Kunrau l Seit frühester Jugend ist Andreas Weitersagen ein leidenschaftlicher Musiker. Dass er aber eines Tages zum umjubelten Double von Marius Müller-Westernhagen wird, hätte er damals wohl selbst nicht gedacht. Aufgewachsen in Sachsen, kannte er vom West-Rocker nur ein paar Titel. Doch eines Tages begegnete er Silly-Frontfrau Tamara Danz. Und die sprach wegweisende Worte: „Weißt du, wem du ähnlich siehst?“ Plötzlich ging Weitersagen, der eigentlich Graumnitz heißt, ein Licht auf. Und er sagte sich: „Daraus kann man was machen.“

Und so tourt der Berliner seit 15 Jahren mit seinen Cover-Shows erfolgreich durch Europa und spielt schon mal vor 25 000 Fans. Nicht ganz so viele waren es am 22. Juni beim Drömlingsfest in Kunrau. Gefallen hat es ihm dennoch. „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Und zwar so sehr, dass er am Samstagabend mit seiner Band zurückkehrte und den Schlosskeller, wo der Kulturklub Drömling (KKD) zuhause ist, zum Beben brachte.

Sein Auftritt im Sommer blieb dem KKD nachhaltig in Erinnerung, wie Karin Riemann bei der Begrüßung betonte. „Der hat uns dermaßen begeistert, dass wir gesagt haben, den müssen wir unbedingt nochmal zu uns auf die Bühne holen.“ Einfach nur verblüffend findet sie die Ähnlichkeit von Weitersagen und Westernhagen. „Nicht nur optisch, auch die Mimik, Gestik und Stimme kommen dem Original ganz nahe.“

2020 kommt eigene CD

Das stellte Weitersagen, der auch reichlich Theatererfahrung vorzuweisen hat, in den folgenden Stunden erneut unter Beweis. Schon mit dem ersten Titel, „Es geht mir gut“, riss er das Publikum von den Sitzen. Die Leute trauten ihren Augen und Ohren nicht. Als stünde dort, nur wenige Meter von ihnen entfernt, der große Westernhagen höchstpersönlich. Doch nicht nur dessen Double erwies sich als absoluter Könner, auch die Bandmitglieder demonstrierten, dass sie begnadete Vollprofis sind, die ihr Instrument meisterhaft beherrschen; sei es nun der Österreicher Phillipp Zwirchmayr am Schlagzeug, Christian Rämisch an der Gitarre, der Korse Amadeus Chiodi am Saxophon, Christian Weichert am Keyboard oder der Moskauer Richard Müller am Bass.

In den Tagen zuvor noch in Wiesbaden und Göttingen, rockten sie nun mit „Ganz und gar“, „Schweigen ist feige“, „Willenlos“ und all den anderen Westernhagen-Klassikern den Kunrauer Schlosskeller. Schon nach wenigen Sekunden stürmten die ersten die Tanzfläche.

Weitersagen aber nur auf Westerrnhagen zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht, meinte Riemann. Er kann nämlich noch mehr. Viel mehr. „Ich will jetzt aus dem Schatten heraustreten und mehr meine eigenen Sachen machen“, kündigte der Berliner im Vorgespräch mit der Volksstimme an. Derzeit schreibt er das Drehbuch für eine neue Show. Und 2020 wird eine CD mit 14 eigenen Songs herauskommen. Einen Auszug aus diesem „Großen Kino“ präsentierte er vorab in Kunrau, darunter Lieder wie „Alles glaubt ihr“, „Du schaffst das“ oder „Auf Empfang“.

Selbstverständlich durften Weitersagen und Band die Bühne nicht ohne Zugaben verlassen. Das Publikum konnte gar nicht genug kriegen. Von Westernhagen und Weitersagen. Die Bodenhaftung wird Letztgenannter bestimmt nicht verlieren. „Ich habe mal im Stahlwerk gearbeitet. Das erdet.“