Magdeburg l Umarmungen drücken Liebe, Trost und Zuneigung aus. Und sie sind gesund. Sie können das Stresslevel senken, den Blutdruck verringern und den Herzschlag verlangsamen. „Diese Effekte kommen von der Ausschüttung des Hormons Oxytocin“, wie Prof. Dr. Thomas Frodl, Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Magdeburg, erklärt. Oxytocin sei ein Bindungshormon, das verstärkt auch bei stillenden Müttern gebildet werde. Sie produzieren dadurch vermehrt Milch und die Mutter-Kind-Bindung wird gestärkt.

Die positive Wirkung von Umarmungen stelle sich jedoch nur dann ein, wenn diese auch gewollt sind. Andernfalls könne genau das Gegenteil passieren, erklärt Frodl. „Wenn es unangenehm ist, wird’s Stress.“ Das befremdliche bis hin zum bedrohlichen Gefühl, das eine Umarmung dann auslöst, kann zur Produktion des Stress-Hormons Cortisol führen.

Fehlende Nähe kann Depressionen fördern

Noch schlimmer könne es werden, wenn Menschen gar keine körperliche Nähe wie die einer Umarmung erfahren. Besonders bei Kindern habe das unter Umständen gravierende Folgen. „Fehlende Liebe, also die Vernachlässigung von Kindern, hat negative Auswirkungen auf die Psyche“, erklärt der Psychiater. Es sei ein starker Zusammenhang zwischen Vernachlässigung und späteren Depressionen festgestellt worden.

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Einer, von vielen Gründen, warum auch Prof. Dr. Thomas Frodl meint: „Ja, die Menschen sollten sich mehr umarmen – vorausgesetzt natürlich, es sind gewünschte Umarmungen.“

Wer umarmt, der lächelt

Stress abbauen, Blutdruck senken, Bindungen stärken: Das alles kann also eine Umarmung. Und, wie die Magdeburger Aktionskünstlerin „MuNic“ weiß, sie helfe auf dem Weg zum inneren Frieden. In einer gemeinsamen Aktion mit der Volksstimme verschenkte die 35-Jährige am „Hugging-Day“, engl. für „Tag der Umarmung“ (oft auch Weltknuddeltag genannt), auf dem Willy-Brandt-Platz Umarmungen. Mit einem weißen Tuch, auf dem per Hand geschrieben stand „Ich schenke Dir eine Umarmung – ein Lächeln ist auch schön“, bot sie den Passanten an, sie drücken zu können. Und tatsächlich, schon wenige Minuten später, hob der erste Magdeburger seine Arme empor, um sie zu drücken – mit einem breiten Lächeln im Gesicht und lobenden Worten für die Aktion.

Mehr als ein Dutzend Passanten nahmen „MuNic“ binnen einer Stunde in den Arm. Keinen von ihnen kannte sie, aber allesamt hatten nach der Umarmung ein breites Lächeln im Gesicht und kamen kurz mit ihr ins Gespräch. Und es waren mitnichten nur junge Leute, die sich in ihren Armen wiederfanden. Schüler umarmten sie ebenso wie Senioren. Unangemessene Reaktionen gab es keine.

Nur wenige liefen unbeeindruckt an der jungen Frau mit ihrem Angebot einer Umarmung vorbei. Und wer kein Freund der körperlichen Nähe zu einer Fremden war, lächelte sie immerhin sehr freundlich an. Magdeburg hat den Knuddel-Test bestanden. Fühlen Sie sich gedrückt!