Kunrau/Lockstedt l Auch in Lockstedt hat der Weißstorch zum zweiten Mal nach 2019 wieder den Horst am Ortsausgang in Richtung Hohenhenningen bezogen. Wie Anwohner berichteten, ist er schon seit einigen Tagen vor Ort und baut sich sein Nest auf dem im Vorjahr neu aufgebauten stabilen Eisenmast. Allerdings wurde bislang nur ein Adebar gesehen, wie die Anwohner bestätigten. Sie hoffen, dass sich in den kommenden Tagen noch ein weiblicher Adebar dazugesellt und dann das Paar, wie im Vorjahr, zwei Jungtiere auf die Welt bringt.

Der Horst wurde Anfang 2019 von den Mitarbeitern der Naturparkverwaltung Drömling um den Storchenexperten Wolfgang Sender von Neuendorf nach Lockstedt versetzt. Dass der Hochsitz von den weißen Alttieren gleich im ersten Jahr mit dem Nachwuchs so gut angenommen wurde, hatte Wolfgang Sender, der in diesem Jahr in den Ruhestand geht, selbst überrascht.

Spitzenreiter in Mieste

Doch nicht nur in Lockstedt hat der Weißstorch in diesem Jahr schon sein Domizil bezogen. Auch in Kunrau ist er schon seit einigen Wochen präsent. Wie Nicole Eckhardt von der Verwaltung des Biosphärenreservats Drömling informierte, wurde ein Storchenpaar bereits am 26. Februar im Ort gesichtet. „Es war das dritte Storchenpaar, das nach dem Winter in diesem Jahr in den Drömling zurückkehrte“, teilte Nicole Eckhardt mit. Absoluter Spitzenreiter mit der Storchenbesetzung 2020 im Drömling war der Horst in Mieste. Der wurde bereits am 13. Februar wieder besetzt. Genau zehn Tage später kehrte ein Alttierpaar aus dem Süden nach Oebisfelde zurück.

Insgesamt sind im Gebiet des Drömlings sowie der Einheitsgemeinde Klötze aktuell 20 Horste besetzt. Nicole Eckhardt, die bei der Naturparkverwaltung auch die Nachfolge von Wolfgang Sender als Storchenbeauftragte angetreten hat, führt die frühe Rückkehr der Störche aus dem Süden auf die milden Wintermonate in der Region zurück. Zudem ist genügend Nahrung für die Vögel nach den starken Regenfällen der zurückliegenden Wochen vorhanden. „Im Drömling, aber auch in anderen Gebieten um Klötze finden die Störche gegenwärtig schon reichlich Regenwürmer. Auch ein hohe Anzahl an Insekten wird in diesem Sommer erwartet“, sagte Nicole Eckhardt.

Dass die weißen Vögel mit den kühlen Nachttemperaturen in diesen Tagen Probleme bekommen und vielleicht wieder in den Süden ziehen, sieht die Mitarbeiterin der Verwaltung des Biosphärenreservats entspannt. „Die Störche haben ein dichtes Federkleid und werden die Zeit ohne Probleme überstehen“, meinte Nicole Eckhardt.

Einige Nester noch unbesetzt

Noch nicht besetzt sind hingegen die Horste in Jahrstedt, Immekath und Kusey. Auch in Klötze an der Salzwedeler Straße konnten die Anwohner in diesem Jahr noch keinen der weißen Vögel entdecken. An diesen Orten werden auch in den kommenden Tagen und Wochen die Adebare erwartet. „Bis spätestens Mitte Mai sollen alle Weißstörche ihr Quartier bezogen haben“, meinte Nicole Eckhardt. Ansonsten wird es mit dem Nachwuchs eng, da einige Störche schon Mitte August wieder von der Altmark in den Süden ziehen.

2019 war trotz der Trockenheit und der damit verbundenen schlechten Nahrungsversorgung dennoch ein gutes Storchenjahr. Im Drömling und in der Einheitsgemeinde Klötze ließen sich insgesamt 54 Storchenpaare nieder. Sie brachten 104 Jungtiere auf die Welt. Ob dieses Ergebnis in diesem Sommer überboten wird, bleibt abzuwarten. Die Voraussetzungen durch die Witterungsbedingungen sind jedenfalls, so die Experten, ideal. Auch weil es genügend Regenwürmer und Insekten gibt. Der Rekord an Jungtieren stammt aus dem Jahr 2004 und lag bei 120.