Klötze l Von den ehemals 20 Angestellten ist in den Produktionsräumen der Klötzer Firma Wiko seit Tagen keiner mehr vor Ort. Seit Ende November ruht bereits die Produktion. Die Räume sind leergeräumt und der große blaue Stahlcontainer auf dem Hof an der Salzwedeler Straße ist gut gefüllt. Zum 31. Dezember geht eine 52-jährige Firmengeschichte in der Purnitzstadt zu Ende.

20 Angestellte hatte die Firma

Von den zuletzt 20 Angestellten haben einige bereits seit Wochen einen neuen Job gefunden. Andere Mitarbeiter stehen kurz vor der Rente, wiederum anderen Frauen und Männer loten gemeinsam mit der Agentur für Arbeit ihren neuen Berufsweg aus. Dabei erhalten sie auch Unterstützung vom Stammhaus aus Drolshagen. „Wir unterstützen die Mitarbeiter bei begleitenden professionellen Outplacement-Maßnahmen bei der beruflichen Neuorientierung und beim Übergang in ein neues Arbeitsverhältnis“, merkte Christian Hermann, Geschäftsführer der Wiko Elektronische Bauelemente GmbH, dazu an.

Unternehmen seit 2016 in der Hand von KRAH

Wie viele von den 20 beschäftigten Mitarbeitern schon einen neuen Arbeitgeber gefunden haben, wusste Christian Hermann auf Nachfrage der Volksstimme nicht genau. Nach der Bekanntgabe der Firmenschließung im April waren einige Wiko-Angestellte bereits erfolgreich auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber.

Die Klötzer Traditionsfirma gehörte seit 1. Januar 2016 zur KRAH-Unternehmensgruppe mit Stammsitz im nordrhein-westfälischen Drolshagen. In der Purnitzstadt wurden von den 20 Mitarbeitern drahtgewickelte Widerstände für Zündsysteme in der Automobilindustrie hergestellt.

„Wir bedauern die Schließung der Wiko Elektronische Bauelemente GmbH sehr“, sagte der Geschäftsführer Christian Hermann. Wie er weiter betonte, war die Schließung unter den gegebenen Umständen jedoch unausweichlich. Hauptgründe für die Aufgabe des Produktionsstandortes Klötze waren der Wettbewerbsdruck und die Verlagerung der Automobil- und Zulieferindustrie in die lokalen Absatzmärkte. Dabei kam es im Fall der Klötzer Firma in den zurückliegenden Monaten zu einem massiven Rückgang des Produktionsvolumens.

Zwei Abnehmer hatten in der Vergangenheit die Verträge mit den Klötzern aufgekündigt und somit sind zwei wichtige Standbeine des Unternehmens verloren gegangen.

„Eine mittel- und langfristige Kompensation der entfallenen Umsätze war nicht mehr möglich“, begründete Christian Hermann die Geschäftsaufgabe in der Purnitzstadt. Denn die Empfänger der Klötzer Produkte haben ihren Sitz in China und Brasilien. Und dort werden in Zukunft auch die bislang gefertigten Drahtwiderstände aus der Altmark produziert, ergänzte der KRAH-Geschäftsführer.

Produktion läuft bereits seit 1967 am Standor

Am 1. Januar 2016 hatte der damalige Geschäftsführer Adolf Fehse mit der KRAH-Unternehmensgruppe aus Drolshagen einen neuen Inhaber gefunden, um das Klötzer Unternehmen dauerhaft auf dem hart umkämpften Automobilzuliefermarkt zu behaupten. Das ist mit der Schließung der Firma nach 52 Jahren zum Jahresende auf einen bittere Weise gescheitert. Seit Anfang 1967 wurden am Standort elektronische Bauelemente hergestellt.

Wie Christian Hermann informierte, läuft der Pachtvertrag mit dem Eigentümer der beiden Gebäudekomplexe noch bis Ende 2020. Sollte sich jedoch im Laufe des kommenden Jahres ein neuer Interessent für die Firmengelände an der Salzwedeler Straße finden, löst das Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen den bestehenden Pachtvertrag sofort auf.

Wie vom Eigentümer der beiden Gebäude zu erfahren war, möchte er so schnell wie möglich „wieder Leben in die beiden Häuser einhauchen lassen“. Dabei ist auch eine einzelne Vermietung der zwei Häuser denkbar. „Wir wollen nichts unversucht lassen, auch in kleinen Gebilden die Gebäude zu vermieten“, schaut der Eigentümer optimistisch in die Zukunft.