Einfach bärig

Ehemalige Klötzer Bärin Tapsi schickt Liebesgrüße aus dem Mecklenburger Bärenwald

Kennen Sie noch Tapsi? Die Braunbärin ist vor fast genau neun Jahren vom Klötzer Tierpark in den Bärenwald Müritz umgezogen. Mittlerweile ist sie 31 Jahre alt, hat Hüftprobleme, erfreut sich mit Partner Michal aber ihres Lebens.

Von Markus Schulze
Im Juni 2012 kam Tapsi aus dem Klötzer Tierpark in den Bärenwald Müritz. Ihr Vater Bummi musste dort 2013 eingeschläfert werden. Zunächst war Tapsi sehr traurig. Doch seit Michal da ist, lebt sie auf. Die beiden Bären sind ein Herz und eine Seele, wobei Tapsi das Sagen hat.
Im Juni 2012 kam Tapsi aus dem Klötzer Tierpark in den Bärenwald Müritz. Ihr Vater Bummi musste dort 2013 eingeschläfert werden. Zunächst war Tapsi sehr traurig. Doch seit Michal da ist, lebt sie auf. Die beiden Bären sind ein Herz und eine Seele, wobei Tapsi das Sagen hat. Foto: Bärenwald Müritz/Thomas Oppermann

Klötze/Stuer - Am 15. Oktober 2021 feiert der Bärenwald Müritz im mecklenburgischen Stuer seinen 15. Geburtstag. Auf dem rund 16 Hektar großen Gelände leben derzeit 15 Braunbären. Dazu gehört auch Tapsi.

Tapsi? Ja, genau. Vielen Klötzern ist die Bärendame noch aus ihrer Zeit im Klötzer Tierpark bekannt. Dort führte sie mit ihrem Vater Bummi ein eher trauriges Dasein in einem Betonkäfig, in dem sich heute Wildschweine tummeln. Vor neun Jahren zogen die beiden Bären dann in den Bärenwald Müritz um. Doch noch immer gibt es Fans in Klötze. „Was ist eigentlich aus ihr geworden?“, erkundigten sich mehrere Anrufer. Die Volksstimme fragte gerne nach.

„Seit Juni 2012 lebt Tapsi im Bärenwald Müritz, zunächst in einem Gehege mit Bummi“, berichtet Pressesprecherin Petra Konermann. Doch 2013 musste ihr Bärenvater eingeschläfert werden. Für Tapsi war das ein schwerer Schlag. „Sie fraß und bewegte sich kaum noch“, erinnert sich Petra Konermann. Für das Bärenwald-Team war es traurig, die Bärendame so leiden zu sehen. Die Tierpfleger versuchten alles, um Tapsi aufzumuntern, aber letztlich schaffte das nur ein Bärenmann namens Michal.

Gemeinsame Streifzüge durch großes Gehege

Der ist seit 2011 im Bärenwald zu Hause und stammt aus einem polnischen Zoo, wie Petra Konermann weiß. Dort lebte er mit anderen Bären, umgeben nur von Beton. Einer der älteren Bären hatte Michal, als er noch ein Jungbär war, die rechte Vorderpfote abgebissen. „Damit hat sich Michal aber sehr gut arrangiert und er kommt mit seinem Handicap gut zurecht – zumal er hier bei uns im Bärenwald alle Betreuung und Fürsorge bekommt, die er benötigt.“

Im Frühjahr 2014 wurden Tapsi und Michal miteinander vergesellschaftet. „Das ist im Allgemeinen die beste Zeit, um Bären zusammenzubringen, denn es ist die Paarungszeit“, erklärt Petra Konermann.

Tapsi und Michal verstanden sich auf Anhieb super. Seitdem weichen sie sich kaum noch von der Seite und streifen gemeinsam durch ihr fast ein Hektar großes Gehege. „Tapsi geht es hier mit ihrem neuen Lebensgefährten sichtlich gut, und ihre dunklen Zeiten scheinen weit in den Hintergrund gerückt zu sein“, ist Petra Konermann überzeugt.

Temporäre Trennung in der Paarungszeit

Mit dem verspielten, dreibeinigen Michal versteht sie sich bestens, auch außerhalb der Paarungszeit. Nicht mal um das Futter wird gestritten. Sogar die Winterruhe verbringen die beiden Bären gemeinsam, was „sehr ungewöhnlich“ ist, wie Petra Konermann betont.

Übrigens ist ganz klar, wer in dieser Bären-Beziehung das Sagen hat: Tapsi.

Momentan sind sie und Michal erstmals voneinander getrennt. Der Grund ist wiederum die Paarungszeit: Mit ihren 31 Jahren ist Tapsi bereits eine ältere Bärendame mit Hüftproblemen. Ihr Partner Michal wiegt 225 Kilogramm. Um Verletzungen in der Paarungszeit zu vermeiden, wurde ihr gemeinsames Gehege durch einen Elektrozaun geteilt. „Das ist aber nur vorübergehend, sofort nach der Paarungszeit kann das Bären-Paar wieder zueinander“, verspricht Petra Konermann.

Tapsi und Michal mögen sich zwar sehr, trotzdem ist ihre Partnerschaft eher platonisch. Denn Bären-Nachwuchs gibt es im Bärenwald grundsätzlich nicht, wie die Pressesprecherin erläutert. „Braunbären, wie sie bei uns im Park leben, sind keine bedrohte Tierart. Die internationale Tierschutzstiftung Vier Pfoten, die Trägerin des Bärenwaldes ist, hat es sich vielmehr zur Aufgabe gemacht, Tiere aus schlechten Haltungsbedingungen zu retten und ihnen für den Rest ihres Lebens ein artgemäßes Zuhause zu geben. Alle männlichen Bären bei uns im Bärenwald sind kastriert.“

Tapsi dürfte das egal sein. Wer sie wiedersehen möchte, kann gerne in den Bärenwald Müritz (Am Bärenwald 1, 17209 Stuer) kommen. Ab dem 4. Juni, so informiert Petra Konermann, dürfen Urlauber aus anderen Bundesländern wieder nach Mecklenburg-Vorpommern einreisen, sodass einem Besuch im Bärenwald nichts im Wege steht.

Tapsi, inzwischen 31 Jahre alt, ist eine misstrauische, aber neugierige Bärin.
Tapsi, inzwischen 31 Jahre alt, ist eine misstrauische, aber neugierige Bärin.
Foto: Bärenwald Müritz/Tim Haltermann