Magdeburg l Wo heute in Magdeburg die Polizeiinspektion ihren Sitz hat und Kioske und Bars das Straßenbild bestimmen, liegt 2,50 Meter in der Tiefe, bloß eine Hand breit unter einem Abwasserrohr, der wohl älteste Friedhof der Stadt Magdeburg. Die Ruhestätten aus dem Jahr 1600 v. Chr., der Bronzezeit, wurden jetzt bei archäologischen Ausgrabungen auf der Baustelle des Polizeiinspektionsgeländes entdeckt. „Da waren wir als Polizei echt mal nichtsahnend. Es ist auf jeden Fall die spannendste Spurensicherung“, sagt Polizeihauptkommissar Jens Isensee.

Ende September 2019 werden auf der Baustelle wieder Ver- und Entsorgungsleitungen verlegt. Bis dahin ist die Lehmgrube der Arbeitsplatz von Dr. Gösta Ditmar-Trauth, dem Grabungsleiter und somit dem „Indiana Jones“ von Magdeburg. Fünf nahezu vollständige Skelette hat er bis jetzt gefunden – in herausragendem Zustand: vier Frauen und ein Mann.

Skelett eines Babys zu erahnen

Bei einer der Frauen, die um die 20 Jahre alt gewesen sein muss, wurde danebenliegend sogar ein sogenannter Leichenschatten und Knochenflitter nachgewiesen, die das Skelett eines Babys erahnen lassen. Die Damen wurden mit ihrem Haar- und Ohrschmuck aus Bronze begraben, der auch die Jahrtausende überdauerte und gut zu erkennen ist.

Besondere Aufmerksamkeit erregt allerdings der Mann: „Er war fast zwei Meter groß, um die 40 Jahre alt, mit starkem Knochenbau und bester Gesundheit“, sagt Grabungsleiter Ditmar-Trauth. „Sein Gebiss ist spektakulärer Weise noch vollständig, aber es zeigt, dass er qualvoll an einer Zahnwurzelentzündung gestorben sein muss.“ 

Magdeburg ist Paradies für Archäologen

Die Größe des Mannes ist nicht ungewöhnlich für die Frühbronzezeit. „Das war eine Blütezeit, in der mit bis zu zwei Metern Körpergröße die Riesen von Sachsen-Anhalt gelebt haben“. Erst danach wurden sie durch schlechtere Ernährung wieder kleinwüchsiger. Magdeburg gilt für den Archäologen als Paradies: „Ich bin mir sicher, dass in der ganzen Stadt noch viel auszugraben ist.“