Diskussion im Bauausschuss

Über die letzten Gräber des Neumühler Friedhofs wächst längst Gras

Seit 30 Jahren wurde auf dem Neumühler Friedhof keiner mehr beerdigt. Das Gelände ist verwahrlost und wächst zu. Für die Gemeinde Beetzendorf stellt sich die Frage: Entwidmen oder Wiederherstellen? Dazu sollen jetzt die Tangelner befragt werden.

Von Walter Mogk
In meterhohen Brennesseln und Gestrüpp standen die Mitglieder des Bauausschusses des Beetzendorfer Gemeinderates bei ihrem Abstecher zum Neumühler Friedhof. Seit 30 Jahren ist hier niemand mehr beerdigt worden. Fotos: Walter Mogk
In meterhohen Brennesseln und Gestrüpp standen die Mitglieder des Bauausschusses des Beetzendorfer Gemeinderates bei ihrem Abstecher zum Neumühler Friedhof. Seit 30 Jahren ist hier niemand mehr beerdigt worden. Fotos: Walter Mogk Foto: Walter Mogk

Neumühle/Tangeln - Gemeindesekretärin Silvia Schulz wusste genau, warum sie zum Abstecher des Beetzendorfer Bauausschusses auf das Areal des Neumühler Friedhofs Gummistiefel angezogen hatte. Das Gelände liegt nicht nur fernab der B 248 im Wald, es ist auch völlig zugewachsen und angesichts meterhoher Brennnesseln und Gestrüpp kaum zugänglich. „Es gibt hier noch ein paar Grabsteine, aber beerdigt wurde hier seit der Wende niemand mehr“, berichtete Ausschussvorsitzender Jürgen Friedrichs. Der Tangelner hatte die Ratsmitglieder mit zu dem verwunschenen Ort genommen, um darüber zu beraten, was aus dem Friedhof werden soll.

Denn das bis zu 4000 Quadratmeter große Gelände, das ringsherum von der Schulenburgschen Forst umgeben ist und zu dem ein kommunaler Weg führt, gehört der Gemeinde Beetzendorf. „Der Friedhof ist älter als das Schloss Neumühle, das ja erst in den 40er Jahren erbaut wurde“, erklärte Friedrichs. Hier fanden die Einwohner des Ortsteils einst ihre letzte Ruhe. Zuletzt wurden hier die verstorbenen Bewohner des Pflegeheims beerdigt, das von 1965 bis kurz nach der Wende im Schloss untergebracht war.

Liegezeiten der Gräber sind alle abgelaufen

„Als die Gemeinde Tangeln noch eigenständig war, hat sich der Gemeindearbeiter regelmäßig um den Friedhof gekümmert und das Gelände gepflegt“, berichtete Jürgen Friedrichs. Doch jetzt hole sich die Natur das Areal zurück. Für die Gemeinde stelle sich die Frage, wie sie zukünftig mit dem Friedhof umgehen soll.

„Entweder wir stellen den Friedhof wieder her und bieten ihn für Bestattungen an oder wir entwidmen ihn und verkaufen das Waldstück“, zeigte der Ausschussvorsitzende die zwei Optionen auf. Seiner Meinung nach habe der Friedhof keine Zukunft und würde bei seiner Wiederherstellung der Gemeinde nur finanziell zur Last fallen. „Zumal wir genügend Friedhöfe haben“, so Friedrichs.

Bürgermeister Lothar Köppe betonte, dass die Gemeinde keinerlei Verpflichtungen durch bestehende Gräber habe. Die Liegezeiten seien allesamt abgelaufen. Man werde sich aber im Falle einer Entwidmung noch einmal jeden der übrig gebliebenen Grabsteine genau anschauen.

„Was sagen die Tangelner eigentlich dazu?“, wollte die Beetzendorferin Christel Rosenbaum wissen. Sie regte an, die Einwohner zu dem Thema zu befragen und um ihre Meinung zu bitten, ob der Friedhof erhalten oder beseitigt werden soll. „Vielleicht erfahren wir von den Tangelnern in diesem Zusammenhang ja noch Fakten oder historische Details, die zu beachten sind“, plädierte auch Ausschussmitglied Steffen Klask für eine Einwohnerversammlung, die in nächster Zeit einberufen werden soll.

Grabsteine als Lapidarium woanders aufstellen

Vor einigen Jahren kam bei mehreren Tangelnern die Idee auf, den Neumühler Friedhof wieder herzurichten und für neue Bestattungsformen zu nutzen. Doch dies verlief im Sande. Für den Fall, dass erneut Vorschläge zur Revitalisierung des Areals eingebracht werden, warnte der Jeebener Thorsten Massel schon mal vor den Kosten für die Gemeinde. „Das wäre ein teures Vergnügen“, sprach sich auch der Audorfer Joachim Pieper eher für eine Entwidmung aus. Trotzdem will der Ausschuss erst einmal die Meinung der Tangelner einholen.

Selbst wenn sich eine Mehrheit für den Erhalt des Friedhofs findet, müsste dieser möglichst pflegeleicht gestaltet werden. „Mit einer Beerdigungsvariante, die es gestattet, dass einmal mit dem Rasenmäher drübergefahren werden kann“, erklärte Jürgen Friedrichs. Bei einer Entwidmung wäre zu klären, was mit den vorhandenen Grabsteinen geschehen soll. Vielleicht findet sich ein Platz, etwa auf dem Tangelner Friedhof, an dem diese als Erinnerung (sogenanntes Lapidarium) aufgestellt werden können.

Grabsteine waren zwar im Dickicht nicht zu finden, dafür aber dieses Häuschen, das wohl als Unterstellmöglichkeit auf dem Friedhof diente.
Grabsteine waren zwar im Dickicht nicht zu finden, dafür aber dieses Häuschen, das wohl als Unterstellmöglichkeit auf dem Friedhof diente.
Foto: Walter Mogk