Magdeburg l Eigentlich ist die Veredelung von Bäumen für Falko Beyme von der Baumschule Gustav Beyme im Magdeburger Stadtteil Pechau reine Routine. Bei der Ulme, die bis Montag an der Danzstraße, Ecke Breiter Weg, gestanden hatte, ist der Vorgang dennoch etwas Besonderes. Denn: „Normalerweise nehmen wir für die Veredelung Material von jungen Bäumen“, sagt er. Doch die gefällte Bergulme hatte schon ein stolzes Alter von 120 Jahren erreicht. Sie hatte die Bombenangriffe auf Magdeburg im Zweiten Weltkrieg überstanden und war 1987 vor der Fällung bewahrt worden.

Nun musste sie neuen Bauvorhaben weichen. Die Fällung war umstritten. Doch selbst der Experte und erklärte Baumfreund Beyme sagt, bei aller Emotionalität müsse auch die Verhältnismäßigkeit abgewogen werden. Seiner Ansicht nach sei die Ulme bereits geschädigt gewesen. Das schlussfolgert er aus der dunklen Verfärbung des Stammes im Innenbereich. Doch Beyme wird die Bergulme gewissermaßen weiterleben lassen. Wie, das erklärte er vor Ort.

Bereits im Sommer 2015 haben Kollegen von Falko Beyme junge Triebe vom Baum abgenommen, ließen sich dafür mit einem Hubsteiger in die hochgewachsene Krone fahren. Denn junge Zweige, die sich zur Veredelung eignen, habe es relativ wenige gegeben, sagt Beyme, ein Zeichen für das hohe Alter des Baumes. Noch im Sommer sind sie veredelt worden. Das bedeutet, dass sie auf die Wurzel eines bereits vorhandenen Ulmenbaumes aufgesetzt wurden. Dazu hat Beyme die Knospen von den Zweigen abgeschnitten und wiederum den Stamm der bereits vorhandenen jungen Ulmen aufgeschnitten und die Knospe dort eingesetzt. „Dieser Vorgang muss relativ schnell gehen", erklärt er, damit das Holz nicht trocken wird. Innerhalb von 24 Stunden zeigt sich dann bereits, ob die Knospen angenommen oder abgestoßen wurden.

1,50 Meter bis zum Herbst

So stehen sie nun auf dem weiten Feld vor den Toren der Stadt. Und Falko Beyme ist gespannt, wie viele im Frühjahr austreiben werden. Die bisherigen Triebe werden direkt über der neu aufgesetzten Knospe abgeschnitten, so dass die ganze Kraft der Pflanze in die aufgesetzten Knospen gelangt und verhindert wird, dass die bisherigen Knospen austreiben. Wenn alles gut läuft, werden die Pflanzen bis zum Herbst eine Höhe von etwa 150 Zentimetern erreichen.

Bis aus den Einjährigen ein richtiger Baum wird, mit Stamm und ausgeprägter Krone, wird es jedoch noch Jahre dauern, kündigt Beyme an. Nach drei bis vier Jahren werden die Ulmen zunächst umgepflanzt – zum einen, um ihnen mehr Platz einzuräumen, zum anderen, um die Wurzelbildung anzuregen. Erst nach insgesamt fünf bis sechs Jahren werden die Ulmen einen Stammdurchmesser erreicht haben, mit dem sie auch ausgepflanzt werden können. Reichlich Pflege liegt bis dahin noch vor Falko Beyme und seinem Team. Gerade in jungen Jahren benötigen die Bäume regelmäßige Bewässerung und müssen beschnitten werden.

Aus der Wohnungsbaugenossenschaft Otto von Guericke war zu erfahren, dass ein bis zwei der gezogenen Bäumchen im Innenhof der neuen Wohnhäuser an der Danzstraße, Ecke Breiter Weg, gepflanzt werden sollen. An die Fällgenehmigung sei die Bedingung geknüpft worden, dass auf dem Grundstück bis 30. November 2019 eine neue Bergulme gepflanzt wird, berichtete Vorstand Karin Grasse gestern auf Nachfrage. Die neu gezogenen Ulmen würden dann nachgepflanzt. Es seien 20 Bäume bestellt worden.

Neue Bäume für Babys

Nicht alle werden ihre neue Heimstatt am Breiten Weg erhalten können. Sie sollen stattdessen entweder auf Grundstücken, die nicht mehr bebaut werden, gepflanzt werden, oder zum Beispiel bei der Baumpflanzaktion der Wohnungsbaugenossenschaft. Jedes Jahr widmete das Wohnungsunternehmen den Neugeborenen seiner Mieter Bäume.

Bis zum Bau wird noch einige Zeit ins Land gehen. Im Sommer sollen Leitungen umverlegt werden, anschließend kommen die Archäologen zum Einsatz, ehe im September die Tiefbauarbeiten beginnen. Der eigentliche Bau soll 2017 starten und 2018 fertiggestellt sein.