Magdeburg/Hohenwarthe l Kurz hinter der Doppelsparschleuse ist für einen Schubverband unter deutscher Flagge zunächst einmal die Fahrt zu Ende. Aus der Leitzentrale der Schleuse hat der Kapitän die Anweisung bekommen, festzumachen. Kontrolle. Mehrere Einsatzkräfte der Hauptzollämter Magdeburg und Hannover warten darauf, an Bord gehen zu können. Die Männer und Frauen in den blauen Uniformen mit schusssicherer Weste und Schwimmweste sind von der Kontrolleinheit Verkehrswege und von der Finanzkontrolle Schwarzarbeit.  

Das Schiff und die Papiere nehmen die Beamten ganz genau unter die Lupe. Für sie gibt es eine Menge zu kontrollieren. Was hat das Schiff geladen, sind alle Papiere in Ordnung, wird für die drei polnischen Besatzungsmitglieder der Mindestlohn eingehalten? Es geht aber auch darum, ob an Bord irgendwelche Waren sind, die nicht ordnungsgemäß versteuert sind, oder ob Schiffseigner oder Crew eventuell ausstehende Steuern haben. Kontrollen sind zeitintensiv An Bord sehen sich die Frauen und Männer vom Zoll sehr genau um. Schließlich gibt es hier auch eine Menge möglicher Verstecke. Akribisch wird alles überprüft. Nach einer Weile kann der Kapitän seine Fahrt fortsetzen. Für die Beamten des Zolls ist die Arbeit damit aber längst nicht beendet. Später im Amt werden sie alle Angaben überprüfen und bei festgestellten Verstößen die entsprechenden Maßnahmen in die Wege leiten. Alles kann nicht vor Ort geklärt werden, sagt Annica Wieblitz, die Pressesprecherin des Hauptzollamtes Magdeburg. Deshalb wird auch noch etwas Zeit vergehen, bis klar ist, ob alles in Ordnung war. 

Zwei bis drei Mal im Jahr führt das Hauptzollamt Magdeburg solche großangelegten Kontrollen der Binnenschifffahrt durch. Dazu bekommen sie Verstärkung von den Kollegen aus Hannover. Denn die Kontrollen sind aufwendig und zeitintensiv – und auf dem Kanal herrscht reger Betrieb. 15 bis 20 Einsatzkräfte sind für so eine Kontrolle nötig. Hinzu kommt die Zeit für die Nacharbeit. 

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Verstöße auf Verkehrswegen

Weit öfter im Jahr überprüft die Kontrolleinheit Verkehrswege Lkw, Kleintransporter, Autos und Reisezüge. Allein 2018 wurden 2760 Lkw und Kleintransporter, 1299 Pkw, 200 Busse, 28 Reisezüge sowie insgesamt 8791 Personen kontrolliert. Dabei wurden beispielsweise Verstöße gegen das Energiesteuergesetz (Heizöl statt Diesel getankt), das Betäubungsmittelgesetz oder das Waffen- und Umsatzsteuergesetz festgestellt. Vergnügte Reisegruppe verfolgt das Treiben Während der polnische Kapitän wieder ablegt, haben sich die Kontrolleure bereits einen Sportbootkapitän herausgepickt. Bei ihm wird unter anderem kontrolliert, ob er tatsächlich Diesel oder verbotenerweise billigeres Heizöl getankt hat. Der Skipper hat aber nichts zu befürchten, es ist alles in Ordnung. 

Oberhalb der Schleuse „erwischt“ es jetzt ein Fahrgastschiff. Auch hier wollen die Kontrolleure prüfen, ob die Papiere der Besatzung in Ordnung sind, sich der Eigner an die gesetzlichen Vorgaben hält.  An Bord ist gerade eine Reisegruppe aus Recklinghausen im Ruhrgebiet. „Wir sind die Reisegruppe ,Um 60‘ – aber 60 ist hier keiner mehr von uns“, rufen die vergnügten Ruheständler zum Kai herüber und lachen. Ihr mehrstündiger Ausflug hat nun eine ungewohnte Änderung erfahren. Ganz interessiert verfolgen sie das Kontrollgeschehen. Dass ihr Ausflug sich damit in die Länge zieht, ist offenbar kein Problem für sie. Supernase Dasty findet die Verstecke Besonders angetan hat es ihnen Rauschgiftspürhund Dasty. Der dreieinhalbjährige Rüde von Zollamtsinspektor Dirk Waldheim ist ein sogenannter passiver Rauschgiftspürhund. Das heißt, er ist gerade für die Suche nach Rauschgift an Personen sehr gut geeignet. Er ist friedlich und zeigt ganz ruhig seinem „Chef“ an, wenn er etwas entdeckt hat. 

Die lustige Reisegruppe will unbedingt mehr über Dasty wissen und sehen, wie er arbeitet. Dirk Waldheim nutzt das, um eine Übung für Dasty zu inszenieren. Zwei der Damen an Bord bekommen jeweils ein Päckchen in Handtasche und Rucksack. Die soll Dasty finden. Während der Spürhund durch die Reihen der Reisegruppe läuft, zücken die Touristen ihre Handys und Fotoapparate. So etwas haben sie auch noch nicht erlebt, das muss für die Lieben zu Hause unbedingt im Bild festgehalten werden. Innerhalb kürzester Zeit hat Dasty die beiden „Schmugglerinnen“ ausfindig gemacht und gibt seinem Herrchen Signal. Der Test ist bestanden. 

Die Kontrolle des Fahrgastschiffs ist beendet, die Gruppe, die noch bis zum Wochenende Magdeburg und Umgebung erkundet, kann ihre Fahrt fortsetzen. Fröhlich winken sie den Kontrolleuren zum Abschied zu. Die haben sich bereits die nächsten Sportboote vorgenommen. Später kommen noch drei Schubverbände hinzu, die auch kontrolliert werden. Von deren Besatzung jedoch winkt keiner freundlich den Zollbeamten zu.