Klötze l Neben der Eingangstür steht eine Flasche mit Desinfetktionsspray für die Hände, die Tische im Gastraum stehen weit auseinander. Auf ihren braunen Platten liegen gut sichtbar weiße Zettel. Auf den Vordrucken müssen die Gäste, die sich ein Essen schmecken lassen wollen, ihre Namen und Kontaktdaten eintragen. In der Pension und dem Gasthaus Fahrenkamp in Röwitz hat man sich gut auf den Neustart nach der mehrwöchigen Corona-Zwangspause vorbereitet.

Ab heute werden dort wieder Speisen serviert und auch der Biergarten ist geöffnet. Inhaber Sven Fahrenkamp nutzt die Möglichkeit zur vorzeitigen Öffnung und hatte dafür einen Antrag beim Altmarkkreis Salzwedel gestellt. Wird dieser bewilligt, so wie im Fall von Sven Fahrenkamp, können Restaurants bereits einige Tage vor dem eigentlichen Starttermin am kommenden Freitag wieder Gäste willkommen heißen.

Regelungen aufwendig umzusetzen

Erforderlich ist dafür unter anderem ein Hygienekonzept, für dessen Erstellung die Gastronomen zahlreiche Hinweise beachten müssen. „Es ist sehr aufwendig, die Regelungen umzusetzen“, sagte Fahrenkamp im Gespräch mit der Volksstimme. Das Erstellen eines Hygieneplanes hätte gut 24 Stunden beansprucht, die Gaststätte musste er umräumen. Zwar gibt es wie vorher sieben Tische, an denen stehen aber insgesamt zehn Stühle weniger. „Draußen können auch 20 Mann weniger sitzen“, sagte er mit Blick auf den Biergarten. „Desinfektionsmittel ist schwer zu bekommen.“ Doch ohne das geht nichts. Tische und Stühle müssen desinfiziert werden, wenn Gäste mit dem Essen fertig und gegangen sind. Tischdecken will der Inhaber nicht auslegen, denn die müsste er nach jedem Gastwechsel waschen, verzichtet wird ebenfalls auf Blumendeko und Kerzen. Klassische Karten gibt es nicht, der Speiseplan steht online.

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Bis Freitagvormittag waren 39 Anträge zur vorzeitigen Öffnung beim Altmarkkreis Salzwedel eingegangen, wie es in einer Mitteilung des Kreises heißt. Erste positive Bescheide seien an dem Tag bereits an Betriebe in Klötze, Arendsee, Gardelegen und Salzwedel verschickt worden. Die Auswirkungen der Corona-Krise trafen die Gastronomen hart, in den vergangenen Wochen blieben etliche Restaurantküchen kalt – und die Kassen leer. Gemäß der Allgemeinverfügung vom 22. März mussten Gaststätten in Sachsen-Anhalt für den Publikumsverkehr schließen. Essen durfte in den Betrieben nicht mehr serviert werden. Erlaubt waren nur die Belieferung, die Mitnahme und der Außer-Haus-Verkauf von Speisen.

Diese Möglichkeit nutzte auch Sven Fahrenkamp in den vergangenen Wochen. Seine Stammkundschaft hätte ihn so etwas über Wasser gehalten. Er sei vielleicht noch etwas besser durch die Krise gekommen als andere Gastronomen, weil er die Zimmer seiner Pension weiter an Arbeiter und Geschäftsreisende vermieten konnte. Viel Geld habe er trotzdem zustecken müssen, sagte er. Die Zeit der Schließung hat er genutzt, um den Gastraum zu renovieren.

Spezielles Feiertagskonzept

Seine zwei Angestellten musste der Chef in Kurzarbeit schicken. „Ich weiß noch nicht, was kommt“, so der Inhaber. Einen großen Ansturm werde es wohl nicht geben. Voll werden könnte es zu Himmelfahrt am kommenden Donnerstag. Deshalb bleibt das Röwitzer Gasthaus an dem Tag zu. Für den Feiertag hätte Fahrenkamp noch ein spezielles Konzept benötigt und vielleicht Wachpersonal engagieren müssen, das auf die Einhaltung der Regeln hätte achten müssen. Das wollte er nicht.

Während in Röwitz an Himmelfahrt Pause ist, könnte an dem Tag ein paar Kilometer entfernt der Betrieb wieder losgehen. In Immekath soll dann der Gasthof „Zu den Linden“ nach der Corona-Pause wieder seine Türen öffnen, sagte Inhaberin Stefanie Schwerin. Auch sie hatte beim Kreis einen Antrag gestellt, wartete aber noch auf den Bescheid. Am Feiertag, so der Plan, soll für die Gäste zunächst nur der Biergarten hinterm Haus offen stehen. Die Tische wurden dort auseinandergezogen, um den nötigen Platz zu schaffen. Und auch im Gasthaus müsste einiges passieren. Die Gäste müssten zum Beispiel gelenkt werden, um Kontakte untereinander zu vermeiden. Durch den Haupteingang könnte es ins Gebäude gehen, durch die Hintertür über den Hof wieder hinaus. Pfeile sollen den Weg weisen. Die Gaststätte den neuen Anforderungen entsprechend umzugestalten, brauche Zeit. Aktuell laufen die Vorbereitungen. Bis heute wäre das wohl nicht zu schaffen gewesen. „Wir müssen ja auch die Einkäufe machen“, nannte Schwerin eine weitere Aufgabe.

„Für die Gäste und für uns wird es eine Umstellung“, ist sich die Inhaberin des Familienbetriebes sicher. Sie fürchte, Gäste regelmäßig belehren zu müssen. Und die Zahl der Plätze ist ebenfalls beschränkt. „Wenn die Tische voll sind, darf keiner mehr rein“, brachte es Stefanie Schwerin auf den Punkt. Auch wenn die Umsetzung der neuen Regeln teilweise umständlich sei, so wolle sie trotzdem den Betrieb wieder aufnehmen, es sei schön, wieder öffnen zu können. Wirtschaftlich werde sich das wahrscheinlich noch nicht lohnen, alle Mitarbeiter könne sie noch nicht aus der Kurzarbeit holen. Schließlich seien Feiern und die Kegelrunden weiter abgesagt. In Immekath ging der Betrieb mit einem Außer-Haus-Verkauf in der Krise weiter. „Das war eine gute Entscheidung“, so Stefanie Schwerin.

Brief an die Verantwortlichen

„Ich bin stinksauer“, sagte hingegen Heike Nieber, als sie auf den Antrag angesprochen wurde. Ausfüllen und abschicken wollte sie das Formular nach dem Lesen nicht. Die Inhaberin der „Mühle zu Klötze“ kündigte an, einen Brief an die Verantwortlichen im Kreis schreiben zu wollen. Als Kritikpunkt nannte sie etwa die Auflagen für die Gäste, die nur zwei Stunden bleiben dürfen. „Viele haben noch Angst, da müssen wir uns doch über jeden Gast freuen, der kommt und dann auch wiederkommt.“ Ein Problem bei der historischen Mühle ist unter anderem, dass sie keinen quadratischen, sondern einen runden Grundriss hat. Die Abstandsregelungen ließen sich nur schwer umsetzen. Und das auf drei Etagen, wie die Gastronomin erklärte. Mindestens die Hälfte der regulären Plätze werde wohl wegfallen

„Ich bedauere, ein paar Jahre zu jung zu sein, sonst wäre ich in Rente gegangen“, sagte Heike Nieber ganz offen. Vor 41 Jahren habe sie Kellnerin gelernt, in der Mühle arbeite sie seit 19 Jahren, 2009 pachtete sie das Objekt. „Es ist nur ein kleines Restaurant, wir haben uns immer gut durchgewurschtelt“, sagte sie. In einem kleinen Betrieb werde man nicht reich. Umso schwerer waren die Wochen der Schließung. Ihre zwei Angestellten habe sie in Kurzarbeit geschickt. Gleich nach der Schließung habe sie die staatliche Soforthilfe für Selbstständige beantragt, das Geld aber erst sechs Wochen später erhalten.

Trotz aller Rückschläge wolle Heike Nieber weitermachen. „Ich will nicht, dass mein Personal auf der Straße steht.“ Sie plane, am 22. Mai wieder zu starten, dann dürfen Gaststätten nach Anzeige öffnen, unter Einhaltung von Auflagen. Man müsse sehen, was die nächsten Monate bringen, so Nieber.