Klötze l Derzeit gibt es im Altmarkkreis Salzwedel 16 Schulsozialarbeiter. Finanziert wird das Ganze über das Programm „Schulerfolg sichern“. Daran beteiligt sich neben dem Land Sachsen-Anhalt auch die Europäische Union (EU), und zwar über den Europäischen Sozialfonds (ESF). Doch 2020 läuft das ESF-Programm aus. Derzeit gibt es noch keine Aussagen über die Weiterfinanzierung. Somit steht die Fortführung der Schulsozialarbeit auf der Kippe. Damit wollen sich die Elternsprecher der Klötzer Sekundarschule jedoch nicht abfinden. Unter Federführung von Nicole Baumann haben sie die Eltern-Initiative „Pro Schulsozialarbeit“ gegründet. Am Montag erfolgte die Auftaktveranstaltung in der Aula der Klötzer Sekundarschule.

„Ziel ist es, eine politische Diskussion über die Fortsetzung der Schulsozialarbeit in Gang zu bringen“, erklärte Eva Baucke von der Initiative bei der Begrüßung. Verlangt werde, dass sich die sachsen-anhaltinische Landesregierung für einen Fortbestand der Schulsozialarbeit einsetzt und ein Konzept zur Finanzierung und den künftigen Rahmenbedingungen erstellt.

Unterschriften verleihen Gewicht

Am Eingang zur Aula hatten Daniela Sommer und Anja Reek von der Eltern-Initiative mehrere Unterschriftenlisten ausgelegt. Darin konnten sich die rund 50 Gäste eintragen. Wie zu hören war, seien diese Listen dank Nicole Baumann auch in vielen Klötzer Geschäften und Einrichtungen zu finden, ebenso wie in allen Sekundar-, Gemeinschafts-, Ganztags- und Förderschulen im Altmarkkreis. Die Aktion, so erklärte Baucke, solle der Eltern-Initiative deutlich mehr Gewicht verleihen und dauere noch bis zum 19. November an. Drei Tage später, am 22. November, würden die Elternvertreter die Unterschriftenlisten in Magdeburg an den Landtag beziehungsweise Bildungsminister Marco Tullner übergeben wollen.

Die Eltern-Initiative zeigte zunächst einen rund zehnminütigen Film, in dem Schüler, Lehrer und Schulsozialarbeiter aus dem Altmarkkreis Salzwedel zu Wort kommen und die Wichtigkeit der Schulsozialarbeit betonen. „Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Schulalltags“, hieß es. Die Schulsozialarbeiter genössen bei Schülern, Lehrern und Eltern großes Vertrauen, hätten ein offenes Ohr für Probleme, würden Eltern bei Anträgen und Schülern bei der Berufsorientierung helfen, brächten Themen wie Cyber-Mobbing oder Fremdenfeindlichkeit aufs Tapet und sorgten schlichtweg dafür, dass sich die Kinder an den Schulen wohlfühlen.

Im Anschluss an den Film gab es eine Diskussion. Zu Gast waren der altmärkische SPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Barth sowie die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Angela Kolb-Janssen. „Es ist wichtig, dass ein Anstoß gegeben wird, damit der Druck auf die Politik wächst“, lobte Barth die ElternInitiative.

Konsens in der Koalition

Ähnlich äußerte sich Kolb-Janssen. Sie informierte darüber, dass die SPD auf ihrer Klausurtagung beschlossen hätte, die Schulsozialarbeit „nachhaltig zu verstetigen“. Dass die Schulsozialarbeit „ein wichtiges Element“ sei, darüber herrsche in der Kenia-Koalition aber ein breiter Konsens, Zustimmung gebe es auch vonseiten der Grünen sowie der CDU, wusste Kolb-Janssen.

„Es geht darum, Prioritäten zu setzen. Und Bildung muss oberste Priorität haben“, betonte sie mit Blick auf die nächsten Haushaltspläne. Das gelte auch dann, falls von der EU für die Schulsozialarbeit nach 2020 kein Geld mehr käme. Darauf gebe es zwar aktuell keine Hinweise, aber notfalls müsste das Land eben alleine für die Schulsozialarbeit aufkommen. Und sollte das sogenannte Kooperationsverbot (Regelung, wonach der Bund keinen Einfluss auf die Schulpolitik der Länder ausüben darf, die Red.), aufgehoben werden, dann würden sich vielleicht neue finanzielle Spielräume ergeben.

Mirko Wolff vom Kreis- elternrat sprach sich dafür aus, dass die Schulsozialarbeit, anders als jetzt, an jeder Schule stattfinden sollte. Er wies auf Schulen hin, wo das nicht der Fall sei. „Für Eltern ist das nur schwer zu verkraften“, meinte Wolff.

Schulsozialarbeit ist ein Garant

Vor ihm hatte sich bereits eine Frau zu Wort gemeldet, die mit Blick auf den dünn besiedelten Altmarkkreis darauf drängte, dass die Schulsozialarbeit nicht von der Einwohnerzahl abhängig gemacht werden dürfe. „Es ist an der Zeit, Gleichheit herzustellen“, forderte sie.

„Das werden wir aber nur schrittweise erreichen“, antwortete Kolb-Janssen. Bis auf Weiteres sollte man froh darüber sein, wenn der Status quo erhalten bliebe.

Der letzte Wortbeitrag kam vom früheren Leiter der Klötzer Sekundarschule, Jörg Kägebein. Er sprach sich vehement für die Fortführung der Schulsozialarbeit aus. Denn: „Wer in Kinder investiert, der investiert in die Zukunft.“ Insofern dürfe an dieser Stelle nicht gespart werden. Vor allem, so Kägebein, müsste das Modell der Schulsozialarbeit langfristig etabliert und nicht alle paar Jahre von irgendwelchen Förderprogrammen abhängig gemacht werden. „Damit verarscht man die Kollegen“, meinte Kägebein. Er fügte hinzu: „Die Schulsozialarbeit ist ein wichtiger Garant, damit Schulen funktionieren. Das darf man nicht infrage stellen.“