Magdeburg l Gebeugt und mit Handschellen gefesselt betritt Bellal K. (34) am Dienstagmorgen den Saal im Landgericht Magdeburg. Der Syrer nimmt zwischen seinem Verteidiger Marten Keil und dem Arabisch-Übersetzer Issa Al-Manssour Platz. Er hält den Kopf gesenkt und wischt sich Tränen aus den Augen.

Dem 34-jährigen Angeklagten, der nach eigenen Angaben in Damaskus geboren wurde, wird vorgeworfen, Anfang September vergangenen Jahres in Magdeburg einen damals 11-jährigen Jungen in einer Unterkunft sexuell missbraucht zu haben. Der Junge ist wie der Angeklagte auch syrischer Staatsbürger. Im Ermittlungsverfahren hat der Angeklagte die Tat bestritten. Einen Haftgrund sah der Richter dennoch. Der 34-Jährige befindet sich seit Mitte Dezember 2015 in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstallt in Burg.

Gleich nach der Verlesung der Anklageschrift wurde die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen. Bellal K. wollte sich zur Tat einlassen, Details beschreiben. Da es sich bei dem Opfer um ein Kind handelt, ist der Ausschluss der Öffentlichkeit in so einem Verfahren zum Schutz der Persönlichkeitsrechte des Kindes normal.

Die Familie des Jungen war vor dem Krieg aus Syrien nach Deutschland geflohen. Über die Erstaufnahmeeinrichtung in Halberstadt landeten sie – der 11-Jährige hat noch Geschwister – in Magdeburg. Nach Informationen der Volksstimme lebt die Familie inzwischen nicht mehr in Magdeburg, sondern in einer anderen Stadt in Deutschland.

Opfer und mutmaßlicher Täter sollen sich zuvor nicht gekannt haben. Offenbar lernte der 34-Jährige den Jungen in der Erstaufnahmeeinrichtung Halberstadt kennen. Zum Missbrauch soll es aber offenbar erst in Magdeburg gekommen sein. Nach unbestätigten Informationen soll es von der Tat ein Video geben. Wer das Video machte und wie es seinen Weg zu den Behörden fand, ist nicht klar. Details aus dem Prozess wurden nicht bekannt. Die Familie des Opfers ist am Boden zerstört. Von der Tat sollen sie nichts mitbekommen haben.

Ein Urteil in dem Prozess wurde am Dienstag noch nicht gesprochen. Es sollen noch weitere Zeugen angehört werden. Die Verhandlung wird nächste Woche fortgesetzt.