Magdeburg l Der Onlinedienst „MD-Melder“ wird von der Stadt seit Einführung Anfang 2014 gern als Erfolgsgeschichte gefeiert. Tatsächlich nutzen viele Magdeburger das Angebot sehr rege, um Dreckecken, fehlende Pflastersteine und kaputte Laternen an die Stadt zu melden. Das geht bequem online über die Homepage der Stadt Magdeburg. Im laufenden Jahr gab es bereits 2266 Eintragungen von Elbestädtern, „wovon 97 Prozent nachweislich abgeschlossen wurden“, wie Kerstin Kinszorra, Sprecherin des Rathauses, auf Nachfrage erklärt.

Mehrfach hat auch unser Leser Karl-Heinz Simons schon den MD-Melder genutzt und auf ein Ärgernis in Sudenburg hingewiesen. In der Helmstedter Straße 2 bis 8 (Ausnahme bildet die Nr. 3) wächst das Unkraut teils schon deutlich in den Fußwegbereich hinein. Es sind unbewohnte Häuser, bei denen sich offenbar niemand richtig kümmert.

Nutzer zweifeln an der Statistik

Der MD-Melder kann‘s vielleicht richten, dachte sich Karl-Heinz Simons, meldete das Problem und freute sich, als der Vorgang online als „abgeschlossen“ geführt wurde. Doch beim genauen Hinsehen dann die Enttäuschung: Das Unkraut war mitnichten entfernt. Es wuchs munter weiter und das trotz dreimaliger Meldung über längere Zeit hinweg an die Stadt. Die reagierte jedes Mal und vermerkte immer wieder: Vorgang „abgeschlossen“. Aber das Unkraut sprießt weiter ... „Was macht das für Sinn, wenn nicht beseitigte Mängel als abgeschlossen deklariert sind“, ärgert sich Karl-Heinz Simons in einem Leserbrief an die Volksstimme.

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Wird da für eine schönere Statistik geschummelt? Tatsächlich werden Online-Anzeigen beim MD-Melder oft schon nach wenigen Tagen, manchmal sogar schon nach Stunden mit dem grünen Button „abgeschlossen“ geführt. So auch gestern, als ein Bürger Laub mit Rutschgefahr auf dem Radweg Hallische Straße meldete. Schon nach nicht mal zwei Stunden taucht in der MD-Melder-Liste unter Status der Vermerk „abgeschlossen“ auf. Was denn, Radweg schon gefegt? Ganz so schnell sind die Stadtreiniger dann doch nicht. Wer die Meldung anklickt, bekommt erklärt: Der Radweg werde zweimal wöchentlich gefegt. Nächste Reinigung: 23. Oktober.

Statusmeldungen sollen angepasst werden

Rathaussprecherin Kerstin Kinszorra erklärt auf Volksstimme-Nachfrage: „Die Aufnahme, Weiterleitung und die Tatsache, dass die Angelegenheit weiter durch das zuständige Fachamt bearbeitet und geprüft wird, stellt den Tatbestand einer abgeschlossenen Meldung für uns dar.“ So war es auch im Fall Helmstedter Straße. Nur heißt das hier bei ehrlicher Betrachtung: Fall online „abgeschlossen“ heißt noch längst nicht: Fall in der Praxis gelöst. Der Stadtordnungsdienst ist zwar am Thema dran, „aufgrund der unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse“ könne es aber zu „langen Verzögerungen kommen“, heißt es weiter zum Unkraut-Problem auf dem Fußweg.

Wäre dann nicht der Verweis „in Bearbeitung“ auf der Online-Seite treffender? „Wir werden in Zukunft etwas feinfühliger damit umgehen müssen“, räumt die Sprecherin ein.