Magdeburg l Die gute Nachricht: Wer gelegentlich mit einem Einzelfahrschein oder einer Tageskarte unterwegs ist, muss für Bus und Bahn in Magdeburg ab 1. August 2019 nicht mehr bezahlen als bisher. Alle anderen aber müssen tiefer in die Tasche greifen. Wer bis einschließlich 31. Juli 2019 noch ein entsprechendes Ticket kauft, kann es bis zu dessen regulärem letzten Gültigkeitstag uneingeschränkt nutzen – selbst wenn inzwischen der Preis gestiegen ist. Für die Kunden der Abo-Angebote werden die höheren Fahrpreise mit dem nächsten Zahlungsintervall wirksam.

Kritik an höheren Preisen

Bei den Fahrgästen stoßen die Preiserhöhungen naturgemäß nicht auf Begeisterung. Volksstimme-Leser hatten bereits beim Bekanntwerden der Details darauf hingewiesen, dass angesichts der Probleme rund um eine Vielzahl von Baustellen in Magdeburg ein Verzicht auf Preiserhöhungen ein versöhnliches, die Senkung von Preisen gar ein zukunftsweisendes Zeichen gewesen wäre.

Der Fahrgastverband hatte sich wie folgt zu Wort gemeldet: „Alle Jahre wieder werden die Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs in Magdeburg zum August 2019 mit Preiserhöhungen beglückt. Es ist zu einem ungeliebten Automatismus wie schon 2018, 2017, 2016 und davor geworden und wird anscheinend von den Verantwortlichen in der Landeshauptstadt gar nicht mehr hinterfragt.“

ÖPNV ist ein Zuschussgeschäft

Klar ist allerdings auch: Trotz der steigenden Ticketpreis über all die Jahre konnten die Magdeburger Verkehrsbetriebe damit keine Reichtümer anhäufen. Das Geld fließt in Technik und Infrastruktur, muss aber auch zur Zahlung steigender Löhne und steigender Energiekosten verwendet werden. Deutlich wird dies auch daran, dass trotz beispielsweise eines mehr als achtfachen Preises fürs Einzelticket im Vergleich zu 1991 der öffentliche Personennahverkehr in Magdeburg wie in den anderen Kommunen Deutschlands weit davon entfernt ist, dass er von Ticketpreisen finanziert werden könnte.

Im Jahr 1991 brachten es die Einnahmen aus dem Verkehr gerade einmal auf 16,2 Prozent der Kosten, die zu tragen waren. In den vergangenen Jahren hat sich ein Wert von etwas mehr als 40 Prozent eingepegelt: im Jahr 2000 lag er bei 41,4 Prozent, 2010 bei 44,5 Prozent, um 2018 wieder bei 42 Prozent anzukommen. Der Rest muss durch andere Einnahmen ausgeglichen werden. Einen kleinen Anteil macht dabei die Werbung aus, den weitaus größten der Zuschuss aus der öffentlichen Hand.

Politische Entscheidung

Im Hintergrund schwelt die Diskussion darum, wie viel der öffentliche Personennahverkehr von der Allgemeinheit zu finanzieren ist – als Aspekt der Teilhabe für jene Menschen, die auf einem anderen Wege nicht vorwärts kommen. Aber auch als Aspekt, um die Straßen vom Autoverkehr zu entlasten.

Übrigens: Mit seinen Preiserhöhungen für den öffentlichen Personennahverkehr steht der Raum Magdeburg nicht allein da. Unter anderem müssen die Fahrgäste ab dem Monatswechsel auch mehr in Halle, Leipzig und Schwerin bezahlen.

Die neuen Fahrpreise

Preiserhöhungen gibt es für folgende Tickets:
Kurzstreckenticket statt 1,50 Euro künftig 1,60 Euro
Wochenkarte statt 18,70 Euro 19,40 Euro
Monatskarte statt 56,10 Euro künftig 58,10 Euro
Monatskarte ermäßigt statt 42,60 Euro künftig 44,20 Euro
Abo übertragbar statt 48,87 Euro künftig 51,00 Euro
Abo ermäßigt statt 37,12 Euro künftig 38,68 Euro
Abo personengebunden statt 42,21 Euro künftig 43,21 Euro
9-Uhr-Abokarte statt 36,28 Euro künftig 39,00 Euro
Seniorenabo Magdeburg statt 41,00 Euro künftig 45,00 Euro

Weitere Preiserhöhungen für Fahrten ins Umland.

Keine Preiserhöhung gibt es in Magdeburg für:
Einzelfahrschein 2,20 Euro
- ermäßigt 1,70 Euro
Viererkarte 8,80 Euro
-ermäßigt 6,80 Euro
Tageskarte 5,30 Euro
- ermäßigt 4,00 Euro
Minigruppe 14,20 Euro
Gruppe pro Person 2,90 Euro

Tickets im Verbund

Das Marego-Ticket gilt nicht nur in den Bussen und Straßenbahnen der Magdeburger Verkehrsbetriebe. Ebenfalls gilt es in den Nahverkehrszügen einschließlich der S-Bahn sowie auf den Fähren der Weißen Flotte. Ein Umsteigen ist zwischen den unterschiedlichen Unternehmen möglich, ohne ein zusätzliches Ticket lösen zu müssen. Wer bereits über ein gültiges Ticket – zum Beispiel eine Monatskarte – verfügt, benötigt zur Weiterfahrt in eine andere Tarifzone nur ein Anschlussticket aus dem Fahrkartenautomaten.

Zum Marego-Verbund gehören die Magdeburger Verkehrsbetriebe, die Deutsche Bahn, Abellio, Börde Bus, die Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land, die Personenverkehrsgesellschaft Altmarkkreis Salzwedel, die Kreisverkehrsgesellschaft Salzland und der Personennahverkehr Salzland.