Atemschutz – unterschiedliche Ansätze

Laut Bundesgesundheitsministerium gibt es zwei Fälle, in denen das Tragen angeraten ist:

Dringlich und im Sinne des Arbeitsschutzes verpflichtend ist das Tragen von speziellem Atemschutz (FFP-Masken) bei medizinischem Personal, das in Kontakt zu infizierten Patienten kommt. Die Spezialmaske soll eine Ansteckung beim Träger verhindern; inzwischen werden diese Masken weltweit knapp.

Sinnvoll zum Schutz anderer Menschen (Fremdschutz) ist es, wenn erkrankte Menschen, die sich in der Öffentlichkeit bewegen, einen Mundschutz tragen. Die einfachen Mund-Nase-Masken können eine Infektion des Gegenübers nicht ausschließen, aber die Gefahr minimieren. Allerdings sind auch sie kaum mehr oder nur überteuert verfügbar.

China hat im Februar für die Bevölkerung großer Städte eine Schutzmaskenpflicht verhängt. Menschen dürfen ohne die Maske nicht mehr die Wohnung verlassen.

Magdeburg/Halle l Der Intendant des Neuen Theaters Halle regt an, dass Theater-Schneidereien in ganz Deutschland Atemschutzmasken nähen. In Magdeburg stößt die Idee nicht auf Gegenliebe.

Keine Elfenbeintürme

Matthias Brenner ist ein Theatermann, der es als seine Aufgabe versteht, in die Gesellschaft hinein zu wirken – keine Elfenbeintürme. Der Schauspieler, Regisseur und Intendant des Neuen Theaters Halle, der auch Magdeburger Theatergängern durch mehrere Regiearbeiten für die hiesigen Bühnen kein Unbekannter ist, hat sich zuletzt massiv gegen programmatische Forderungen der AfD zur Einflussnahme aufs Programm auf deutschen Bühnen verwahrt und seinen Protest öffentlich gemacht. Jetzt treibt ihn, wie aktuell wohl fast jeden Menschen in Deutschland, Europa und weiten anderen Teilen der Welt, die Corona-Krise um.

Brenner möchte, dass die Theater des ganzen Landes jetzt, da sie ihre Türen geschlossen halten müssen, ein Zeichen aussenden an die Gesellschaft, dass sie teilhaben wollen am Kampf zur Bewältigung der Krise und helfen.

Sich in der Krise nützlich machen

Von diesem Wunsch getrieben setzte Brenner am Mittwoch folgenden Post auf seinem Facebook-Profil ab (Originaltext): „Atemschutzmasken fehlen!!!!! Vorschlag für unsere Theater-Branche! Könnten bundesweit nicht alle Schneiderei-Werkstätten unserer Theater umstellen und die so dringend benötigten Atemschutzmasken aus brach liegenden Materialbeständen herstellen? Wir müssen uns nützlich machen und bei allem Stillstand für unsere Produktionen unsere Maschinen nicht stillstehen lassen! Lasst uns zusammenstehen und auf uns aufpassen!“

Applaus und Ironie

Brenner erntet auf Facebook sehr viel Applaus aus dem eigenen Online-Freundeskreis, aber auch ironische Seitenhiebe zur Frage der Praktikabilität. Können Theater fachgerecht in die Produktion von Atemschutzmasken einsteigen, die – da genau wird der Mundschutz ja just knapp – womöglich auch für den Einsatz im Behandlungszimmer taugen? Der aus Quedlinburg stammende Filmemacher und Theaterregisseur Leander Haußmann, heute unter anderem als Regisseur am Hamburger Thalia-Theater tätig, glaubt wohl nicht daran und pariert mit Augenzwinkern: „Wir am Thalia entwickeln gerade einen Impfstoff.“ Der Berliner Theaterregisseur Sascha Hawemann entgegnet, dass die Stadt Essen gern ein Angebot der dortigen Behindertenwerkstätten angenommen habe; sie produzieren Atemschutzmasken. „Es geht also, wenn man will und flexibel reagiert“, sagt Hawemann, nur fehle es der bürokratischen Maschine meist an Herz, Mut oder Fantasie.

Tatsächlich handelt mindestens ein Theater in Deutschland im Sinne von Brenner. Das Theater Hagen (Nordrhein-Westfalen) näht nach einem Hilferuf aus dem örtlichen Krankenhaus 1000 Atemschutzmasken für die Einrichtung.

Kopfschütteln in Magdeburg

Die Volksstimme fragte beim Theater Magdeburg nach, wie man am Bühnenhaus vor Ort über die Idee des Kollegen aus Halle denkt und ob es solche oder ähnliche Ideen im Zusammenhang mit der Corona-Krise auch am hiesigen Haus gibt. Die Antwort von Theatersprecherin Christine Villinger erging kurz und knapp: „Nach kurzer Rücksprache mit Karen Stone und unserer Technischen Direktorin Christiane Hercher: Diese Überlegungen gibt es bei uns nicht.“ Ergänzend fügt Villinger Hinweise aus dem Robert-Koch-Institut an, wonach das gründliche Händewaschen und die Einhaltung der Husten-Nies-Etikette der wirksamste Schutz vor einer Infektion sind.