Magdeburg l Der Zeitplan ist eng, den sich die Stadtverwaltung Magdeburg für die Sanierung des Barleber Sees gesetzt hat. Um den erklärten Bürgerwunsch eines algenfreien Sees zur Badesaison 2019 erfüllen zu können, sollen in den nächsten Monaten alle notwendigen Maßnahmen schnellstmöglich in die Wege geleitet werden.

Seit dem Sommer 2016 wird der Barleber See verstärkt von Blaualgen heimgesucht. 2018 musste aufgrund der Plage an 17 Tagen ein Badeverbot ausgesprochen werden. Grund für das starke Wachstum der Cyanobakterien ist der extrem erhöhte Phosphorgehalt, der ihnen als Nährstoff dient. Nach umfangreichen Untersuchungen sind sich die Experten einig, dass der Phosphor größtenteils aus dem am Grund lagernden Sediment gelöst wird.

Aluminiumsulfat entfernt Phosphor

Um das künftig zu verhindern, soll eine nur millimeterdicke Schutzschicht aus Aluminiumsulfat über den Seegrund gelegt werden. Das Verfahren wurde bereits 1986 mit Erfolg angewandt – hielt aber offensichtlich „nur“ 30 Jahre. Bei der Wiederholung soll deshalb nun die ausgebrachte Menge des Salzes verdoppelt werden. Das Aluminiumsulfat bildet dabei nicht nur die Deckschicht ähnlich eines Klebstoffs, sondern entfernt auch das bereits im Wasser gelöste Phosphor.

Der beauftragte Fachmann Prof. Dr. Olaf Mietz hat eine Menge von 1000 Tonnen ausgerechnet, die ab Mitte März in den See ausgebracht werden sollen. Zur Sicherheit sind im Herbst weitere 250 Tonnen geplant.

Nur 15 Tonnen Salz pro Tag

Um den Säuregehalt des Sees nicht zu stark zu verändern, können pro Tag nur maximal 15 Tonnen des Aluminiumsulfats eingebracht werden. Dazu fährt ein Boot sehr langsam in festgelegten Bahnen über die Oberfläche und sprüht das Mittel ins Wasser. 67 Tage sind somit bei geplanten Einsatzfahrten von Montag bis Sonnabend notwendig, um die gesamte Menge in den See zu bringen.

Kann der Zeitplan gehalten werden, wäre die Seetherapie bis Juni 2019 vorerst abgeschlossen. Voraussetzungen dafür sind der Beschluss des Stadtrates für diesen Plan, die Genehmigung der Unteren Wasserbehörde sowie ein Fördermittelbescheid vom Land Sachsen-Anhalt. 33.000 Euro für die Voruntersuchungen waren bereits bewilligt worden. Ob auch die Kosten für die eigentliche Restaurierung bis zu 90 Prozent übernommen werden, ist laut Verwaltung aber ungewiss. Insgesamt soll die Sanierung des Barleber Sees über 1 Million Euro kosten.

Keine Gesundheitsgefahr

Dass zum zweiten Mal eine Phosphorfällung (Einbringen des Sulfats) in einem See vorgenommen wird, sei auch für ihn ein Novum, räumt der Gewässerexperte Mietz in seinem Gutachten ein. Ebenso stellte die Größe des Sees mit über 100 Hektar eine Herausforderung bei der Berechnung der Menge dar. Das Ausbringen des Aluminiumsalzes wird als gesundheitlich unbedenklich betrachtet. So wird es u. a. auch in Kläranlagen und Trinkwassertalsperren eingesetzt.