Magdeburg l Was passiert eigentlich aktuell auf Magdeburgs größter Baustelle? Und wie kommen die Arbeiter voran? Die Neugierde trieb Dutzende Menschen am 12. Oktober 2019 zur Tunnelbaustelle neben dem Hauptbahnhof.

Große Nachfrage für Baustellen-Führung

Seit mehreren Jahren schon beschäftigt das Großprojekt die Bewohner der Stadt Magdeburg. Erstmals bot diese nun eine öffentliche Führung an. „Und die Nachfrage war riesengroß“, wie Franziska Ducklaus von der Projektgruppe gegenüber der Volksstimme bestätigte. Die zwölf Termine im halbstündigen Takt für jeweils bis zu zwölf Personen waren nach Bekanntgabe der Führung innerhalb von wenigen Stunden restlos ausgebucht. Überraschend war das nicht. „Uns war schon klar, dass das Interesse bei den Bürgern da ist“, so Ducklaus. Bis dato durften immer nur angemeldete Studentengruppen, Vereine oder Ingenieure die Baustelle besichtigen.

Die Gunst der Stunde nutzte unter anderem das Ehepaar Tuchen aus Diesdorf. „Mal sehen, wie es unter Tage aussieht“, sagte Elke Tuchen in Vorfreude, „sonst schauen wir uns die Baustelle immer nur von Gleis 6 aus an. Da hat man einen ganz guten Überblick.“

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Nur kleiner Teil der Baustelle zu sehen

Unter Tage ging es dann auch, allerdings nicht sehr weit. Einzige Stelle, die besichtigt werden konnte, war die künftige Einfahrt zum City Carré von der Ernst-Reuter-Allee aus, die derzeit noch verschlossen ist. In allen anderen Bereichen war es für Besucher noch zu gefährlich oder ein Zugang schlichtweg nicht möglich.

Zu sehen gab es vor allem viel Beton. Rund 23.000 Kubikmeter Stahlbeton werden am Ende allein in der untersten Ebene verbaut sein. Autofahrer werden diesen später an den Wänden im Tunnel zu sehen bekommen. „Viel Platz für Graffiti-Schmierereien“, befürchtete ein Magdeburger während der Führung und setzte sich sogleich für einen Lösungsvorschlag ein. „Könnten die Wände nicht einen schützenden Anstrich bekommen?“, fragte er. Projektleiter Christian Fuß, der vor dem Rundgang im Info-Container über das Großprojekt informierte, erklärte: „Die Klinkersteine, die außerhalb des Tunnels an die Wände kommen, werden einen Schutzanstrich erhalten.“ Das reicht dem Magdeburger jedoch nicht. Er warb dafür, auch die Tunnelwände selbst in besonderer Weise vor illegalen Graffiti zu schützen.

Keine Rauchabzüge im Tunnel Magdeburg

Zu sehen gab es neben Wänden und Pfeilern auch verschiedene Rohre, die an der Tunneldecke verlaufen. „Die werden auch später sichtbar bleiben“, erklärte Jan Möller von der Projektgruppe, der über die Baustelle führte. Zustimmendes Kopfnicken bei den Besuchern. Nur Rauchabzüge wird es nicht zu sehen geben. Die sind nämlich gar nicht eingeplant. „Es gab viele Diskussionen, auch mit der Feuerwehr dazu“, erklärte Jan Möller. Am Ende habe man sich gegen einen Abzug und gegen Ventilatoren entschieden. Ein Abzug habe die Wirkung eines Kamins und würde einen möglichen Brand nur weiter entfachen, erklärte er den interessierten Besuchern.

Neugierig über den Baufortschritt zeigte sich auch Wolfgang Neumann aus Reform. Als gelernter Gas-Wasser-Installateur verfolge er im Internet akribisch die Bauarbeiten – und ärgere sich, wenn es mal wieder nicht vorangeht. Oder zumindest den Anschein hat. Nun, dank der Führung, „kann ich den Bau jetzt besser nachvollziehen“, meinte er im Anschluss zufrieden.

Magdeburger wollen mehr über Baustelle wissen

Auch das Ehepaar Tuchen zeigte sich am Ende beeindruckt. „Interessant, wie viel Beton und Stahl verbaut wird und wie viel Arbeit in diesem Tunnel steckt“, meinte Elke Tuchen. Eine öffentliche Führung wie diese finde sie bei Langzeitbaustellen wichtig, damit auch die Bürger besser nachvollziehen können, was dort alles passiert.

Öffentliche Führungen über die Tunnelbaustelle soll es auch in Zukunft wieder geben. „Dies war nur ein erster Test“, so Franziska Ducklaus. Und Christian Fuß: „Es wird nicht die einzige öffentliche Führung gewesen sein.“ Weitere Termine stehen allerdings noch nicht fest.

Mehr zum Tunnelbau in Magdeburg finden Sie hier in unserem Dossier.