Magdeburg l Als im Juni 2013 die Elbe einen neuen Höchststand erreichte, standen Teile von Magdeburg-Rothensee unter Wasser. Auch der Betriebshof Nord – neben dem Depot in Westerhüsen die größte „Garage“ für die Straßenbahnen der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) – war damals nicht trocken geblieben. Die Trasse im Europaring musste deswegen tagelang als nächtliche Abstellfäche für Straßenbahnen herhalten. Das Wasser verschwand schließlich, die Schäden an den Anlagen und dem Gebäude blieben.

Schnell stand fest, dass sie so schwer waren, dass eine Sanierung nicht länger ausreichen würde. Denn die war zu dem Zeitpunkt ohnehin schon geplant gewesen, sagt MVB-Sprecher Tim Stein. „Da die Altanlagen zu sehr geschädigt wurden und keine dauerhafte Standsicherheit besitzen, müssen wir einen gänzlich neuen Betriebshof bauen“, erklärt er.

Um das zu ermöglichen, musste ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden, das jetzt kurz vor dem Abschluss steht. Der Beschluss liegt noch bis Freitag im Baudezernat aus. Gibt es im Anschluss nach einer einmonatigen Frist keine Klagen dagegen, kann gebaut werden.

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Mittel aus der Fluthilfe

Dann soll das Projekt 2021 beginnen. In mehreren Bauphasen soll es voraussichtlich bis 2026 umgesetzt werden. Aktuell betragen die Kosten für das Großprojekt gut 110 Millionen Euro. Circa 50 Millionen Euro sollen aus der Fluthilfe des Landes kommen. Im Januar soll es dazu einen Fördermittelbescheid geben.

„Der komplette Betriebshof wird dann zurückgebaut“, sagt Tim Stein. Dabei entstehe erstmals in Magdeburg eine Wagenabstellhalle mit integrierten Servicearbeiten sowie eine moderne Werkstatt zur Wartung und Instandhaltung der Fahrzeuge inklusive Hauptwerkstatt an einem Ort. „Weitere Funktionen, die heute noch an unseren Standorten in der Herrenkrugstraße und in Sudenburg beheimatet sind, werden integriert“, beschreibt er weiter.

Damit es bei einem möglichen neuen Elbehochwasser nicht wieder zur Havarie kommen kann, wird das gesamte Gelände um zwei Meter angehoben, so der Sprecher.

Außerdem errichten die MVB dort ihr neues Zentrallager, ein zentrales Gebäude für die Betriebshofsteuerung und den Fahrdienst sowie den neuen zentralen Abfallhof mit Trennsammelstelle, zählt er weiter auf.

Schließlich wird der neue Betriebshof an die neue Straßenbahngeneration angepasst, die sich derzeit in der Ausschreibung befindet. „Diese sind länger und breiter als unsere jetzigen Fahrzeuge“, erklärt Tim Stein. Aktuell sind in Nord 49 Niederflurfahrzeuge und sieben Tatra-Züge stationiert. Im Neubau werden 59 Niederflurzeuge beheimatet sein. In der Hauptwerkstatt wird zudem der gesamte Fuhrpark inklusive der historischen Bahnen (114 Einheiten) seine Anlaufstelle bei Reparaturen haben.

Trassenbau läuft parallel

Eine „enorme Herausforderung“ werde es sein, so Stein, dass der Bau bei laufendem Betrieb durchgeführt werden muss. Hinzu komme die Koordination mit der anderen geplanten Baumaßnahme in Rothensee. Ebenfalls als Folge des Hochwassers 2013 wird die Trasse auf dem August-Bebel-Damm komplett erneuert. Das Projekt sollt eigentlich schon im November starten. Weil es auf die Ausschreibung keine wirtschaftlichen Angebote gab, musste die MVB das Projekt erneut ausschreiben. Einen aktuellen Stand gibt es dazu nicht, so Tim Stein. Zu dieser Maßnahme gehört auch ein neues Gleisdreieck an der Einfahrt zum Betriebshof Nord. „Beide Maßnahmen werden uns parallel über mehrere Jahre begleiten“, kündigt er an.