Magdeburg l Laut einem Bericht der Berliner Morgenpost gibt es mittlerweile 79 Städte in Deutschland mit mehr als 100000 Einwohnern. Viele Städte würden von sich behaupten, besonders viel Vegetation zu bieten. „Sie berufen sich dabei auf ihre öffentlichen Erholungsgebiete. Doch was ist mit bepflanzten Dächern, Privatgärten, Stadtbäumen, oder begrünten Hinterhöfen?“, heißt es in dem Text.

185 Bilder ausgewertet

Die Zeitung hat daher 185 Satellitenbilder ausgewertet und das Grün in Relation zur Einwohnerzahl und Fläche gesetzt. Magdeburg landet in diesem Vergleich auf Platz 70 von 79 Großstädten mit einem Grünanteil von 54,3 Prozent. Auf dem ersten Platz landete mit 85,5 Prozent Siegen. Halle schaffte es mit 49 Prozent auf Platz 75.

Die Stadtverwaltung Magdeburg hat aus den Medien von der Untersuchung erfahren. „Unabhängig davon, dass die im Ranking angegebene Einwohnerzahl fast vier Jahre alt ist und zu unseren Ungunsten um mehr als 5000 Einwohner abweicht, wäre natürlich ein vorderer Platz schöner“, sagt Stadtsprecher Michael Reif der Volksstimme und verweist auf das Fazit der Auswertung.

Darin heißt es: „Der Satelliten-Check zeigt also, wie grün es wirklich im Sommer in Deutschland ist, sagt aber nichts unmittelbar über Lebensqualität oder Nachhaltigkeit in den Großstädten aus.“ Gehe man danach – etwa wie eine Umfrage aus dem Jahr 2007 vom Männermagazin „Men‘s Health“ – lande Magdeburg regelmäßig auf vorderen Plätzen. „Magdeburg wird sich auch weiterhin als eine der grünsten Städte Deutschlands positionieren“, sagt Reif.

Auf Grünflächen achten

Ähnlich sieht es Grünen-Stadtrat Timo Gedlich. „In der Tat haben wir Magdeburg immer als eine sehr grüne Stadt wahrgenommen. Daher verwundert es uns doch, dass Magdeburg nur auf dem 70. Platz von insgesamt 79 Großstädten rangiert“, sagt Gedlich.

Wenn man sich allerdings ansehe, was alles zur Fläche mit Vegetation hinzugerechnet wird, werde schnell klar, wo Magdeburg noch Ressourcen hat. „Neben den öffentlichen Erholungsgebieten zählen auch Privat-, Gemeinschafts- und Schulgärten, bepflanzte und begrünte Dächer sowie Hinterhöfe und Stadtbäume dazu“, so Gedlich. Der Grüne ist sich sicher, dass die Landeshauptstadt ein paar Plätze in der Aufstellung gut machen könnte, wenn man ein paar Dinge ändern würde.

„Wir als Stadt sollten die Herausforderung annehmen, indem wir zum Beispiel das seit 2015 im Entwurf vorliegende Kleingartenkonzept mit diesem Wissen um diese Dinge in vernünftige Bahnen lenken“, sagt Gedlich. Das Konzept, das derzeit noch überarbeitet wird, hatte für Aufsehen gesorgt, weil Stadtplaner das Potenzial sahen, bis zu 4000 Kleingärten in Bauland umwandeln zu können. „Gleiches gilt auch für Stadtbäume, die im gleichen Maße neugepflanzt werden müssen, wie sie gefällt werden“, fordert Gedlich.

Für den Linken-Stadtrat Dennis Jannack ist das Ranking in erster Linie ein Achtungszeichen. „Ich begreife die Auswertung als Warnsignal, dass wir auf unser Grün achten müssen und diese Flächen nicht weiter zurückgedrängt werden.“