Kunrau l Der erste runde Geburtstag der BUND-Ortsgruppe (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) Kunrau wurde am Sonntagnachmittag am Freibad gefeiert. Unter dem Motto „Pro Bad – kontra indus­trielle Mast“ kämpft die Gruppe gegen den geplanten Bau einer Schweinemastanlage mit 8250 Plätzen in Kunrau. Und engagiert sich zudem für den Erhalt des Freibades.

Am 21. Oktober 2010 hatten die Kunrauer die Anerkennungsurkunde vom BUND-Landesvorstand erhalten. Der eigentliche Geburtstag der Ortsgruppe war also am vergangenen Mittwoch. Offiziell begangen wurde der Ehrentag aber am Wochenende mit einer Informationsveranstaltung, an der viele kleine und große Gäste teilnahmen.

Berichtet wurde dabei unter anderem über den aktuellen Stand der Dinge in Sachen Schweinemastanlage. Diese wurde bisher nicht gebaut, erinnerte Ralf Kuske, der in der Ortsgruppe für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Dabei liegt seit April 2013 eine Baugenehmigung vor. Die Investoren aus dem niedersächsischen Bad Bentheim hätten schon drei Verlängerungsanträge für die Baugenehmigung gestellt. Der jüngste Antrag solle nun eine Verlängerung bis zum Jahr 2023 bewirken. „Das wären dann zirka zehn Jahre nach Erteilung der Baugenehmigung“, sagte Ralf Kuske. Man erhalte keine Aussagen darüber, wann die Bearbeitung des Projektes weitergeführt werde. In den vergangenen Jahren hätten sich die Auflagen für den Bau solcher Anlagen verschärft.

Förderverein in kleiner Runde gegründet

Das bestätigte auch der Anwalt der BUND-Gruppe, Claus Leitz­ke, der ebenfalls vor Ort war. Passiert sei das aber erst, nachdem die Baugenehmigung für die Anlage erteilt wurde. Unter anderem hätten Gemeinden heute mehr Mitspracherecht, wenn es um die Ansiedlung solcher Betriebe geht. Früher sei das anders gewesen. Und was ist mit dem Naturschutz? „Die Gutachten sind überholt, die Natur ändert sich in sieben Jahren“, sagte der Anwalt mit Blick auf die bereits angefertigten Unterlagen.

Viel Zeit sei mittlerweile schon ins Land gegangen, ohne dass etwas passiert sei, obwohl die Investoren bauen dürften. Die Kommunikation auf beiden Seiten erfolgte auf Schriftsatz-ebene. Die Kunrauer hätten dargelegt, warum sie den Bau der Anlage für unrechtmäßig erachten, die Gegenseite, warum es aus ihrer Sicht rechtmäßig sei. Insgesamt sei es eine „sehr sonderbare Situation“, so Leitzke, der aber wohl Chancen für die Kunrauer Gruppe sieht: „Wir hoffen, dass wir am Ende gewinnen werden. Wir sind optimistisch.“

Auf die Fahnen geschrieben hat sich die Ortsgruppe aber nicht nur, den Bau der Mastanlage zu verhindern. Es geht ihr auch um den Erhalt des Schwimmbades. Früher, als Kunrau noch eine eigenständige Gemeinde war, habe man das Bad selbst unterhalten, „heute ist das nicht mehr möglich“, sagte Ortsbürgermeister Uwe Bock. Mittlerweile ist Kunrau eine Ortschaft in der Einheitsgemeinde Stadt Klötze und verfügt nur über ein kleines Budget. Die Freizeiteinrichtung im Dorf stehe heute aber an erster Stelle auf der Prioritätenliste in Kunrau, betonte Bock. Ein Ziel ist, das Bad mit der Wärme aus einer nahen Biogasanlage zu beheizen. Ein Fördermittelbescheid dafür liegt vor. Außerdem müsste die Filteranlage erneuert werden, sagte Bock.

Für den Erhalt des Bades will sich in Zukunft auch der neue Förderverein stark machen, der sich vor einigen Tagen gegründet hat, wie während der Informationsveranstaltung der BUND-Ortsgruppe mitgeteilt wurde. Coronabedingt sei die Gründung im kleinen Rahmen mit acht Leuten erfolgt.

Weitere Spenden erforderlich

Nach den Wortbeiträgen ging es vom Freibad aus zu Fuß zur ausgewiesenen Baufläche für die Mastanlage. Rund 900 Meter, so schätzte Ralf Kuske, betrage die Entfernung zwischen der Freizeiteinrichtung und dem Baugrundstück auf einem Acker hinter dem Ortsausgang an der Straße in Richtung Schwarzendamm. Die Fläche liege derzeit brach, teilte Uwe Bock der großen Runde am Ziel mit. Auch er zeigte sich optimistisch, dass die Kunrauer den Kampf wohl eines Tages gewinnen könnten: „Die Zeit spricht für uns. Aber wir werden wohl noch einmal ins Portemonnaie greifen müssen.“ Die BUND-Ortsgruppe Kunrau finanziert den Rechtsstreit aus Spenden und Zuwendungen von Bürgern. Bisher wurden mehr als 53.000 Euro gesammelt.