Magdeburg l Zwischen Lockdown und dem Versuch, trotzdem Ware zu verkaufen, stehen derzeit die Magdeburger Händler. Einige sind dabei durchaus kreativ geworden, doch ein Aufwiegen der Corona-Ausfälle ist kaum möglich. Und aus den Versuchen über das Internet resultieren auch Probleme. Die Volksstimme sprach mit vier Händlern in der Innenstadt und fragte nach.

WhatsApp als Plattform für den Verkauf
Für Modehändlerin Mandy Rose ist mit dem Lockdown das Handy zu einem wichtigen Arbeitsmittel geworden. Schon seit einigen Jahren präsentiert sie neue Waren über den WhatsApp-Status – mehrnoch, seit sich mit dem Lockdown ihre Ladentür geschlossen hat. Sie stellt Outfits zusammen und fotografiert sich damit. Die Bilder teilt sie dann über WhatsApp – meist einmal pro Woche, schließlich wolle sie die Kunden nicht überfrachten. Die Kunden können sie sich anschauen und nachfragen, ob ein Pulli, ein Rock oder ein Mantel in der richtigen Größe vorhanden ist. Wenn ein Kunde ein Kleidungsstück kaufen möchte, kann er es im Laden abholen oder Mandy Rose bringt es gleich selbst vorbei.

30 bis 40  Prozent des Umsatzes, den sie normalerweise schafft, habe sie auf diese Weise erreichen können. „Ich habe den Vorteil, dass ich meine Kunden fast alle persönlich kenne“, erzählt sie. Sie kenne deren Geschmack und wisse, was ihnen passt. Sie freut sich, dass die Kunden auch in diesen Zeiten zu ihr halten. Schlechte Stimmung möchte sie nicht verbreiten. Und auch wenn die Lage angespannt ist, lässt sich die Händlerin ihre positive Grundeinstellung nicht verderben. Fast jeden Tag ist sie im Laden. Um auch privat über die Runden zu kommen, habe sie Unterstützung beim Jobcenter beantragt. Zudem sei ihr der Vermieter der Ladenfläche entgegengekommen. Sie will auch prüfen lassen, inwiefern sie von den Hilfspaketen für den Handel profitieren kann. „Wenn es nicht mehr geht, dann mache ich eben etwas anderes“, sagt sie. Es gebe deutlich Schlimmeres als einen Corona-Lockdown.

Bilder

Kunde an Verpackung beteiligen
Mit Bergen von Verpackungsmüll ärgert sich Sabine Große von Intersport herum. Über das eigene Portal wurde schon immer auch online verkauft. Durch die beiden Lockdowns verkauft sie nun aber auch über Amazon und Zalando. Die Kunden machen davon rege Gebrauch. Allerdings: Wirklich einträglich ist das nicht. Denn durch die Verpackungs- und Versandkosten sinke die Gewinnspanne. „Wenn ich einen Schuh für 200 Euro verschicke und er zurückkommt, zahle ich fast ein Viertel des Preises für den Versand und die Verpackung“, sagt sie. Bei kleinen Artikeln wie Handschuhen könne der Verlust, im Verhältnis betrachtet, sogar noch höher liegen.

An einem Montag stapelten sich 300 Pakete, die Retour kamen, weitere 300 mussten für den Versand vorbereitet werden. An den anderen Werktagen verschicken die Unternehmerin und ihr Team täglich etwa 70 Pakete. Kartons verwenden sie bewusst und der Umwelt zuliebe auch zweimal. Wichtig ist Große, dass die Kunden die Beschreibung von Artikeln richtig lesen oder eine telefonische Beratung in Anspruch nehmen. „So können wir verhindern, dass wir das Falsche verschicken“, sagt sie. Ohne den Online-Handel hätte sie ihr Geschäft wohl schon aufgeben müssen. Und auch mit reicht es gerade so. Über einen längeren Zeitraum werde sie das nicht durchhalten können, sagt die Unternehmerin. „Ende Februar ist der Ofen aus.“ Trotzdem denkt sie schon voraus: „Wenn Corona vorbei ist und sich die Wogen geglättet haben, müssen die Endverbraucher an den Kosten für Verpackung und Versand beim Online-Handel beteiligt werden“, sagt sie, „nur so können die Innenstädte gerettet und die ökologischenen Belastungen gesenkt werden“, ist sie überzeugt.

Paketdienst mit dem Fahrrad
An die Umwelt denkt auch Betsy Peymann. Ihr Start-up-Unternehmen, das nachhaltige Mode mit einem Café-Betrieb verbindet, feierte kurz vor dem ersten Lockdown ersten Geburtstag. Am 1. März 2021 wird das Unternehmen zwei Jahre alt. Nach einem guten Start im ersten Jahr fände Betsy Peymann, die die Selbstständigkeit stets als erstrebenswert empfunden habe, es bedauerlich, wenn sie nicht erfahren könnte, wie das dritte Jahr für ihr Unternehmen geworden wäre. Schon im ersten Lockdown eröffnete sie einen Online-Shop.

Pakete innerhalb Magdeburgs fährt sie mit dem Fahrrad aus. Geht es über die Stadtgrenzen hinaus, dann nutzt sie die Post. Sie wünscht sich, dass Entscheidungsträger bei den Pandemie-Verordnungen berücksichtigen, dass im Einzelhandel Prozesse stattfinden, Frühjahrskollektionen eingekauft wurden, die nun nicht verkauft werden könnten. Sie selbst gebe nicht verkaufte Kleidungsstücke immer wieder in den Verkauf. Aber das gehe bei großen Modeläden nicht. Außerdem fordert sie, zu differenzieren. Gerade die inhabergeführten Geschäfte hätten nicht so einen starken Kundenverkehr wie die großen Shopping-Center und könnten leichter Auflagen umsetzen.

Männer sind Bedarfskunden
Nahezu ohne Online-Angebote versucht es Franz-Josef Lohmeier, der 2005 das Traditionsgeschäft „Schreiber und Sundermann“ gekauft hatte. In 117 Jahren habe das Geschäft so eine Situation wohl noch nicht erlebt. Regelmäßig ist auch er in seinem Laden, um die Tagesstruktur zu behalten. Ohne Kunden allerdings sei das schon seltsam. Er beantwortet telefonische Anfragen, und auch das eine oder andere Teil habe er so schon verkauft. Doch die Einnahmen gehen gegen Null. Er hofft auf ein baldiges Ende des Lockdowns – habe investiert, um Hygienevorschriften einhalten zu können und sei gern bereit, auch unter Auflagen zu öffnen. Männer seien Bedarfskunden. Doch die Leute wollten wieder hinausgehen und auch einfach mal einen Schaufensterbummel unternehmen, ist Franz-Josef Lohmeier überzeugt.