Magdeburg l Am Freitagnachmittag begibt sich die Mannschaft des 1. FC Magdeburg um Kapitän Marius Sowislo auf den Weg zum letzten Spiel der Drittligasaison 2017/18. Marco Heiland ist dem Aufsteiger in die Zweite Bundesliga um einiges voraus. Nicht mit dem Bus wie der FCM, sondern mit dem Fahrrad hat der 25-Jährige am frühen Donnerstagabend die Auswärtsfahrt nach Lotte in Nordrhein-Westfalen angetreten, wo am Sonnabend um 13.30 Uhr das Spiel der Sportfreunde gegen den Club angepfiffen wird. „Für den FCM ist kein Weg zu weit“, so der junge Mann aus Meiningen (Thüringen), der in Aschersleben bei der A.V.G. Bildung tätig ist.

Eine Wette zum Aufstieg

Die 300-Kilometer-Fahrt nimmt der Fan gerne in Kauf. Schließlich muss er eine Wette einlösen. „Nach dem letzten Heimspiel der vergangenen Saison hat unsere Gruppe noch lange Zeit am Stadion verbracht. Klar war da auch ein möglicher Aufstieg, der da trotz eines Sieges gerade knapp verpasst wurde, ein heißes Thema“, so Heiland. Da habe er sich zur Wette hinreißen lassen, die letzte Auswärtsfahrt in dieser Saison mit dem Fahrrad antreten zu wollen, sollte der FCM bereits vor dem letzten Spieltag als Aufsteiger feststehen. Diesen Gefallen taten ihm Trainer Jens Härtel und sein Team gern. „Natürlich haben meine Freunde meinen Wetteinsatz nicht vergessen“, sagt Marco Heiland schmunzelnd.

Einer von 5000 Fans

Nun ist er mit Zelt und Proviant ausgestattet unterwegs. Die erste Nacht wolle er „so viel an Kilometern abreißen, wie ich schaffe“. Ziel ist, sich heute der kleinen Gemeinde Lotte auf 60 bis 80 Kilometer zu nähern, um morgen gegen 6 Uhr die letzte Etappe anzutreten und pünktlich am Frimo-Stadion zu sein. Anfang der Woche hatte Heiland nicht mal eine Eintrittskarte für das Auswärtsspiel, bei dem es für den FCM mit zwei Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten und Mitaufsteiger SC Paderborn um die Meisterschaft in Liga 3 geht. Knapp 5.000 Sympathisanten des Clubs werden in Lotte erwartet. „Mittlerweile haben viele Fans von der Aktion Wind bekommen und mir ihre Unterstützung zugesichert. Viele haben mir ihre Karte angeboten.“ Offerten wie Lunchpakete, die andere Anhänger für ihn zusammenstellen wollten, lehnte er ab. „Mit dem Rad möchte ich möglichst wenig Gepäck bewegen. Die vielen Reaktionen zeigen, dass die blau-weiße Familie zusammenhält“, freut sich der Mann, der regelmäßig in Thüringen mit dem Fahrrad unterwegs ist.

Nebenjob für Pauli-Karte

Im November 2000 entdeckte er seine Leidenschaft für den Club. Damals noch Bayern-Fan, saß er zusammen mit Mutter Katrin – FCM-Fan seit Kindestagen – vor dem Fernseher und verfolgte den 4:2-Sieg nach Elfmeterschießen in der zweiten Runde des DFB-Pokals des damaligen Oberligisten und krassen Außenseiters gegen den späteren Champions-League-Sieger aus München. „Die Stimmung im Ernst-Grube-Stadion war überragend und meine Mutter hatte so viele Geschichten zum Verein auf Lager, das blieb hängen.“ Kurze Zeit später folgte der erste Clubbesuch in Magdeburg bei einem Heimspiel gegen Rot-Weiß Erfurt. „Den verpassten Aufstieg gegen den FC Sankt Pauli beim Saisonfinale 2007 habe ich im Stadion miterlebt. Die Karte – bei Ebay für viel Geld ersteigert – hatte ich mir über einen Nebenjob finanziert“, weiß er zu berichten.

Die Fußballbegeisterung ist auch auf seine Nichte übergesprungen: Ihr Training beim USV Jena absolviere die Nachwuchsspielerin stets in FCM-Kleidung, freut sich Heiland.

Norman Seidler, Pressesprecher des FCM, ist vom Einsatz des jungen Mannes begeistert. „Diese Aktion zeigt, wie kreativ die FCM-Fans sind.“ Der Club wünsche ihm eine gute und vor allem unfallfreie Anreise. Heiland habe sich einen großartigen blau-weißen Empfang in Lotte verdient. Die Volksstimme erfuhr, dass Lottes Stadionsprecher die Ankunft von Heiland würdigen wolle.

Zum FCM-Liveblog geht es hier.