Böckwitz l 1997 wurde das Museum in Böckwitz eröffnet. Thematisch geht es dort um die Geschichte der Landwirtschaft, die seit einiger Zeit aber nur noch eine Nebenrolle spielt, und vor allem um die deutsche Teilung. In einer Ausstellung werden unzählige Exponate präsentiert, die an das Leben dies- und jenseits der Grenze zwischen 1945 und 1989 erinnern.

Ein Verein aus Ehrenamtlichen kümmert sich darum, dass diese Historie bewahrt und vermittelt wird. Seit dem 11. Januar 2011 steht Ingrid Schumann an der Spitze des Vereins und musste einige Probleme meistern. Die Mitgliederzahl sank, im selben Maße wurde die Riege derer kleiner, die sich nicht nur auf dem Papier, sondern auch durch persönliche Anwesenheit und Schaffenskaft an der Vereinsarbeit beteiligte. Geld und Personal, auch von außen, waren Mangelware. Wenn es darum ging, diese und andere Schwierigkeiten anzusprechen, nahm Ingrid Schumann kein Blatt vor den Mund. Oft klagte sie auch darüber, dass sich die Politik zwar gerne mit dem Museum schmückt, teils vollmundigen Ankündigungen jedoch keine Taten folgen ließ.

Dass der Museumsverein nur Pächter des Geländes ist und somit kaum Aussicht auf Fördergelder hat, machte die Situation nicht besser. Dennoch wurde vor einigen Jahren ein Trakt mit Toiletten und Versammlungsraum eingerichtet und 2014 fertiggestellt, überwiegend in Eigenleistung. Ein Häuflein von wenigen hielt die Vereinsarbeit aufrecht, organisierte Veranstaltungen und pflegte das Areal samt Bauerngarten.

Pause bis 31. März

Doch nun steht das alles auf der Kippe. Im Gespräch mit der Volksstimme teilte Ingrid Schumann mit, dass die Saison im Museum seit Ende Oktober beendet sei. Bis zum 31. März 2019 würden auch einzelne (telefonische) Besucheranfragen nicht mehr berücksichtigt. Auf Nachfrage ließ Schumann dann die sprichwörtliche Katze aus dem Sack und verkündete, dass sie den Vorsitz zum 31. Dezember 2018 niederlegen werde. „Ich höre auf, das steht fest.“

Für diese Entscheidung führte sie gleich mehrere Gründe an. Zum einen habe sie sich zunehmend als Einzelkämpferin und im Stich gelassen gefühlt. Nun sei das Fass voll. „Das ist mir alles zu viel. Das wächst mir über den Kopf“, bekannte Ingrid Schumann. „Ich habe immer mein Bestes gegeben.“ Aber anscheinend war das nicht genug. „Ich bin es leid, beleidigt und beschimpft zu werden“ und von Besserwissern, die selbst keine Funktion im Verein ausüben (wollen), belehrt zu werden, wie Schumann sagte. Sie selbst sei jetzt 79 Jahre alt, ihr Mann Reiner, der im Museum häufig mit anpackte, obwohl er dem Verein nie beitrat, zählt 80 Lenze. „Wir werden ja nicht jünger“, meinte Schumann und kündigte an, künftig ihre Freizeit zu Hause, „wo viel Arbeit liegengeblieben ist“, verbringen zu wollen.

„Bestimmt“, antwortete sie auf die Frage, ob Museum und Verein nun vor einer ungewissen Zukunft stünden. Darüber müssten sich jetzt aber andere den Kopf zerbrechen. Ingrid Schumann nannte in diesem Zusammenhang Landrat Michael Ziche und Klötzes Bürgermeister Uwe Bartels, den sie bereits über ihre Demission unterrichtet habe.

Ingrid Schumann betonte, Mitglied im Verein bleiben, aber keine verantwortliche Position mehr bekleiden zu wollen. Außerdem kritisierte sie das mangelnde Interesse am Museum, auch vonseiten der Schulen. „Wir hatten dieses Jahr Besucher aus den Niederlanden, Frankreich und Kanada“, dort werde die deutsch-deutsche Geschichte „hoch- und runtergepaukt“.

Bekenntnis zum Museum

Hierzulande, so ihr Eindruck, sei das anders, wobei auch die Bereitschaft der Lehrer fehle, mit den Schülern einen Ausflug nach Böckwitz zu unternehmen. Doch auch von anderen vermisse sie ein klares Bekenntnis zum Museum.

Dort herrscht nun erstmal Winterpause. Bei einer Helferparty mit 13 Personen seien die Kühltruhen vor kurzem geleert worden.

Die Frage bleibt, ob das Museum überhaupt nochmal öffnet oder vielleicht, wie es Hartmut Jakobs aus Zicherie Mitte August bei einer Stippvisite von Gifhorns Landrat Andreas Ebel vorgeschlagen hat, zu einer Außenstelle des Bromer Burgmuseums wird.

Im Gespräch mit der Volksstimme unterstrich Klötzes Bürgermeister Uwe Bartels, dass die Stadt Klötze am Erhalt des Böckwitzer Museums sehr interessiert sei, weil es sich seit mehr als 20 Jahren um eine wichtige und beliebte Einrichtung handele. Nächster Schritt müsse nun eine Mitgliederversammlung sein. Gleichzeitig machte Bartels deutlich, dass der Rücktritt von Ingrid Schumann beziehungsweise die Zukunft des Böckwitzer Museums auf die Planungen zum 30-jährigen Jubiläum der Grenzöffnung zwischen Böckwitz und Zicherie im Jahr 2019 keinen Einfluss hätte.