Magdeburg l Im früheren VEB Vorfertigung in Rothensee, einem Betrieb des Wohnungsbaukombinats (WBK) Magdeburg, sind die Einzelteile des Wohngebietes gefertigt worden, wenn man so will. Mehrgeschossige Wohnhäuser im industriellen Wohnungsbaustil entstanden vor 35 Jahren im Westen der Stadt und gaben Zehntausenden Bewohnern ein modernes Zuhause mit integriertem Bad, Fernwärme und Balkon. Seit Jahren läuft der sogenannte Stadtumbau in Neu-Olvenstedt, der mit Abrissen, Rückbauten und dem Aufbau von Eigenheimsiedlungen sichtbar ist. „An der Siedlung ‚Düppler Mühle‘ zeigt sich, dass der freigewordene Platz sinnvoll genutzt werden kann“, sagt Hans-Joachim Neumann. Einst hätten hier Mehrgeschosser gestanden, die dann abgerissen worden seien.

Früher klein, heute groß

Der 91-Jährige war einst als technischer Leiter im Rothenseer Betrieb tätig und verdeutlicht bei einem Rundgang, wie nah Alt und Neu im Stadtteil beieinanderliegen. Zum Beispiel im Bereich Olvenstedter Scheid/Heinrich-Lange-Weg. Dort hat die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) „Otto von Guericke“ bereits Wohnblöcke saniert und mit neuen Balkonen versehen. „Der Vorteil der neuen Balkone liegt in deren Größe: Damals waren sie gerade einmal 1,20 Meter tief“, verweist Neumann schmunzelnd. Jene unsanierten Blöcke werden derzeit von der WBG in Angriff genommen.

In einem der Hinterhöfe des Olvenstedter Scheids stehen sich sanierte und unsanierte Häuser direkt gegenüber. Damals beim Aufbau des Stadtteils sei es wichtig gewesen, Kunstelemente wie beispielsweise farblich gestaltete Keramik oder Balkonbrüstungen mit verschiedenen Oberflächenstrukturen in die Betonfassaden zu integrieren. Es sollte eine optische Auflockerung der mit Spritzkies versehenen grauen Außenschicht der Häuser erzielt werden. Dafür wurden extra Kunsthandwerker vom VEB beauftragt, die Gestaltung, die heute als Kunst am Bau bekannt ist, zu übernehmen. „Bei der Fertigung der Häuserplatten stand deren Langlebigkeit im Vordergrund. Dieses Ziel ist auch erreicht worden“, so Hans-Joachim Neumann.

Der Umbau in Neu-Olvenstedt

Neu-Olvenstedt (mp) l Der Umbau des Stadtteils Neu-Olvenstedt läuft weiter. Im bereich des Olvenstedter Scheids werden derzeit Mehrgeschosser saniert. Alt und neu stehen hier direkt gegenüber.

  • Hans-Joachim Neumann vor einem sanierten (rechts) und unsanierten (links) Wohnungsblock am Olvenstedter Scheid.
Foto: Marco Papritz

    Hans-Joachim Neumann vor einem sanierten (rechts) und unsanierten (links) Wohnungsblock am Olvens...

  • Bei der Sanierung wurden Zierelemente eingearbeitet.
Foto: Marco Papritz

    Bei der Sanierung wurden Zierelemente eingearbeitet. Foto: Marco Papritz

  • Neue Balkonanlagen stehen als Symbol für die Sanierung.
Foto: Marco Papritz

    Neue Balkonanlagen stehen als Symbol für die Sanierung. Foto: Marco Papritz

  • Typisch für Neu-Olvenstedt sind die Hinterhöfe, die wie hier als grüne Oase durchgehen.
Foto: Marco Papritz

    Typisch für Neu-Olvenstedt sind die Hinterhöfe, die wie hier als grüne Oase durchg...

  • Die beim Aufbau der Mehrgeschosser in den 1980er Jahren installierten Balkonanlagen wurden mit farblich gestalteten Keramikplatten versehen, die das Grau der Fassaden überdecken und heute als Kunst am Bau bekannt sind. Foto: Marco Papritz

    Die beim Aufbau der Mehrgeschosser in den 1980er Jahren installierten Balkonanlagen wurden mit fa...

  • Sogenannter Spritzkies ist als Gestaltungselement bei der Fertigung der Fassadenplatten integriert worden.
Foto: Marco Papritz

    Sogenannter Spritzkies ist als Gestaltungselement bei der Fertigung der Fassadenplatten integrier...

  • Ein Farbenspiel als Grau-, Rot- und Gelbtönen prägen die Fassade dieser Wohnhäuser der WBG „Post und Energie“.
Foto: Marco Papritz

    Ein Farbenspiel als Grau-, Rot- und Gelbtönen prägen die Fassade dieser Wohnhäuser...

  • Die WBG „Otto von Guericke“ saniert derzeit Blöcke am Olvenstedter Scheid.
Foto: Marco Papritz

    Die WBG „Otto von Guericke“ saniert derzeit Blöcke am Olvenstedter Scheid. Fot...

  • Die Geschäftsstelle der Wohnungsbaugenossenschaft

    Die Geschäftsstelle der Wohnungsbaugenossenschaft "Otto von Guericke" erhält einen neue...

Ihn freue es, dass bei der Sanierung der Wohnblöcke wie beim Olvenstedter Scheid 6 Eingangsbereiche kunstvoll gestaltet worden sind. „Prima ist auch, was beispielsweise die Wohnungsbaugenossenschaft ‚Post und Energie‘ bei der Sanierung aus ihren Wohnhäusern gemacht hat. Sie wurden u. a. herabgesetzt und optisch aufgefrischt“, deutet Neumann auf das Wechselspiel von Grau-, Rot- und Gelbtönen an den Fassaden der Hausnummern 46-50.

Geh- und Radwege wie Adern

Typisch für das Wohngebiet von Neu-Olvenstedt sind die Geh- und Radwege abseits der Verkehrsstraßen, die wie Adern wirken und die Quartiere miteinander verbinden. „Über die Jahre sind viele Bäume gewachsen und ist Grün entstanden“, so Neumann weiter. Diese gleichen den Verlust von Wohnhäusern durch deren Abriss aus. „Denn niemand sieht es gern, dass das, was er mitgestaltet hat, wieder abgebaut wird“, sagt er.

Übrigens: In den 1980er Jahren wurden Wohnblöcke mit Fahrstühlen ausgestattet, die mindestens sechs Geschosse zählten. „Erst in den letzten Zügen des Aufbaus sind in Olvenstedt diese Mehrgeschosser entstanden, weil wir rationeller arbeiten sollten, wie es hieß“, so Neumann.