Schwiesau l Das Dorf Schwiesau kommt scheinbar nicht zur Ruhe: Der seit gut vier Jahren andauernde Streit im Dorf, bei dem einem zugezogenen Ehepaar schon mehrfach Nägel auf das Grundstück geschmissen wurden und Asche vor dem Haus verschüttet wurde, geht in die nächste Runde. Mittlerweile ist die Auseinandersetzung öfters Thema in den Sitzungen des Ortschaftsrates. So auch in der jüngsten Ausgabe.

Für Gesprächsstoff sorgten bei der Zusammenkunft im Dorfgemeinschaftshaus die Aussagen von Axel Ackermann, der für die Angriffe verantwortlich gemacht wird. Dass er als Hauptbeschuldigter in dem Streit gilt, weiß Ackermann und wandte sich deshalb an die Volksstimme, um seine Sicht der Dinge zu schildern. „Wir sind daran interessiert, dass Ruhe reinkommt“, hatte er kürzlich im Gespräch gesagt. Dabei gab Ackermann zu, dass er Streit mit dem geschädigten Ehepaar hat.

Vorwurf: Einseitiges Agieren

Auslöser dafür ist der Lastwagen des geschädigten Ehemannes. Das Betriebsgelände, auf dem der Lkw mit Genehmigung am Wochenende steht, befindet sich direkt gegenüber von dem Haus, in dem Ackermann mit seiner Lebensgefährtin wohnt. Man fühle sich seit 2016 durch den Lastwagen belästigt. Beim Lesen laufe ihm ein kalter Schauer über den Rücken, leitete Ortsbürgermeister Manfred Hille nun während der Sitzung in das Thema ein. Er griff einzelne Äußerungen aus dem Beitrag auf und kommentierte diese in seinem Bericht. Kritisiert hatten Ackermann und seine Lebensgefährtin beispielsweise, dass der Ortschaftsrat aus ihrer Sicht einseitig agiere. Das Gremium solle sich um die Kommunalpolitik kümmern.

Stehen lassen wollte Manfred Hille diese Aussage nicht. Der Ortsbürgermeister empfahl, sich „in idyllischer Ruhe“ mit dem Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt zu beschäftigen. Darin seien die Aufgaben des Ortschaftsrates und des Ortsbürgermeisters geregelt. Dabei verwies er auf den Paragrafen 85, ohne jedoch konkreter zu werden. „Vielleicht verstehen sie dann, warum wir uns in das Thema einschalten“, so Hille. Angeboten hatte er auch – gemeinsam mit den Mitgliedern des Gremiums – über die Aufgaben des Rates und des Ortsbürgermeisters zu diskutieren, um so ein besseres Verständnis zu erreichen.

„Der Rat agiere einseitig, wird behauptet. Für uns bedeutet einseitig agieren, dass zum Beispiel die eine Partei das nicht in Anspruch nehmen konnte, was die andere Partei in Anspruch genommen hat“, sagte Hille. Für das terrorisierte Paar aus dem Dorf habe es keine Sonderbehandlung durch den Ortschaftsrat gegeben, betonte Hille.

Kein Interesse am Dorfleben?

Genutzt hätten die angegriffenen Eheleute die Möglichkeit, die allen Schwiesauern offen stehe, nämlich die Sprechzeiten des Ortsbürgermeisters. Auch könne man als Einwohner an den öffentlichen Sitzungen des Ortschaftsrates teilnehmen und in den jeweiligen Fragestunden um Hilfe bitten oder Ideen einbringen, wie das Dorfleben besser gestaltet werden kann. Axel Ackermann und seine Lebensgefährtin hätten diese Möglichkeiten bislang nicht genutzt. „Haben beide kein Interesse am Dorfleben? Interessieren sie sich wirklich nur für ihre Idylle? Finden wir in unserer heutigen Zeit wirklich noch das Schlaraffenland?“, fragte Hille. Darüber hinaus ging er auf juristische Auseinandersetzungen zwischen den Geschädigten und dem Beschuldigten ein.

Zu Wort meldete sich ebenfalls die terrorisierte Ehefrau, die ihre Sicht schilderte. Auch berichteten die Ratsmitglieder Elke Beneke und Guido Genze von einem erfolglosen Gespräch mit dem Beschuldigten.