Klötze l „Das ist keine Werbung für die Stadt“, machte Alexander Kleine (SPD) im Hauptausschuss deutlich. Das Waldbad gebe ein desolates Gesamtbild ab. Innen wie außen, mit „Unkraut bis zum Beckenrand“. Joachim Klabis (Die Linke) machte sich ebenfalls Sorgen über die Außenwirkung. Unzufrieden mit dem Ist-Zustand zeigte sich auch Bürgermeister Uwe Bartels. Er sah die Stadtwirtschaft in der Verantwortung. Erste Arbeiten hätten im März stattgefunden, aber durch die überraschende Kündigung von Thorsten Sierck, der als Schwimmmeister geplant gewesen sei, „sind die Fortschritte wieder rückläufig“.

Uwe Bartels erinnerte daran, dass die Freibäder laut neuester Corona-Verordnung seit dem 28. Mai wieder geöffnet werden dürfen, sofern Hygienekonzepte vorliegen. Frühestmöglicher Termin für das Waldbad wäre der 20. Juni. Zuvor müssten noch die Risse gekittet werden. Weil die Firma abgesprungen sei, solle die Reparatur ab dieser Woche von der Stadtwirtschaft erledigt werden. Das Material sei schon bestellt. Der ehemalige Schwimmmeister Roland Gille habe seine Hilfe angeboten. Danach könne das Wasser eingelassen werden, das dann noch eine Weile brauche, um sich mittels Sonnenkraft zu erwärmen.

Wie der Bürgermeister weiter informierte, sei Gille gefragt worden, ob er sich vorstellen könnte, aus dem Ruhestand zurückzukehren und die Saison in Klötze zu übernehmen. Er habe sich Bedenkzeit erbeten. Parallel versuche man, Kräfte von anderswo loszueisen oder Rettungsschwimmer auf Honorarbasis zu bekommen.

Für Kunrau, so Bartels, sei alles klar. Dort gebe es eine Saisonkraft. Henry Hartmann (CDU) freute sich über diese Nachricht, brachte aber sein Unverständnis darüber auf, „dass wir nicht schon weiter sind“. Schließlich sei bekannt gewesen, dass die Bäder ab dem 28. Mai wieder geöffnet werden können. Längst hätte man das Konzept erarbeiten und das Wasser einlassen können. „Das ist auch eine wirtschaftliche Frage“, meinte Hartmann. Dadurch gingen Einnahmen verloren. „Wir haben zu spät begonnen“, stellte er fest. „Wir müssen Lösungen herbeiführen“, forderte Klaus Ewertowski und stellte sich auf die Seite derer, die ihren Unmut in der Volksstimme in Leserbriefen zum Ausdruck gebracht hatten.

In der Einwohnerfragestunde wurde Monika Gille, Chefin der DRK-Wasserwacht, die Gelegenheit zum Reden gegeben.

Wasserwacht hatte Alarm geschlagen

Die Wasserwacht hatte kürzlich auf Facebook Alarm geschlagen. Monika Gille kritisierte, dass die Stadt Klötze nur auf ihrer Homepage nach Personal fahnde. „Das ist nicht genug.“ Ihr sei klar, dass in Deutschland über 3000 Fachkräfte gesucht würden, aber man hätte auch in Fachmagazinen inserieren oder Leute „ausleihen“ können. Die Wasserwacht helfe gerne, allerdings sollten die Erwartungen nicht zu hoch geschraubt werden. „Wir sind alle berufstätig.“ Und: „Wir sind keine Bittsteller.“ So sollte die Stadtverwaltung um ein vernünftiges Miteinander bemüht sein und das offene Gespräch mit der Wasserwacht suchen – und nicht umgekehrt. Nicht nachvollziehen könne sie, warum für Kunrau ein Rettungsschwimmer reiche und für Klötze nicht.

Des Weiteren monierte Monika Gille das schlechte Erscheinungsbild des Waldbades. „Echt beschämend.“ Als Leiterin der Tourist-Info Gardelegen wisse sie, dass der erste Eindruck zähle. Monika Gille bat um Beachtung, dass es sich um ein Erholungsgebiet handele und das gegenüberliegende griechische Restaurant die Corona-Zeit im Gegensatz zur Stadt Klötze genutzt habe. „Da ist alles blitzblank.“

Dass sich die Stadt Klötze so schwer damit tue, eine Firma für die Beckenreparatur zu finden, kann Monika Gille ebenfalls nicht verstehen. Sie habe nur fünf Minuten im Internet gesucht und gleich mehrere Betriebe gefunden. Immerhin seien 70 Meter zu reparieren. „Das kann mein Mann nicht machen“, stellte Monika Gille klar. Darüber hinaus rief sie die Stadtverwaltung zur Ehrlichkeit auf. „Sollte man nicht aufmachen können, dann sagen Sie das.“ Keinesfalls sollte man Stillschweigen bewahren, nur um die Bürger zu beruhigen. Sie selbst benötige in dieser Woche eine Antwort. Ansonsten werde die Wasserwacht am kommenden Wochenende ihr Equipment aus dem Waldbad holen. Überdies werde sie den Eindruck nicht los, dass die Stadt Klötze nicht hinter dem Waldbad stehe. In Beetzendorf sei das ganz anders. Der Wasserwacht und ihr persönlich sei sehr daran gelegen, dass das Waldbad öffnet. „Das ist mein Baby.“ Es gehe darum, dass die Leute schwimmen lernen und sich, der Gesundheit zuliebe, bewegen können.

Arbeitseinsatz und Förderverein im Gespräch

Alexander Kleine regte an, ein Signal auszusenden, dass die Freibadsaison stattfindet. „Wir sollten unser Bestes tun, um das zu erreichen.“ Zudem forderte er eine „stetige Kommunikation“ mit der Wasserwacht, also mit jenen, „die sich ehrenamtlich um die Sicherheit der Badegäste kümmern“.

Indes war Marco Wille (UWG) enttäuscht darüber, dass die Wasserwacht die sozialen Medien gewählt hatte, um ihrem Ärger Luft zu machen. „Das schafft mehr Unfrieden als Einigkeit.“ Es sollte nicht vergessen werden, dass der Stadtrat das Sanierungsprogramm ausgeweitet und die Beckensanierung angeschoben habe.

Bürgermeister Uwe Bartels bat um Verständnis. So müsse man aktuell die Fehler der Vergangenheit ausbaden. Anfang der 1990er Jahre hätte man die Möglichkeit gehabt, statt des Kunststoffbeckens eines aus Edelstahl einzubauen. Er versicherte, für jeden ein offenes Ohr zu haben. „Man muss aber auch daran denken, dass alles bezahlbar bleibt.“ Die Folie in Kunrau sei „auch am Ende.“

Jahrstedts Ortsbürgermeister Ronny Bratke schlug einen Arbeitseinsatz vor, Alexander Kleine einen runden Tisch und Joachim Klabis die Gründung eines Fördervereines. Das funktioniere im Tiergehege doch auch. „Wir brauchen keinen Förderverein“, meinte hingegen Klaus Ewertowski. Das wäre nur eine Notlösung. „Die Freibäder sind und bleiben eine städtische Aufgabe“, betonte er. Hauptamtsleiter Matthias Reps räumte abschließend ein, dass im Waldbad über Jahre hinweg nur „Flickschusterei“ betrieben worden sei. Zwangsläufig werde das auch in dieser Saison so sein, dann werde das Becken saniert.