Magdeburg l 18 Meter hoch, stattlicher Stamm, volle Krone – nein, krank sah der bereits Anfang Januar 2020 gefällte Silberahorn in der Goethestraße auf den ersten Blick nicht aus. Es bedurfte schon der geübten Augen eines Baumexperten, um die Spuren des heimtückischen Befalls auszumachen. Nicht der Asiatische Laubholzbockkäfer war dem Stadtfelder Baum zu Leibe gerückt, sondern der nicht minder gefährliche Brandkrustenpilz. Beiden ist jedoch gemein: Sie verrichten ihr zerstörerisches Werk im Inneren des Baumes und sind daher nur schwer von außen zu erkennen.

„Durch die Herabsetzung der Stand- bzw. Bruchsicherheit zählt der Brandkrustenpilz zu den gefährlichsten holzabbauenden Pilzarten“, beschreibt das Julius-Kühn-Institut, das bundesweit federführend in allen Pflanzenfragen ist. Durch Verletzungen an Wurzeln oder Stamm gelangen seine Sporen in das Bauminnere.

Pilz zersetzt das Holz

Dort breitet sich der Pilz mal mehr, mal weniger schnell aus und zersetzt das Holz. Durch den Abbau von Zellulose in den Zellwänden verliert der Baum nach und nach seine Standfestigkeit. „Er verursacht eine Moderfäule, wodurch das Holz brüchig wird“, erklärt Rathaussprecherin Kerstin Kinszorra auf Volksstimme-Anfrage.

Erkannt werden kann der Pilz im Frühjahr durch helle Fruchtkörper im Stammbereich. Später bildet sich zudem eine schwarze Kruste, die an Holzkohle erinnert und auf Druck mit einem Knacken zerbricht. Sie hat dem Pilz seinen Namen eingebracht.

Auch am Silberahorn in Höhe des Hotels „Geheimer Rat“, Baum Nummer 91, wurden diese Merkmale festgestellt. Und zwar in einem solchen Ausmaß, dass sich die Magdeburger Stadtverwaltung zum Handeln veranlasst sah. „Aufgrund der Ausbreitung ist die Stand- und Bruchsicherheit des Baumes nicht mehr gewährleistet“, begründet Kerstin Kinszorra die Fällmaßnahme. Bereits im Juni 2019 war die Dokumentation der Schäden vom Stadtgartenbetrieb veröffentlicht worden.

Weitere Fällungen werden notwendig

Nachdem nun der Silberahorn gefällt werden musste, bleibt die bange Frage: Sind auch die anderen Bäume entlang der Schrote gefährdet oder gar befallen? Droht eine baumlose Goethestraße wie beim Käferbefall in Rothensee, wo vorsorglich bereits Tausende Bäume gefällt wurden? Immerhin gehen Forscher davon aus, dass sich der Brandkrustenpilz auch über Wurzelkontakt verbreitet.

„Die Gefahr einer baumlosen Schrote besteht trotz weiterer notwendiger Fällungen nicht“, versichert die Stadtsprecherin. Denn neben dem Silberahorn wurden und werden weitere Bäume aus unterschiedlichen Gründen gefällt. Unter anderem hatte die Trockenheit im vergangenen Sommer dem Altbaumbestand zugesetzt. Der Befall durch Schadinsekten, Pilze oder Viren werde dadurch gefördert, gerade bei den sehr alten Bäumen.

Aber: Zwischen 2001 bis 2019 wurden über 70 Bäume in der Goethe- bzw. Schroteanlage nachgepflanzt. „Jeder durch Baumfällung freie Standort wird auf die Umsetzung einer Neupflanzung durch den Stadtgartenbetrieb zeitnah geprüft“, sagt Kerstin Kinszorra. Spricht nichts dagegen, kommt dort ein neuer Baum hin, so auch im Fall des Silberahorns.