Musik

Akkordeonist Martin Müller bringt in Magdeburg als Mann mit dem Hut seine erste CD heraus

Was macht man als Musiker, wenn die Corona-Pandemie für einen Lockdown sorgt? Akkordeonist Martin Müller ist trotzdem seiner Berufung gefolgt, Musik zu machen: Er hat seine erste CD aufgenommen.

Von Christina Bendigs
Akkordeonist Martin Müller aus Magdeburg gibt seine erste CD heraus.
Akkordeonist Martin Müller aus Magdeburg gibt seine erste CD heraus. Foto: Arno Battke

Magdeburg - Ein einsamer Mann, spazierend im Regen an der Magdeburger Elbe, ein gut gefülltes Café in einer Gasse in Paris, ein fröhlicher Sommertag am Meer, an dem die Möwen im Wind zu tanzen scheinen. Wer die CD von Martin Müller in den CD-Player seines Autos steckt, möchte nicht einfach nur nach Hause fahren, sondern am liebsten spontan zum Weltenbummeln aufbrechen.

Die Musik inspiriert je nach eigener Stimmung zu diversen Bildern und macht Lust, alles stehen und sich treiben zu lassen, weckt Erinnerungen an geliebte Menschen, regt zum Träumen an. Der Magdeburger Akkordeonist Martin Müller nutzt die Stärke des Akkordeons, melancholisch, traurig oder verträumt und gleichzeitig fröhlich, beschwingt und tänzerisch zu klingen.

Vielfach sei er schon nach einer CD gefragt worden, berichtet er im Volksstimme-Gespräch, und habe stets passen müssen. Zu hoch die Kosten, zu wenig eigenes Material. Doch nun hat er die Corona-Pandemie und das Fördergeld genutzt, um das Projekt umzusetzen. Sein erstes Album erschien im Juli.

Ein Geschenk für die Fans

Geld verdienen könne er damit nicht, das sei schon mal klar, und auch wirtschaftlich sei das Projekt nicht gewesen. Aber darum gehe es gar nicht. Vielmehr sei die CD ein Geschenk für seine Fans, etwas zum Mitnehmen für zu Hause, das er nach Auftritten anbieten kann.

Dabei sucht Martin Müller, der auch als der Mann mit dem Hut bekannt ist, nicht unbedingt die großen, öffentlichen Bühnen. Der nach eigenen Angaben menschenscheue Musiker spielt bei Zeugnisausgaben, Hochzeiten, Beerdigungen und anderen Anlässen und möchte die Gefühle und Stimmungen seiner Zuhörer unterstützen. Und so rückt er sich selbst eher in den Hintergrund, was sich auch im Namen des Albums widerspiegelt: „Nur der Mann mit dem Hut“. Und nur der ist auch auf der CD zu hören, na ja, fast. Einzig Gitarrist Pedro Querido hat ihn vereinzelt begleitet, Gitarre und Akkordeon ergeben eine wunderbare Symbiose, als Zuhörer wünscht man sich mehr davon.

Blick ins heimische Studio: Schon beim Frühstück arbeitete Martin Müller an seiner CD.
Blick ins heimische Studio: Schon beim Frühstück arbeitete Martin Müller an seiner CD.
Foto: Martin Müller

„Aber wo und wie nimmt man in Corona-Zeiten am besten eine CD auf“, habe sich Martin Müller gefragt, als er das Projekt in Angriff nahm. Allein und zu Hause, lautete die Antwort. Ein kleines Aufnahmegerät genügte. Mit dem konnte er mehrere Tonspuren nacheinander aufnehmen und sich auf diese Weise auch selbst begleiten, Stücken eine Tiefe und Breite geben, die sonst nicht möglich gewesen wäre. Die Kompositionen waren bereits während der langen Lockdown-Monate entstanden, in denen es kaum Engagements gab. Ab April nahm Martin Müller seine CD auf. Im Juli konnte er sie bereits veröffentlichen – und beweist in einem Song, dass er auch Talent zum Singer/Songwriter hat.

Auftritte im August

Ausgleich fand er im Radfahren, das sein Körper heute regelrecht braucht. „30 Kilometer, aber immer raus aus der Stadt“, berichtet Müller, der große Menschenansammlungen privat gern meidet. Pianist und Studioinhaber Oliver Vogt gab den Aufnahmen schließlich den letzten Schliff.

Ein Dankeschön sagt Martin Müller allen Unterstützern, vor allem auch den Mut-Machern, die die Motivation am Leben gehalten hätten, die Zuversicht gegeben haben, dass es irgendwann weitergehen würde. „In der Pandemie musste ich mich viel ablenken“, erinnert er sich. Die Gedanken kreisten immer wieder um die Frage: „Was machst du jetzt?“ Natürlich könne man seine Berufung aufgeben und etwas anderes tun, „aber das ist nicht so leicht für einen Künstler“. Und es sei ja nicht so, dass er nichts zu tun gehabt hätte.

Martin Müller ist froh, dass das kulturelle Leben langsam wieder zum Leben erwacht und sich auch Engagements ergeben. Mit der Starbridge Folkband steht am 8. August 2021 im Rahmen der achten Folknacht im Ravelin 2 der erste öffentliche Auftritt an. Am 29. August 2021 ist Müller im Schauspielhaus im Gundermann-Programm „Ich mache meinen Frieden“ mit den Schauspielern Ralph Opferkuch und Thomas Schneider sowie Schlagzeuger Max Dost zu erleben.

Ideen für weitere CDs gibt es

Ob er wieder einmal eine CD aufnehmen wird? Ideen und Möglichkeiten gebe es zumindest. Aber ob sich Zeit und Geld noch einmal finden, bleibt wohl abzuwarten.

Das Cover für die CD hat der künstlerisch veranlagte Musiker selbst gestaltet.
Das Cover für die CD hat der künstlerisch veranlagte Musiker selbst gestaltet.
Foto: Martin Müller