Reduzierte Gefahrenabwehr – was die Feuerwehr bei reduzierter Einsatzstärke nicht absichern kann

Durch die Reduzierung der Zahl der permanent einsetzbaren Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr müssten folgende Einschränkungen in Kauf genommen werden (Originaltext Stadtverwaltung):

▶ Verzögerte Einsatzfristen: Bei Paralleleinätzen kann es zu Überschreitungen der gesetzlichen Hilfsfrist im Land Sachsen-Anhalt sowie der Nichtbefolgung der Empfehlungen des Deutschen Städtetages (Schutzziel der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in Deutschland) kommen, wodurch sich die Menschrettung und Brandbekämpfung verzögern können.

▶ Höhenrettung/Taucher: Spezialaufgaben wie Retten von Personen aus Höhen und Tiefen sowie Taucheinsätze können nur eingeschränkt beziehungsweise mit zeitlicher Verzögerung sichergestellt werden.

▶ Wasserrettung: Es kann zu Einschränkungen in der Sicherstellung der Wasserrettung und bei der Bereitstellung/dem Einsatz von Sondertechnik kommen.

▶ Kadaverbeseitigung: Die Aufgabe wird nicht mehr erbracht.

▶ Katastrophenschutz: Die entsprechend dem Aufstellungserlass Katastrophenschutz (Ministerium des Inneren vom 24. Januar 2011) durch die Landeshauptstadt aufgestellten Fachdienste Brandschutz, ABC (zum Beispiel Gefahrgutunfälle), Wasserrettung und Logistik des Katastrophenschutzes werden bei Anforderung nicht beziehungsweise mit Verzögerung ausrücken.

Magdeburg l „Wir wollen länger durchhalten. Die Kollegen sollen länger gesund und einsatzbereit sein“, sagt Helge Langenhan auf Nachfrage. Der Chef der Magdeburger Berufsfeuerwehr verteidigt die Pläne zum Abschmelzen der Zahl der im Ernstfall sofort einsetzbaren Kameraden als Mittel zur Sicherung der Einsatzkraft insgesamt. Ein Beschlusspapier passierte gestern die Dienstberatung des Oberbürgermeisters.

Selbstschutz zu Krisenzeiten

 

Bei der Feuerwehr geht wie aktuell bei allen anderen Unternehmen und Institutionen die Angst vor Coronavirus-Infektionsfällen in der eigenen Belegschaft und eines damit einhergehenden Ausfalls großer Teile der Mitarbeiterschaft um. Um das Risko zu minimieren, sollen die Kameraden stärker räumlich voneinander getrennt werden. Aus bisher drei Wachabteilungen würden so fünf, wodurch die Zahl der permanent im Ernstfall einsetzbaren Kameraden der Berufsfeuerwehr (Mindeststärke) von 54 auf 39 abschmelzen würde.

 

Freiwillige Feuerwehr soll einspringen

In der Folge wären Einschränkungen  der Einsatzkraft hinzunehmen (Infokasten). Unter „Risikoabwägung“ heißt es im Beschlusspapier: „In Anbetracht der Gefahr des Verlustes eines erheblichen Teils des Einsatzwertes der Berufsfeuerwehr durch starken Krankheitsausfall bei Ansteckung mit Covid-19 und die dadurch erwachsenden gefährlichen Konsequenzen müssen die oben beschriebenen Einschränkungen des Einsatzwertes in Kauf genommen werden.“ Wenn erforderlich, müsse die freiwillige Feuerwehr einspringen oder Hilfe aus umliegenden Kommunen angefordert werden.

Laut Beschlusspapier soll der Stadtrat am 16. April 2020 zur Sache entscheiden, was in Zeiten täglich wachsender Infektionszahlen zu spät erscheint. Auf die Frage, ob der Oberbürgermeister einen Eilentscheid erwägt, sagte Rathaussprechin Kerstin Kinszorra am 24. März 2020: „Dazu können wir frühestens morgen Auskunft geben.“