Magdeburg l Die Magdeburger Hauseigentümerin Inge Brunzel hat ihre Mieter im Hotel untergebracht, aus Angst um die Standsicherheit des Gebäudes Am Sudenburger Tor 5. Grund seien die Bauarbeiten nebenan, von diesen seien beispielsweise Risse in den Wänden der Wohnungen ausgegangen.

Auf einem Rundgang über die Baustelle widersprach jetzt Bauherr Dirk Krüger seiner Nachbarin. Er habe sich eines völlig desolaten Hauses angenommen, bei dem nach und nach immer mehr Decken nachgegeben hatten. „Wenn hier nicht gehandelt worden wäre, hätte dies das Nachbargebäude gefährdet. So tragen wir durch die Stabilisierung der Wände eher zu seiner Rettung bei.“

Wand voller Hohlräume

Dies unterstreicht auch Bauleiter Alois Galuschka: „Die alten Balken haben an der Wand zwischen den beiden Gebäuden gezogen. Diese haben wir abgetrennt.“ Die Metallanker, an denen sie im Mauerwerk befestigt waren, wurden dort belassen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Wand voller Hohlräume, Löcher und nicht mehr nutzbarer Schornsteine gewesen sei, die auf Anordnung des Statikers verfüllt worden sind. „Schwierig war dies aber, da wir nur von unserer Seite die Mauer untersuchen konnten – von der anderen Seite hatten wir keinen Zugang“, sagt Alois Galuschka.

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Für das Gebäude seien die strengen Bedingungen wie für einen Neubau angelegt worden. Und das bedeutet, dass die Decken auf neu eingezogenen Wänden und nicht auf der Wand zwischen den beiden Gebäuden ruhen. „Risse sind auf unserer Seite nicht zu erkennen. Und diese müssten ja, wenn von hier aus Beschädigungen ausgehen, auch hier zu erkennen sein“, sagt er.

Giebelwand ist über 140 Jahre alt

Inge Brunzel berichtet derweil, dass weitere Risse in ihrer Wand entdeckt wurden und sagt: „Ich meine, dass die über 140 Jahre alte Giebelwand sich seit 14. November 2019 bewegt.“ Sie sei nicht passend für ein Gebäude mit neuen 28 Wohnungen, einem zusätzlichen Stockwerk und einer Betondecke für einen begehbaren Dachgarten an Stelle des ursprünglichen, leichteren Daches. In ihrem Haus sind derzeit Mieter aus dem Seiten- und aus dem Hinterhaus auf der Suche nach anderen Wohnungen.

Dirk Kürger betont, dass Schäden, die von seiner Baustelle ausgehen, selbstverständlich von ihm behoben werden. Ein Beispiel ist ein Loch in der Wand, dass vor dem Auffüllen von Hohlräumen entstanden war. Schwierig ist dies allerdings vor dem Hintergrund, dass vor Beginn der Bauarbeiten keine Aufnahme von Vorschäden stattgefunden hat.

Statiker den Zutritt verwehrt

Dirk Krüger sagt: „Eine solche Untersuchung hätten wir ja gern vorgenommen. Aber der Statiker hat keinen Zutritt zu den Wohnungen im Nachbarhaus erhalten.“ Inge Brunzel widerspricht: Dirk Krüger habe abgelehnt, gemeinsam einen Gutachter aus der IHK-Liste zu benennen. „Die Verhandlung dazu lief telefonisch mit meinem Bruder Erhard Brunzel.“