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Kölner wollen bei Steimke Solarpark der Superlative entstehen lassen

Bis zu 45 Millionen Euro will ein Kölner Unternehmen in den Bau eines Solarparks in der Steimker Gemarkung investieren. Der könnte 97 Hektar groß werden. Am Sonnabend fand zu dem Thema eine nichtöffentliche Info-Veranstaltung statt.

Von Markus Schulze
Das Kölner Unternehmen Wattner will bei Steimke einen 97 Hektar großen Solarpark errichten. Geschäftsführer Guido Ingwer stellte das Vorhaben am Sonnabend dem Steimker Ortschaftsrat und den Fraktionsvorsitzenden des Klötzer Stadtrates vor.
Das Kölner Unternehmen Wattner will bei Steimke einen 97 Hektar großen Solarpark errichten. Geschäftsführer Guido Ingwer stellte das Vorhaben am Sonnabend dem Steimker Ortschaftsrat und den Fraktionsvorsitzenden des Klötzer Stadtrates vor. Foto: Markus Schulze

Steimke - „Wir befinden uns in einem ganz frühen Stadium. Da ist noch nichts in Stein gemeißelt“, sagte Guido Ingwer. Er ist Geschäftsführer von Wattner, einem inhabergeführten Unternehmen aus Köln, das sich seit 2004 auf den Bereich der Solarenergie konzentriert, und zwar ausschließlich in Deutschland.

Mithilfe von mehr als 8000 Anlegern wurden seit 2008 fast 530 Millionen Euro in 83 Solarkraftwerke mit 355 Megawatt Leistung investiert. Für ein neues Vorhaben hat Wattner jetzt die Gemarkung von Steimke ins Auge gefasst. Dort könnte eine riesige Freiflächen-Fotovoltaikanlage entstehen.

Direkt an der angedachten Vorhabenfläche fand am Sonnabend eine Informationsveranstaltung für den Steimker Ortschaftsrat und die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates statt. Aus den Reihen der Fraktionsvorsitzenden waren Alexander Kleine (SPD) und Thomas Korell (AfD) gekommen, dazu Henry Hartmann (CDU), der als Sachkundiger eingeladen war, wie es hieß. Vertreter der Linken und der UWG fehlten, mit dabei war hingegen Bürgermeister Uwe Bartels.

Knapp anderthalb Stunden lang hörten sie sich die Schilderungen der Wattner-Mitarbeiter Guido Ingwer, Frank Ries und Patrick Ingwer an und stellten Fragen. „Zweck dieser Veranstaltung ist es, sehr frühzeitig Informationen aus erster Hand bereitzustellen und Fragen zu beantworten, bevor es überhaupt zur Einleitung eines Bauleitverfahrens kommt“, erklärte Patrick Ingwer der Volksstimme vorab.

An Ort und Stelle – abseits der Info-Veranstaltung – verriet er, dass die Freiflächen-Fotovoltaikanlage auf zirka 97 Hektar entstehen solle, verteilt auf drei bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen, um Korridore für das Wild zu schaffen. 60 bis 70 Hektar wären zu klein, dann würde sich das Vorhaben nicht mehr rentieren, erklärte Patrick Ingwer. Wie groß die Anlage tatsächlich wird, sei noch völlig offen. Pro Hektar könnten 1,1 Megawatt Strom produziert werden. Der Strom solle über das öffentliche Netz an einen oder mehrere Abnehmer geliefert, also direkt vermarktet werden. Wahrscheinlich werde ein eigenes Umspannwerk gebaut. Kabel würden unterirdisch verlegt.

Neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen

Insbesondere ging Patrick Ingwer auf eine vom Bundesverband Neue Energiewirtschaft in Auftrag gegebene und im Dezember 2019 veröffentliche Studie zur Biodiversität von Freiflächen-Fotovoltaikanlagen ein, die dann auch für Steimke zuträfe. Demnach entstünden innerhalb des Solarparks, der komplett eingefriedet werden soll, neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Blüten würden als Nahrungsquelle für Insekten dienen. Nutznießer wären vor allem Vögel, Fledermäuse, Amphibien und Reptilien. Ferner bilde sich Humus, der die Fruchtbarkeit des Bodens erhöhe und gleichzeitig Kohlendioxid binde. Die Mahd könnten Schafe übernehmen.

Im Übrigen, so Patrick Ingwer, werde durch Fotovoltaikanlagen ein wichtiger Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele geleistet. Die angedachten Flächen bei Steimke würden sich eignen, weil es sich dabei weder um Schutz- noch um Vorranggebiete handele. Generell sei Sachsen-Anhalt ein guter Standort.

„Wir entwickeln ausschließlich für den Eigenbedarf“, hob Patrick Ingwer hervor. So sei es die Philosophie von Wattner, Solarparks nicht nur zu projektieren, sondern auch zu errichten und zu führen. Die Anlage in Steimke solle mindestens 20 Jahre bestehen und könnte danach relativ einfach zurückgebaut werden.

Alle diese Aussagen wurden im Anschluss von Guido Ingwer bestätigt. Ganz besonders verwiesen die Brüder auf einen erst vor wenigen Tagen getroffenen Beschluss des Bundestages. So gebe es, anders als zuvor, nun eine kommunale Teilhabe. Bedeutet: Die Stadt Klötze würde ab der ersten Kilowattstunde an den Einnahmen des Solarparks beteiligt. Guido Ingwer sprach von etwa 53.000 Euro pro Jahr, die vertraglich abgesichert wären. Die kommunale Teilhabe werde von Wattner ausdrücklich begrüßt, da es die Akzeptanz von Solarparks auf lokaler Ebene erhöhe.

Sollte der Klötzer Stadtrat grünes Licht geben, würde das Unternehmen in die Steimker Anlage etwa 40 bis 45 Millionen Euro investieren, nannte Guido Ingwer eine Größenordnung. Mit den Flächeneigentümern habe es bereits Gespräche gegeben. Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen könnten deren Flächen gepachtet, aber nicht gekauft werden.

Steimke will von Anlage profitieren

Sorgen, so war im Nachgang zu erfahren, machen sich die Steimker um eine mögliche Verkehrsbelastung. Guido Ingwer versicherte auf Nachfrage der Volksstimme jedoch, dass der Bau des Solarparks lediglich drei bis vier Monate in Anspruch nehmen würde. Die Wege würden nach den Bauarbeiten wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Vor und nach dem Bau würden die Wege in Augenschein genommen.

Ist die Anlage fertiggestellt, würde im Zeitraum von acht Wochen ein Elektriker nach dem Rechten schauen. „Der Verkehr hält sich also mehr als in Grenzen“, beruhigte Guido Ingwer.

Des Weiteren, so erfuhr die Volksstimme, würde die Ortschaft Steimke gerne in irgendeiner Art und Weise vom Solarpark profitieren. In diesem Falle, so erläuterte der Wattner-Geschäftsführer, wäre der Stadtrat am Zuge und es müsste abgeklopft werden, ob von den 53.000 Euro ein bestimmter Betrag nach Steimke fließen könnte oder ob es Wattner gestattet wird, dortige Vereine zu unterstützen. „Vorstellbar wäre es auch, dass wir eine bis zwei Ladesäulen für Elektrofahrzeuge aufstellen“, machte Guido Ingwer einen weiteren Vorschlag.

Laut des Wattner-Trios habe während der Info-Veranstaltung eine „äußerst freundliche Atmosphäre“ geherrscht. Gehofft wird darauf, dass sich der Steimker Ortschaftsrat, der eine Empfehlung geben soll, und der Stadtrat gleich nach der Sommerpause oder aber noch eher mit dem Thema befassen. Ein Aufstellungsbeschluss sei beantragt worden. Das weitere Planungsprozedere werde mindestens zwei Jahre dauern. Mit dem Bau des Steimker Solarparks könnte also nicht vor 2023 begonnen werden.