Magdeburg l Wieder ist in Magdeburg ein stattlicher Baum gefällt worden. Wieder ist es der Trassenbau der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) für die zweite Nord-Süd-Verbindung, der die Grundlage für die Fällung legte. Eine kleine Demonstration gab es trotzdem, initiiert von der Partei Bündnis 90/Die Grünen.

Bärbel Sakowski ist zugezogene Buckauerin, kannte die Platane vor den Messma-Lofts aber schon seit Jahrzehnten und bedauert, dass die Planungen nicht um das Großgrün der Stadt Magdeburg herumführen, sondern immer wieder Bäume neuen Bauvorhaben geopfert werden. „Unsere Sorge ist, dass noch mehr Bäume entlang der Warschauer Straße gefällt werden“, sagte sie am Rande der Demonstration, an der am 25. Februar 2019 etwa 15 Leute teilnahmen.

Magdeburger wollten Fällung verhindern

Am liebsten hätten die Protestler die Fällung noch abgewendet, aber das war nicht möglich. Schließlich haben die Bauarbeiten in dem Bereich kürzlich begonnen. Dennoch fordert Mitinitiator und Stadtrat Jürgen Canehl, dass die Planungen geändert werden müssten. Gefordert wurde aber auch, dass grundsätzlich besser über geplante Fällungen informiert werde, sagt Jürgen Canehl.

Neben der Platane sollen noch vier weitere Bäume gefällt werden. Eine andere Bürgerin sagte, sie würde gern mal wissen, in wie vielen Fällen das Umweltamt eine Fällung abgelehnt habe. Ihrem Eindruck nach würden Genehmigungen viel zu schnell erteilt, sagte Kerstin Schepel, die die zahlreichen Baumfällungen im Grundsatz kritisiert.

Baumfällung war lange geplant

Auch die Magdeburger Verkehrsbetriebe bezogen am Montag Stellung: „Es ist nicht richtig, dass die Baumfällungen an der Schönebecker Straße und in der Warschauer Straße aus heiterem Himmel kommen“, erklärte Pressesprecher Tim Stein. Die Fällungen der Platane vor den Messma-Lofts und der vier Linden in Höhe des Autohauses Engelmann seien bereits Teil der Unterlagen des Planfeststellungsverfahrens und somit seit mindestens 2015 bekannt. „Daher können wir den Aussagen der Grünen nicht folgen“, sagte Stein.

Der Erhalt der beidseitigen Baumreihen in der Warschauer Straße habe weiterhin Bestand. Tim Stein: „Wir werden zudem im Anschluss an die Bauarbeiten 112 Bäume als Ersatz für die gefällten Bäume vor Ort pflanzen.“ Er erinnert auch daran, dass die Stadt die Magdeburger Verkehrsbetriebe mit dem Netzausbau beauftragt habe – Stadtratsbeschluss inklusive.

War Protest nur Wahlkampfmanöver?

„Für uns ist es daher unverständlich, dass man einerseits einen Netzausbau der Straßenbahn und damit die Förderung des öffentlichen Verkehrs fordert, aber nun bei den beginnenden Baumaßnahmen und den damit kurzzeitig verbundenen negativen Einschränkungen eine Protestaktion abhält“, sagte Stein. Aus Sicht der Verkehrsbetriebe sei die Aktion als Wahlkampfmanöver einzuordnen, so Stein. Im Mai 2019 wird in Magdeburg ein neuer Stadtrat gewählt.

Er schlüsselte zudem auf, wie viele Bäume die Verkehrsbetriebe bereits neu gepflanzt hätten – und zwar nicht nur im Außenbereich, sondern auch entlang neu entstandener Trassen: 650 entlang der Leipziger Straße, 73 bis nach Reform, 41  entlang der Wiener Straße. Und weitere werden folgen: So sind im Neustädter Feld, im Kannenstieg und an der Warschauer Straße mehr als 740  Neupflanzungen geplant.