Chronologie des Wartens auf den Brückenschlag

1970er Jahre: Schon zu DDR-Zeiten wird ein Neubau in Verlängerung der Strombrücke geplant. Allein es fehlt das Geld.

Dezember 1998: Alt-OB Willi Polte erwägt, dem Brückenbau den Vorzug vor dem Tunnel am Uniplatz zu geben. Dazu kommt es nicht.

April 2010: Der Stadtrat beschließt den Bau einer neuen Elbbrücke bis 2015; Kostenschätzung: 33 Mio. Euro.

Dezember 2011: Planungsstopp, der Bau einer Pfeiler-Brücke im geschützten Flora-Fauna-Habitat erweist sich als kritisch. Eine Pylonbrücke nennt OB Lutz Trümper „unbezahlbar“.

Oktober 2012: Stadtrat hält aus Kostengründen an der Pfeilervariante fest. Baustart 2017, Fertigstellung 2020 geplant.

Juni 2013: Der Elbpegel steigt auf historische 7,47 Meter; die Anna-Ebert-Brücke steht knapp vor Sperrung und wird enorm beschädigt. Der Neubau wird höher geplant und soll nun doch als Seilbrücke am Pylon schweben; Kostenschätzung: 60 Mio. Euro, Bauzeit 2018 bis 2021.

Dezember 2017: Der Stadtrat beschließt die Vergabe der Bauleistungen an Züblin/Strabag. Mit 85,9 Mio. Euro gaben sie das günstigste Gebot ab; Gesamtkosten mit 107 Mio. Euro beziffert.

Januar/Februar 2018: Der unterlegene Baukonzern Hochtief (Gebot 93 Mio. Euro) veranlasst ein Nachprüfungsverfahren bei der beim Bundeskartellamt in Bonn ansässigen Vergabekammer des Bundes.

April 2018: Die Kammer untersagt der Stadt die Vergabe an Züblin/Strabag wegen fehlender Referenzen. Hochtief soll nun doch zum Zug kommen.

Mai 2018: Züblin/Strabag lassen das nicht auf sich sitzen und ziehen gegen den Entscheid der Vergabekammer vor das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf.

Juni 2018: Bäume sind gerodet, das Erdreich ist nach Munition abgesucht – jetzt sollte der Brückenbau starten. Die Düsseldorfer Richter haben für 10. Oktober zur Anhörung eingeladen, ein Urteil wird am Ende 2018 erwartet.

September 2018: Das OLG Düsseldorf vertagt den Anhörungstermin zum Magdeburger Brückenbau aus internen Gründen um vier Monate auf den 13. Februar 2019.

Magdeburg/Düsseldorf l Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper und sein Baubeigeordneter Dieter Scheidemann antworten unabhängig voneinander auf die Volksstimme-Frage, welche Erwartungen sie an den Anhörungstermin zum Bieterstreit zum Bau der neuen Elbquerung in elf Tagen in Düsseldorf haben, im Wortlaut gleich: „Dass vor allem überhaupt eine Entscheidung fällt.“ Den Vorzug würden beide freilich einem Entscheid geben, der den Magdeburger Ratsentschluss legitimiert, also den damals anno 2017 wirtschaftlichsten Bieter zum Zuge kommen lässt.

Teuerung ist absolut sicher

Strabag/Züblin hatten damals mit ihrem 85,9-Millionen-Euro-Gebot für den neuen Brückenschlag parallel zu Zoll- und Anna-Ebert-Brücke das Rennen gemacht. Hochtief wollte ihn für 93 Millionen Euro errichten. Beide Gebote sind allerdings fast anderthalb Jahre als, so dass in Fachkreisen kein Mensch mehr damit rechnet, dass die Brücke heute noch zu den gleichen Konditionen zu haben sein wird. An ihre Gebote sind die Bieter nach der langen Wartezeit nicht mehr gebunden.

„Wer immer aus dem Streit als Sieger hervorgeht, mit dem werden wir in Nachverhandlungen treten müssen“, sind sich Trümper und Scheidemann wiederum einig. Trümper verweist auf ein Gleisbauprojekt in Magdeburg, für das Planer vor einem Jahr eine Kostenschätzung vorlegten: „Jetzt wird es zu hundert Prozent teurer.“

Ausschreibung könnte gekippt werden

„Immerhin sehen wir der Entscheidung mit einem besenreinen Baufeld entgegen“, sagt Scheidemann in der Hoffnung auf einen dennoch zügigen Baustart nach dem hoffentlich zügigen Gerichtsentscheid. Heute können Scheidemann und Trümper allerdings nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob am Ende die ganze Ausschreibung gekippt wird. Dann geht die ganze Chose von vorne los, „und billiger wird‘s dann mit Sicherheit nicht“, sagt Trümper.

Aktuell ruhen die Hoffnungen im Rathaus auf einem Baustart mit ziemlich genau einem Jahr Zeitverzug, also im Sommer 2019. Frühestens 2022 dürfte dann mit der Fertigstellung zu rechnen sein. Was am Ende unter der Brückenrechnung steht, kann aktuell niemand abschätzen.

Anna-Ebert-Brücke wird saniert

Parallel zum Bieterstreit und dem begleitenden Stillstand auf dem Baufeld nebenan, laufen die Arbeiten zur Sicherung und Sanierung der zuvor maroden Anna-Ebert-Brücke. Sie muss standhalten, bis die neue Brücke steht. Der Baubeigeordnete Scheidemann ist gewiss, dass sie es tut und ihr auch ein mittleres Frühjahrshochwasser nichts mehr anhaben kann: „So weit sind die Arbeiten schon fortgeschritten, dass man das sagen kann.“