Magdeburg l Kleine Abkühlung am 11. Juni 2020 über der Magdeburger Tunnelbaustelle: Neben der Einfahrt am Zentralen Omnibusbahnhof steht eine Wasserfontäne in der Luft. Konrad Mühler hatte sein Smartphone dabei und dokumentierte um 15.34 Uhr das Geschehen. Er kommentierte via Twitter: „Die neueste Attraktion zur Aufpeppung des Tunnel am Damaschkeplatz.“ Wie er im Gespräch mit der Volksstimme berichtet, war das Schauspiel aber schon kurze Zeit später wieder vorbei.

Hydrant gibt Wasser frei

Wie Franziska Ducklaus, zuständig bei der Stadtverwaltung für die Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Tunnelbau, auf Nachfrage der Volksstimme berichtet, war die Ursache eher harmloser Natur: „Im Tunnel laufen derzeit Betonarbeiten, für die Wasser benötigt wird.“ Einer der Hydranten, über die das Wasser für die Baustelle zur Verfügung gestellt wird, war nicht richtig befestigt und hatte sich unter dem Druck des Wassers so gelöst. Aufgrund des hohen Wasserdrucks war für kurze Zeit eine Wasserfontäne entstanden.

Kurze Zeit später war – wie auch von Konrad Mühler beobachtet, der Spuk wieder vorbei. Nennenswerte Schäden hat das Wasser nicht verursacht.

Beton für Tunnelsohle

Was es mit der Betonage im Tunnel auf sich hat, hatte am Tage zuvor Christian Fuß in einer Sitzung des Finanz- und Grundstücksausschusses des Magdeburger Stadtrats berichtete. Christian Fuß leitet seitens der Magdeburger Stadtverwaltung das Tunnelprojekt und sagte: „Die ersten drei Abschnitte der Tunnelsohle wurden in dieser Woche betoniert.“ Dies sei im wahrsten Sinne des Wortes ein Meilenstein für das Großvorhaben, das den Autoverkehr zwischen Damaschkeplatz und Otto-von-Guericke-Straße aufnehmen soll.

Bei der Tunnelsohle handelt es sich um jene Schicht unter der später noch zu bauenden Fahrbahn, die die Lasten der Fahrzeuge tragen kann. Anders als die zuvor eingebrachte Sauberkeits- und die Dränageschicht besteht sie aus belastungsfähigem Stahlbeton. Sie sorgt – neben den Tunnelwänden aus Stahlbetonpfählen und den Tunneldecken – auch für weitere Stabilität des gesamten Tunnelbauwerks.

Zweiter Teil der Röhre fehlt

Betoniert werden kann verständlicherweise erst dort, wo überhaupt eine Tunnelröhre vorhanden ist. Das ist zwischen dem Kölner Platz und dem Damaschkeplatz der Fall. Der Aushub der Erdmassen zwischen den Tunnelportalen auf der Innenstadtseite und dem Kölner Platz soll in den kommenden Wochen beginnen. Getrennt sind die beiden Teile der Baustelle durch eine Spundwand.

Einen weiteren Meilenstein wird es in der kommenden Woche geben – wenn nämlich die Montage der Straßenbahngleise zwischen Hauptbahnhof und City Carré beginnt. Hier, so Christian Fuß, werde ebenso wie an den Anschlüssen durch die Magdeburger Verkehrsbetriebe, mit Hochdruck daran gearbeitet, die Bauarbeiten bis Ende August abgeschlossen zu haben.

Arbeit an Straßenbahnstrecke

Grund für die Eile: Am 27. August sollen die Magdeburger Verkehrsbetriebe hier wieder den Betrieb aufnehmen. Drei Straßenbahnlinien sollen hier zunächst rollen. Sie werden, da der Abschnitt zwischen Einmündung Brandenburger Straße auf die Ernst-Reuter-Allee und Otto-von-Guericke-Straße noch nicht fertig ist, zuerst über den Willy-Brandt-Platz und durch die Hasselbachstraße fahren und dabei vor dem Hauptbahnhof halten.

Voraussetzung dafür, dass die Gleise auf das Gleisdreieck zwischen City Carré und Hauptbahnhof montiert werden können, war, dass die Betondecke in diesem Bereich in den vergangenen Wochen seine Schutzschicht und seine Abdichtung erhalten hat.

Sportlicher Zeitplan für Gleisbau

Auf Nachfrage von Gartenpartei-Stadtrat Roland Zander nannte Christian Fuß im Finanzausschuss den Zeitplan sportlich – neben den eigentlichen Bauarbeiten an den Gleisen müssten auch die technische Ausstattung, der Bau der Oberleitungen, die Tests und die Abnahme und Freigabe erfolgen. „Alle Beteiligten arbeiten den Terminplan intensiv und sorgfältig ab“, sagte der Projektleiter.

CDU-Stadtrat Reinhard Stern kritisierte, dass in den ersten Bereichen an den Aufgängen zu den Bahnsteigen bereits Schmierereien zu sehen seien. Dies, so Christian Fuß, liege aber im Zuständigkeitsbereich der Deutschen Bahn.

Wettbewerb zu Kunst am Bau

Zur Gestaltung von Bereichen der Wand direkt unterhalb der Eisenbahnbrücken läuft derzeit ein zweitstufiger Gestaltungswettbewerb. Zunächst sollen bis 29. Juli Ideen für die Fläche von rund 400 Quadratmetern entwickelt werden, die in einer Bürgerbeteiligung diskutiert werden sollen. Im Anschluss sollen die Pläne konkretisiert und für eine Jury ausgearbeitet werden. Neben Preisgeldern auch für Platzierte stehen bis zu 112.000 Euro für die Umsetzung des Siegerentwurfs fest. Im Internet gibt es die Ausschreibung zum Wettbewerb.

Weitere Beiträge zum Tunnnelbau Magdeburg gibt es in einem Dossier.