Magdeburg l In rosa Gummistiefeln, grünen Handschuhen und mit einer blauen Schippe ausgerüstet ist die kleine Greta (5) am Sonnabend startklar für eine große Pflanzaktion. Gemeinsam mit Papa Mario Gerlich (49) und einigen anderen Helfern vom Kleinkind bis zum rüstigen Rentner unterstützt sie an der Oebisfelder Straße in Magdeburg die Aktion „Otto pflanzt“.

800 Bäume aller Art, aber ungenießbar für den Asiatischen Laubholzbockkäfer, dazu um die 60 Obstbäume und nahezu 1000 Sträucher wollen sie bis zum Nachmittag in die vorbereiteten Pflanzlöcher rechts und links der Straße einbringen.

Ein Baum für jeden Magdeburger

Die Initiative hat ein ehrgeiziges Ziel. 242.000 Bäume will sie in den kommenden Jahren in der Landeshauptstadt pflanzen. Einen Baum für jeden Einwohner. Magdeburg soll nach der Fällung Tausender Bäume wieder eine besonders grüne Stadt werden und so zu einem attraktiven Lebens- und Erholungsraum für Mensch und Tier werden.

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Nun also der Start an der Oebisfelder Straße. „Rund 8000 Quadratmeter umfassen die beiden Flächen“, berichtet Steffen Tilsch (36) von der Initiative. „Zur Verfügung gestellt von der Stadt Magdeburg.“ Zuvor seien hier die Bäume dem Asiatischen Laubholzbockkäfer zum Opfer gefallen. Der frisst sich vor allem durch den Herrenkrug und Rothensee – die Quarantänezone reicht bis ins Jerichower Land hinein.

Streuobstwiese mit Bienenweide

Auf der einen Straßenseite soll eine Streuobstwiese „mit regionalen Apfelsorten und einer Bienenweide entstehen“, so Tilsch. Dort können sich dann nicht nur Insekten, sondern auch die Magdeburger selbst laben. Zum Verweilen sollen später auch ein paar Bänke aufgestellt werden.

Auf der anderen Seite sollen die 800 Bäume – allesamt sogenannte Heister im Alter von zwei bis drei Jahren und kniehoch – sowie Hunderte Sträucher einen Platz finden. In den Wochen zuvor seien die Flächen und Pflanzlöcher mit schwerem Gerät vorbereitet worden. „Die Stadt hat zudem einen Zaun gezogen“, erzählt Felix Bosdorf (27), Organisator bei der Initiative. Dass die Bäume allein nicht ausreichen und die Bereiche auch mit Büschen angereichert werden sollten, habe sich in den Gesprächen mit der Stadt ergeben.

Mit der Verwaltung habe man auch einen Gestattungsvertrag abgeschlossen. Sieben Jahre werde sich die Initiative nun um die Pflege des Grüns kümmern. „Wir müssen im Sommer gießen, gießen, gießen“, mahnt Informatiker Tilsch. „Außerdem brauchen die Obstbäume einen Erziehungsschnitt“, weiß Verwaltungsfachangestellter Bosdorf. Keine leichte Aufgabe, bei der auch immer Helfer willkommen sind. Schon jetzt werde die Initiative von verschiedenen Experten aus dem Garten- und Umweltbereich unterstützt. Hinzu kommen Spenden zahlreicher Magdeburger und manch einer Firma.

Weitere Flächen für Bäume gesucht

Doch um das große Ziel von 242.000 Bäumen zu schaffen, bedarf es noch mehr. „Wir könnten zwar sofort noch drei solcher Flächen wie hier bepflanzen, dafür sind die Gelder da. Aber es fehlt uns schlichtweg an Flächen“, erklärt Bosdorf. Gesucht werden vor allem zusammenhängende Bereiche ab etwa 700 Quadratmeter, keine einzelnen Baumscheiben. Flächen für Ersatzpflanzungen kämen nicht in Betracht. Dafür sei die Aktion nicht gedacht. „Wir pflanzen unsere Bäume zusätzlich zum Stadtgrün und nicht als Ersatz“, so Bosdorf.

In etwa drei Wochen wollen die helfenden Hände der Initiative auf einer Privatfläche die nächsten Bäume pflanzen. Ebenfalls in Rothensee.

Und wer weiß, vielleicht können die kleine Greta und alle anderen Magdeburger im nächsten Jahr schon die ersten Äpfel auf der Streuobstwiese ernten und genießen.

Weitere Infos unter www.ottopflanzt.de