Kunrau l Einst machten sie ein ganzes Land mobil, wurden nicht selten gehegt, gepflegt und manchmal wie ein Mitglied der Familie behandelt. Kein Wunder, schließlich mussten Käufer in der DDR lange auf einen Neuwagen warten. Gebrauchte waren teuer. Ein eigenes Auto war entsprechend wertvoll. Doch nach der Wiedervereinigung waren Trabant, Wartburg und Co. bei vielen ehemaligen DDR-Bürgern meist schnell abgeschrieben. Plötzlich gab es modernere, schnellere und schickere Autos. Für die meisten Ost-Wagen war damit ihr Schicksal besiegelt – Endstation Schrottplatz. Doch nicht alle landeten in der Presse. Eine Fan-Szene sorgt bis heute dafür, dass die Zwei- und Vierräder aus sozialistischer Produktion weiter rollen. In der Region Klötze haben sich einige Zweitakt-Freunde zusammengetan und die Interessengemeinschaft (IG) Trabant- und Oldtimerfreunde Drömling gegründet.

Im Fuhrpark der Mitglieder finden sich zwar zahlreiche Fahrzeuge, die einst aus dem Werk in Zwickau rollten, doch einen Trabi muss man nicht unbedingt besitzen, wenn man dazugehören möchte. Man schließe alle Oldtimer ein, betonen die Mitglieder bei einem Treffen. Zwänge gebe es nicht.

Keine Frage des Alters

Neben mehreren Trabant – vertreten sind neben dem Modell 601 als Limousine, Kombi, Cabrio und Kübelwagen auch ein alter 500er und ein „moderner“ 1,1er mit Viertaktmotor – nennen die sechs Oldtimerfreunde noch viele andere historische Fahrzeuge ihr eigen. Dazu gehören Zweiräder wie Schwalbe, Star, S 50, MZ- oder Awo-Motorräder, um nur einige Beispiele zu nennen. Ein alter Volkswagen Bus und ein Käfer, also westdeutsche Autos, gehören ebenfalls dazu. „Wir sind nicht in der DDR-Zeit hängen geblieben“, betont Manuela Gruss mit Blick auf die vielen DDR-Fahrzeuge. Sie organisiert in der Gruppe die Ausfahrten. Das funktioniert ganz zeitgemäß, per Smartphone und Whatsapp-Gruppe. Das Interesse an den Ost-Mobilen lasse sich wohl damit erklären, dass man mit ihnen aufgewachsen ist, heißt es bei dem Treffen der Gleichgesinnten, die aus Kunrau, Röwitz, Buchhorst und Wolfsburg stammen.

Rasen wolle man bei den Ausflügen nicht, sagen die Oldtimerfreunde. Außerhalb von Ortschaften lasse man genug Platz, damit andere überholen können. Klar, mit seinen 26 Pferdchen unter der Haube betrachten viele Fahrer moderner Autos einen Trabant wohl als ein rollendes Hindernis. Wieder andere würden sich hingegen freuen und das mit der Lichthupe zeigen.

Manche Ersatzteile sind begehrt

Die Mobile sind eben auch Kult. Selbst bei Jüngeren kommen sie gut an. So reicht die Altersspanne der Mitglieder in der IG von Ende 20 bis Anfang 60. Drei- bis viermal pro Jahr breche man als Gruppe zu Ausfahrten auf. Ziele, die angesteuert werden, sind dann natürlich Oldtimertreffen. Nach der Winterpause führt der Weg häufig nach Hohengrieben. „Das ist meistens die erste Veranstaltung, da warten dann alle drauf“, sagt Michael Wieneke von der IG. Weiter geht es später zu den Veranstaltungen in Ahlum, Magdeburg und zum Trabi-Treff in Rethem an der Aller. Und ab und zu treffe man sich auch mal auf ein Eis.

Einige der Fahrzeuge kommen nur bei schönem Wetter auf die Straße, andere werden ganz normal im Alltag bewegt. Sebastian Schlürscheid etwa fährt mit seinem tiefergelegten orange-weißen Trabant Baujahr 1985 zur Arbeit, wie er sagt. „Einmal hat er mich stehenlassen. Auf der B 71 ist die Lenkung weggeflogen.“

Das Hobby verbindet

Die einzige Frau, die in der Gruppe auch aktiv mitschraubt, ist Manuela Gruss. Sie erinnert sich, wie es mit der IG losging. „Das kam schleichend.“ Ihr Mann Wilhelm habe schon zu DDR-Zeiten Trabis aufgebaut. Irgendwann nach der Wende habe der Sohn dann auch einen Trabant haben wollen. „Da hatten wir aber schon alle Teile weggeschmissen“, sagt Gruss. Also wurde der Anschluss an einen Klub gesucht. Als der dann aber irgendwann „eingeschlafen“ sei, hätten einige Mitglieder die heutige Gemeinschaft gebildet. Das war 2015.

Es sei ein Hobby, das verbindet, ist bei dem Gespräch zu hören. So würde man bei Treffen neue Leute kennenlernen, teils würden sich schon fast familiäre Beziehungen entwickeln. Ein billiges Hobby ist es aber nicht. Die Unterhaltung der Fahrzeuge, das Restaurieren und Reparieren würde Geld kosten, sagt Michael Wieneke. „Für gängige Autos gibt es viele Teile. Manchmal ist es aber auch Bückware, nach der man lange suchen muss“, weiß der Kunrauer. Als Oldtimerfan sei man auch Jäger und Sammler, zieht Alex Hodalsky einen Vergleich: „Wir freuen uns, wenn wir etwas ergattern können.“ Ob die Teile dann wirklich verbaut werden oder nicht, spiele erst einmal keine Rolle. „Hauptsache, man hat es.“ Im Großen und Ganzen, so schätzt der Wolfsburger, hat er etwa 500 größere Ersatzteile, teils originalverpackt. Zum Vergleich: In einem Trabant sind rund 4100 Teile verbaut, wie die Runde weiß.

Öl ist an Bord

„Man muss auch eine gute Unterstellmöglichkeit haben, am besten massiv gebaut“, sagt Michael Wieneke. Er selbst hat dafür auf seinem Grundstück einen alten Stall aus- und umgebaut. Andere hätten Garagen gemietet. Denn bei Wetterumschwüngen könnte sich etwa Rost in den Holmen bilden. Deshalb sollten die Schätzchen nicht im Winter gefahren werden.

Apropos fahren: Wie ist das eigentlich, wenn man heute mit der Technik von gestern unterwegs ist? Etwa beim Tanken? Schließlich lässt sich so ein Trabant Gemisch-Benzin schmecken, das es nicht an jeder Zapfsäule gibt. Das sei kein Problem, Öl habe man als Trabant-Fahrer dabei. Dieses würde ganz einfach im richtigen Verhältnis zum Superbenzin in den Tank gegeben. Zwischen sechs und acht Liter würde eine „Pappe“ auf 100 Kilometern etwa schlucken.

Gegenseitige Hilfe

Und eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker brauche man auch nicht, wenn mal etwas kaputt geht, wie es heißt. Der Motor sei einfach aufgebaut, das Getriebe ebenfalls. Man komme überall gut mit der Hand ran. Einfach einsteigen und losfahren – das gehe aber nicht immer. Trotz einfacher Technik ist Arbeit nötig. Bestimmte Bauteile müssten abgefettet werden, steht der Wagen länger, können die Bremsen festbacken. Kommt einer von ihnen mal doch nicht bei einem technischen Problem weiter, dann trifft man sich untereinander oder holt sich über das Telefon Hilfe aus der Gruppe.