Magdeburg l Am Barleber See gilt seit Mittwoch Badeverbot. Bis auf weiteres darf niemand in den See. Insbesondere für Kinder könnte es sonst gefährlich werden. In dem See wurden Blaualgen entdeckt. Und diesmal handelt es sich dabei um eine besonders gefährliche Art – die sogenannte Anabaena flos-aquae. Das Landesamt für Verbraucherschutz hatte infolge einer Wasserprobe die Algen, genau genommen die Cyanobakterien, entdeckt.

Am Mittwoch waren dann alle Verantwortlichen vor Ort, Vertreter des Landesamtes für Verbraucherschutz sowie des Gesundheitsamtes und des Fachbereiches Sport. „Die Sichttiefe im See war sehr gering“, sagt Stadtsprecher Michael Reif. Alle Beteiligten seien sich schnell einig gewesen, dass ein Badeverbot die einzige Option ist – um Gefahren abzuwenden. Denn: Die gefundene Blaualgenart sei dafür bekannt, dass sie Luftstickstoff zur Photosynthese nutzen und ein Gift produzieren kann.

Hautreizung und Muskelkrämpfe

Stadtsprecher Reif zählt auf Nachfrage die möglichen Folgen auf: Hautreizung, allergische Reaktionen, Muskelzittern, Atembeschwerden und Muskelkrämpfe. Besonders gefährlich können die Algen für Kinder werden. „Die Auswirkungen sind unter anderem vom Körpergewicht abhängig“, erklärt Michael Reif. Je leichter, desto bedrohlicher die jeweilige Konzentration.

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Nach der Entscheidung am Mittwoch wurden sofort die Badegäste gebeten, das Wasser zu verlassen. Michael Reif: „Es haben alle verständnisvoll reagiert.“ Überall im Bereich des Strandbads wird jetzt auf das Verbot hingewiesen, Mitarbeiter werden weiter vor Ort sein und Auskunft erteilen.

Gefahr auch für Hunde

Blaualgen sollen nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere gefährlich sein. Im Internet zumindest wird vor dem Verschlucken der Alge gewarnt. Klaus Kutschmann, Präsident der Tierärztekammer Sachsen-Anhalt: „In meiner jahrzehntelangen Praxis als Tierarzt sind mir solche Fälle zwar nicht bekannt. Ich empfehle aber, Hunde am Barleber und anderen gefährdeten Seen nur an der Leine auszuführen, so dass sie nicht das Wasser trinken. Man sollte bei der Hitze lieber sauberes Wasser mitnehmen und dem Hund unterwegs geben.“

Für die Fische im See spielen die Blaualgen keine Rolle. „Uns ist bisher nicht bekannt, dass die Blaualgen Auswirkungen auf die Fischwelt haben“, so Harald Rohr, Vorsitzender des Anglervereins Magdeburg, der den Barleber See als Angelgewässer gepachtet hat. Zugleich kündigte er an: „Wir stehen aber zu unserem Wort, im Rahmen unserer Möglichkeiten dazu beizutragen, dem See zu helfen.“

Zu viel Phosphor

Seit Monaten steht bereits fest: Das Gewässer ist umgekippt. Schuld ist die hohe Phosphorkonzentration, die das Algenwachstum begünstigt. Im kommenden Jahr ist deswegen im Barleber See eine Restaurierung geplant. Wie bereits vor 30 Jahren sollen Aluminiumsalze im See verteilt werden, um den Phosphor zu binden.

Auch im Neustädter See wurden in diesem Jahr bereits Blaualgen gefunden. Aktuell gilt dort Warnstufe 1. Das heißt: Um erhöhte Aufmerksamkeit wird gebeten und die Gäste sollen sich nach dem Bad abduschen. Erst ab Warnstufe 3 wird ein Badeverbot ausgesprochen.