohentramm ausbauen, um diese für die forstwirtschaftliche Nutzung befahrbarer zu gestalten. Dafür wurde ein Planungsbüro beauftragt, das ein Projekt entwickelt hat. Ziel ist die Bewilligung von Fördermitteln aus dem Landesförderprogramm für den forstlichen Wegebau, die bis zu 90 Prozent der Ausbaukosten abdecken würden. „Den ersten Abgabetermin für den Antrag am 15. Mai werden wir wohl nicht einhalten können, aber zum 31. August gibt es auch nochmal eine Chance“, berichtete Jürgen Friedrichs, Vorsitzender des Bau- und Umweltausschusses des Beetzendorfer Gemeinderates, während der jüngsten Sitzung. Möglich sei dadurch allerdings, dass es mit dem Ausbau der Wege erst im nächsten Jahr etwas werde.

Vorgesehen ist der Ausbau zweier Querwege zwischen den beiden Wegeverbindungen von Siedengrieben beziehungsweise Hohentramm nach Poppau. „Wir hatten eine Anliegerversammlung geplant, doch die musste coronabedingt ausfallen“, erklärte Friedrichs. Deshalb habe man jetzt alle 31 Anlieger und Nutzer der Wege angeschrieben und um eine Stellungnahme zu dem Vorhaben gebeten. „18 haben geantwortet. Zweien war es egal und der Rest hat sich dagegen ausgesprochen“, stellte der Ausschusschef das Ergebnis vor. Hauptargumente: Ein Ausbau der Wege ist nicht notwendig, das Geld sei woanders besser angelegt, und außerdem besteht die Gefahr, dass der Personen- und Fahrzeugverkehr zunimmt.

Ausbau würde 680.000 Euro kosten

680.000 Euro soll der Ausbau kosten. Nach Abzug der Förderung würde die Gemeinde davon letztlich nur 68.000 Euro bezahlen müssen. Das Geld müsste im Haushalt für 2022 eingestellt werden. Doch zunächst ist ein Beschluss des Gemeinderates notwendig, ob das Vorhaben gewollt ist oder nicht. Am 20. Mai soll darüber abgestimmt werden, hieß es im Bauausschuss.

Dass die Pläne bei den Anliegern und etlichen Bürgern auf Widerstand stoßen, zeigte sich auch während der Sitzung. Der Beetzendorfer Jürgen Jünger meldete sich zu Wort und trug die Position der Pächter- und Jägergemeinschaft Jeeben-Siedengrieben vor. Man habe zwar grundsätzlich nichts gegen den Wegebau im Wald, aber gerade die zwei ausgesuchten Verbindungen seien dafür gänzlich ungeeignet. Zum einen geht es um die Querverbindung vom 1663 errichteten Jägerstein am Weg Hohentramm-Poppau in Richtung Jeeben, zum anderen um die weiter nördlich verlaufende Querspange. „Es kann nicht sein, dass diese schönen Waldwege, wo Heide und Silbergras an den Rändern wachsen, abgefräst und mit zwei Lagen Splitt versehen werden“, kritisierte Jürgen Jünger.

Befahren von Waldwegen verboten

Die Querwege seien wegen ihrer Naturbelassenheit erhaltenswert und würden gerade deshalb auch von Spaziergängern und Fahrradfahrern, auch aus dem nahen Ökodorf, frequentiert. Zudem sei hier viel Wild unterwegs, das nach einem Ausbau durch den zunehmenden Verkehr und Lärmbelästigungen gestört werde. Durch die Splittauflage seien Fahrzeuge schon von Weitem zu hören.

Der Gegenvorschlag der Anlieger lautet: Auf die Querwege verzichten und stattdessen die Verlängerung des Jeebener Kirschweges hin zum Hohentramm-Poppauer Weg und den Siedengrieben-Poppauer Weg ausbauen. Dafür sprach sich auch Silvia Schulz, Interessenvertreterin für Hohentramm, Siedengrieben und Stapen, aus. Sie wies darauf hin, dass die Querwege derzeit zwar etwas uneben, aber trotzdem gut zu befahren sind. „Es wäre ein Frevel, diese schönen Wege anzufassen“, so Schulz.

Keine Auswirkungen auf Wegesränder

Ratsherr Thorsten Massel wies darauf hin, dass es der Gemeinde möglich ist, „mit einem hohen Fördersatz die Infrastruktur zu verbessern“. Man sehe doch, wie schön befahrbar mit dem Rad die großen Wege durch den Klötzer Forst, den Heidau oder Wismar sind. Gefahr durch vermehrten Autoverkehr sieht Massel nicht. „Das Befahren ist laut Landeswaldgesetz verboten und notfalls kann man Schlagbäume aufstellen. Das klappt woanders auch“, erklärte er.

Ausschussvorsitzender Jürgen Friedrichs wies darauf hin, dass es Zweck des Ausbaus ist, die Wegestruktur für die Holzabfuhr im Wald zu verbessern. Es habe immer wieder Nachfragen gegeben, wann etwas an den Wegen gemacht wird, die durch die Holztransporter zerfahren wurden. Jetzt könne man etwas tun. Die Natur an den bisherigen Wegrändern würde auch keinen Schaden nehmen, da sich an der Wegbreite von 3 bis 3,5 Meter nichts ändere. Bei den beiden als Alternative vorgeschlagenen Wegen seien die Fördervoraussetzungen nicht gegeben. Deshalb habe man sich für den Ringschluss über die Querspangen entschieden.