Brauchtum ungewiss

Jahrstedter Ortschaftsrat kritisiert Bürokratie und Auflagen fürs Ehrenamt

Laut ihrem Entwicklungskonzept wollen die Jahrsteder das Ehrenamt stärken. Doch wie soll das funktionieren, fragen die Ortschaftsratsmitglieder, wenn es statt Dankbarkeit, Wertschätzung und Respekt nur „Knüppel zwische die Beine“ gibt?

Von Markus Schulze
Maik Theisz (links, neben ihm der stellvertretende Ortsbürgermeister André Homeyer) platzte im Jahrstedter Ortschafstrat der Kragen. Das Ehrenamt wird nicht genug gewürdig, sagte er.
Maik Theisz (links, neben ihm der stellvertretende Ortsbürgermeister André Homeyer) platzte im Jahrstedter Ortschafstrat der Kragen. Das Ehrenamt wird nicht genug gewürdig, sagte er. Foto: Markus Schulze

Jahrstedt - Wegen der Corona-Beschränkungen konnte in Jahrstedt auch 2021 kein öffentliches Osterfeuer stattfinden. „Irgendjemand hat es abgebrannt“, berichtete der stellvertretende Ortsbürgermeister André Homeyer im Ortschaftsrat. Die Zukunft dieses Brauchtums sei ungewiss. Das hänge damit zusammen, weil die Feuerwehren laut eines Schreibens der Stadt Klötze nicht mehr als Organisator in Erscheinung treten sollen.

Nun gelte es zu überlegen, ob und wie das Osterfeuer künftig durchgeführt werden kann. In diesem Punkt zeigte sich Homeyer zuversichtlich: „Wer die Jahrstedter kennt, weiß, dass wir das auf anderem Wege hinbekommen.“ Die Feuerwehr werde sicher unterstützen, das sei gestattet.

Völlig falscher Weg

Damit war das Thema zunächst abgehakt, die Sitzung nahm ihren Lauf. Auf der Tagesordnung stand noch das Integrierte Gemeindliche Entwicklungskonzept (IGEK). Dieses ist notwendig, um Fördermittel zu bekommen. Im Entwurf wurde als eines der Jahrstedter Ziele „Ehrenamt stärken“ genannt. Plötzlich meldete sich Ratsherr Maik Theisz zu Wort und fragte, warum die Feuerwehren mit dem Osterfeuer nichts mehr zu tun haben sollen?

Homeyer erklärte, dass es andernorts zu einem Unfall gekommen und der Wehrleiter dafür zur Verantwortung gezogen worden sei. Davor sollen die Feuerwehrleute bewahrt werden und sich ganz auf ihre Ausbildung und Einsatzbereitschaft konzentrieren.

Theisz, seines Zeichens auch Vorsitzender des Jahrstedter Angelsportvereins, fand diese Entwicklung bedenklich und kritisierte, dass den Ehrenamtlichen immer mehr Knüppel zwischen die Beine geworfen würden. Dabei seien es genau diese Menschen, die ihre Freizeit zum Wohle der Allgemeinheit opfern. Doch anstatt Dankbarkeit, Respekt und Wertschätzung zu erfahren, „werden wir getreten“, wie Theisz meinte. Insofern sei es kein Wunder, wenn immer weniger Menschen bereit seien, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Tut mir leid“, sagte Theisz, „aber da sind wir auf dem völlig falschen Weg.“ Zumal heute kaum noch ein Verein ohne Steuerberater auskomme, sich mit Verordnungen und Genehmigungen herumschlagen müsse. Theisz kam zu dem Schluss: „Das Ehrenamt ist doch gar nicht mehr gewollt.“

Zumindest, so stimmte ihm Homeyer zu, werde es schwieriger, Personen zu finden, die Veranstaltungen organisieren wollen, wenn zu befürchten steht, in Haftung genommen zu werden.