Magdeburg l Eines ist schon jetzt klar: Dem Gesundheitsamt Magdeburg steht heute ein Großkampftag bevor. Die Kontaktpersonen der insgesamt acht neuen Corona-Infizierten müssen ermittelt und in Quarantäne geschickt werden.

Das allerdings gestaltet sich alles andere als einfach. Bei den Infizierten handelt es sich um Ausländer. Es gibt Sprachprobleme. Betroffen sind fünf rumänische, zwei britische und ein pakistanischer Staatsbürger. Bei allen sei die Corona-Infektion nachgewiesen, bestätigte am Abend Magdeburgs Amtsarzt Dr. Eike Hennig. Die Personen hatten sich entweder selbstständig oder auf Anraten ihres Hausarztes einem Corona-Test unterzogen.

Sprachprobleme müssen gelöst werden

Besonders schwierig gestaltet sich nun die Ermittlung der Kontaktpersonen. Dabei stoßen die Amtsmitarbeiter vor allem auf Sprachbarrieren. Sie sollen heute durch das Einschalten eines Dolmetschers gelöst werden. Wegen der Verständigungsschwierigkeiten und der relativ hohen Zahl an Neuinfektionen in kurzer Zeit konnten gestern noch nicht alle Hintergründe rund um die Corona-Infizierten geklärt werden.

Vorsichtshalber wurden zehn Kinder, die aus den betroffenen Familien stammen und mit ihren Eltern natürlich engen Kontakt hatten, noch gestern ebenfalls einem Corona-Test unterzogen. Die Ergebnisse werden für heute erwartet. „Sollten positive Fälle darunter sein, beginnt die lückenlose Nachverfolgung“, kündigte Amtsarzt Dr. Eike Hennig an. Es werde dann geprüft, ob und wann diese Kinder Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen und Kindergärten besucht haben und wie dort der Kontakt zu anderen Personen organisiert war. Daraus abgeleitet werde entschieden, welche Maßnahmen notwendig seien, hieß es aus dem Gesundheitsamt. Dort soll heute Mittag auf einer Sitzung das weitere Vorgehen in Abhängigkeit von den Test-ergebnissen festgelegt werden.

Schulschließungen sollen verhindert werden

Anders als im März, als bereits nach einem positiven Fall eines Schülers dessen Schule in Magdeburg komplett geschlossen wurde, werde dieses Mal ein differenziertes Handeln angestrebt. „Wir werden uns jeden Fall genau ansehen und dann entscheiden, was zu tun ist. Wir wollen keine pauschalen Konsequenzen, sondern immer eine passende und sichere Einzelfalllösung“, kündigte Eike Hennig an.

Zu den Details der Infektionen konnte der Amtsarzt noch keine genauen Angaben machen. Die Fälle seien sehr frisch und die Zeit für Recherche kurz gewesen. Man werde heute weiter ermitteln und versuchen, die Herkunft der Infektionen zu klären. Ob die Familien Auslandsrückkehrer waren oder von anderen Reisen nach Magdeburg kamen oder von Landsleuten Besuch hatten, war bis gestern Abend noch nicht klar.

Amtsarzt warnt vor Stigmatisierungen

Zugleich warnte Eike Hennig vor Stigmatisierungen wegen der Nationalitäten: „99 Prozent aller Corona-Infizierten in Magdeburg waren Deutsche“, sagte er. Zudem sei es vor dem Hintergrund der weiteren Lockerungen keine Überraschung, dass es mehr Infektionsfälle gebe. Das bringe die wieder einsetzende Reisetätigkeit einfach mit sich. Damit müsse man rechnen.