Magdeburg l „Das darf nie wieder passieren!“, erklärte Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper und erinnerte bei der Eröffnung des Aktionstages im Rahmen der Woche "Eine Stadt für alle" noch einmal an die schrecklichen Folgen des Zweiten Weltkriegs und die Zerstörung der Innenstadt von Magdeburg vor 75 Jahren. Und er blickte zurück auf den Vorabend und betonte: „Wir brauchen keinen rechten Aufmarsch und keine Nazis in der Stadt!“

Am Sonnabend und damit nur einen Tag nachdem in Magdeburg knapp 150 Personen des rechten Spektrums mit einem „Trauermarsch“ durch Magdeburg gezogen waren, sprachen sich das Stadtoberhaupt und die Schulen des Netzwerkes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, für ein Magdeburg als „Eine Stadt für alle“ aus. Zugleich setzten sie mit dem Aktionstag am Breiten Weg ein klares Zeichen gegen Rassismus, Hass und Ausgrenzung.

Magdeburger Projekt mit Tansania

So auch Felicitas. Die achtjährige Schülerin will „keinen Krieg mehr“ und manifestierte diesen Wunsch symbolisch auf einem Schlüssel aus Pappe. Diesen pinnte sie fest auf eine Weltkugel. Hier sammelte die Evangelische Grundschule Ideen und „Schlüssel“ für mehr Weltoffenheit und fragte: „Was schließt uns die Welt auf?“ Schlagworte wie Vertrauen, Liebe, Herzlichkeit, Toleranz und Akzeptanz paarten sich mit der Forderung nach Bildung für alle. Letzterem Wunsch kommt die Schule mit ihren aktuell 168 Schülern seit 15 Jahren mit einem Projekt in Kooperation mit der Hoffnungsgemeinde nach. Gemeinsam unterstützen sie eine Kleinstadt in Tansania, veranstalten beispielsweise Hilfs- und Bildungsprojekte mit afrikanischen Künstlern und Kindern, berichtete Schulleiterin Anja Leiß.

Handwerkliche Kunst gab es gleich nebenan am Stand der Freien Waldorfschule. Mit Kunstlehrer Marcus Iser konnten sich Besucher einen eigenen Nagel schmieden. Und wer mochte, schlug diesen mit einem Zettel auf einem stilisierten Stadtplan ein. Auf dem kleinen Papier wurden der Vorname und die Geburtsstadt notiert, der Zettel dann an jener Stelle auf dem Plan angeschlagen, an der man in Magdeburg wohnt. Am Ende entstand eine Karte, die aufzeigte, wie vielfältig die Landeshauptstadt und ihre Bewohner sind. Auch Schülerin Lara Sophie Ulrich verewigte sich an dieser Wand. Für die Schulsprecherin bedeutet Weltoffenheit eine Stadt der Gemeinschaft. „Hier treffe ich immer Freunde, egal wo ich hingehe. Magdeburg ist meine Heimat.“ Ein positives Gefühl eben.

Tanzen mit Breakdance-Weltmeister

Und genau dieses positive Gefühl der Gemeinschaft mochte auch Breakdance-Weltmeister Nico Hilger vermitteln. Und womit? Ganz klar, mit tanzen. Er sagte: „Wir sind alle ein Teil der Gesellschaft. Und tanzen verbindet.“

Lange Zeit war der Scheinwerfer auf den heute 42-Jährigen gerichtet. Immerhin tanzt er seit 26 Jahren. Doch irgendwann fragte er sich: „Was passiert eigentlich, wenn ich den Scheinwerfer auf die Zuschauer schwenke?“ Und so holt er mit seiner Dance-Cool-Tour in zahlreichen Projekten – unter anderem an Magdeburgs Grundschulen – seine Zuschauer ins Rampenlicht und tanzt seitdem mit ihnen gemeinsam. Gern auch mal spontan, so wie am Sonnabend mit einem Flashmob, bei dem sich plötzlich mehrere Kinder mit ihm zum Song „Can’t Stop The Feeling“ von Justin Timber- lake bewegten. „Das ist ein Song mit so viel positiver Energie“, berichtete Hilger. „Das ist genau das, was ich den Kindern vermitteln will.“ Schließlich würde diese Motivation helfen, sich selbst zu finden. Und wer sich selbst mag und weiß, was er will, kann zu einem positiven, aber immer noch individuellen Teil der Gemeinschaft werden.

Gemeinsam trommeln

Dass Musik verbindet, wissen auch die Schüler der Integrierten Gesamtschule „Willy Brandt“. Sie haben sich mit Lancei Dioubate einen professionellen Trommler in ihre Projektgruppe geholt. Regelmäßig wird fleißig geübt. Und wie sehr das Spielen auf der Djembe verbindet, zeigten die Schüler mit ihrem Lehrer auf der Bühne. Gemeinsam trommelten sie für ein weltoffenes Magdeburg – für eine Stadt, in der es keinen Platz für Rassismus gibt.

Dass der Rechtsextremismus bereits ein Stück zurückgedrängt werden konnte, zeigte am Freitag die geringe Anzahl der Teilnehmer am „Trauermarsch“. „Wir haben das klein bekommen“, sagte Trümper stolz. „Es sind zwar noch zu viele, aber es ist ein kleiner Erfolg. Denn vor einigen Jahren marschierten hier noch 2000 Leute.“

Bis zum Jahr 2018 wurde in Magdeburg mit der „Meile der Demokratie“ ein Gegenpol zu rechten Aufmärschen gesetzt. Als das Bündnis im Streit um die Teilnahme der AfD auseinanderbrach, wurde die Aktionswoche „Eine Stadt für alle“ ins Leben gerufen.