Magdeburg l Im Kampf gegen das Coronavirus sind derzeit Schutzausrüstungen für medizinisches Personal rar. Es fehlt unter anderem an genügend geeigneten Atemschutzmasken oder auch Gesichtsschilden. Um dem Mangel ein Stück weit entgegenzutreten und das medizinische Personal in Kliniken, Arztpraxen und auch Pflegeheimen zu unterstützen, haben sich auch in der Landeshauptstadt einige Macher gefunden, die an ihren privaten 3-D-Druckern und mit eigenen CNC-Fräsen Teile oder gar ganze Gesichtsschilde fertigen.

Zentrum des Magdeburger Hilfsprojektes ist die freie Mitmachwerkstatt "Macherburg" vom Verein Grünstreifen in der Porsestraße in Buckau. Die Macherburg ist Heim für Tüftler und jeden, der ein Projekt, aber nicht die nötigen Maschinen und kompetenten Helfer hat. Wegen der Corona-Pandemie ist die Macherburg derzeit geschlossen. Doch untätig sind die Macher nicht. Sie haben sich einem Hilfsprojekt zugewandt, das derzeit unter dem Motto "Maker vs Virus" ein Netzwerk aufbaut, um fehlende Schutzausrüstung im Kampf gegen das Coronavirus herzustellen.

Erste Bestellungen trudeln ein

Vor gerade einmal einer Woche haben die Freiwilligen von der Macherburg ihren Aufruf, bei dem Projekt mitzumachen, im Internet gestartet und eine eigene Gruppe gegründet. Und die Resonanz ließ nicht lange auf sich warten. "Wir sind überwältigt, wie viele Macher aus Magdeburg und der Region gerade ihre 3-D-Drucker laufen lassen, um Schutzausrüstung zu produzieren", sagt André Holstein von der Macherburg. Etwa 20 Freiwillige haben sich bislang gemeldet. Auf der Internetseite der Macherburg unter www.macherburg.de/makervsvirus  können sich Freiwillige informieren und als Helfer registrieren. Hier bekommen sie auch die Bau- beziehungsweise Druckanleitungen.

Bilder

Gefertigt werden derzeit vorrangig Gesichtsschilde, mit denen sich das medizinische Personal, das in direktem Kontakt mit Infizierten oder Verdachtsfällen steht, schützen kann. Parallel dazu sind die Macher im Gespräch mit Kliniken, um den Bedarf abzuklären. So haben sie bereits das Universitätsklinikum, das städtische Klinikum oder auch das Ameos-Klinikum kontaktiert. „Das Interesse ist da. Es gibt auch schon Vorbestellungen“, sagt Spencer Detje. Der 25-jährige Student aus Magdeburg ist einer der Ansprechpartner in dem Magdeburger Projekt. So gab es neben Kliniken und Arztpraxen auch aus der Zentralen Erst-Anlaufstelle für Asylbewerber des Landes Sachsen-Anhalt (Zast) in Halberstadt, die derzeit aufgrund eines Corona-Positivbefundes unter Quarantäne steht, eine Anfrage nach 40 Halterungen für die Visire. Die Häfte davon haben die Magdeburger Macher bereits gefertigt und schicken sie auf den Weg. Das Klinikum Olvenstedt hat einen Bedarf von 300 Schilden angemeldet.

Für das Uni-Klinikum haben die Macher einen Prototypen eines Gesichtsschildes des Typs „Prusa RC3“ hergestellt. „Von dort kam dann der Wunsch, dass der Schild etwas größer werden soll, um noch mehr Schutz zu bieten. Also haben wir die Pläne entsprechend angepasst und können nun wunschgemäß produzieren“, sagt Spencer Detje.

Fertige Teile werden zunächst gelagert

Gesammelt und koordiniert wird das Projekt derzeit noch in der Macherburg. Doch die Macher wollen ihre Hilfe noch professioneller aufstellen und sind in Gesprächen mit der Otto-von-Guericke-Universität. Auch hier stehen in dem sogenannten "FabLab", dem Fabrikationslabor, mehrere 3-D-Drucker, die auch für das Projekt genutzt werden sollen. Ebenfalls mit dem Katastrophenschutz der Landeshauptstadt haben die Macher Kontakt aufgenommen, ob über das Amt die Verteilung der Schutzausrüstung an Kliniken und Praxen erfolgen kann.

Momentan werden die gefertigten Halterungen und Schilde luftdicht verschlossen noch zwei, drei Tage in der Macherburg gelagert, bevor sie verschickt werden. So soll eine eventuelle Kontamination der Teile ausgeschlossen werden. Bevor sie dann in den Kliniken und Praxen in die Nutzung gehen, müssen sie dennoch desinfiziert werden.

Helfer finanzieren alles selbst

Das Hilfsprojekt ist ein rein freiwilliges Engagement. Die Macher stellen die Schutzausrüstung zu Selbstkosten her und organisieren die Verteilung rein ehrenamtlich. Das Material für die Schilde besorgen sie sich entweder über das Internet oder aus dem Baumarkt, erklärt Spencer Detje. Mit ihrem Einsatz wollen die Macher ihre Dankbarkeit all denjenigen gegenüber zeigen, die derzeit in den Kliniken, Praxen und Altenheimen im Kampf gegen das Virus tagtäglich an vorderster Linie stehen, so Spencer Detje.

Wer die Macher unterstützen möchte, ob mit eigener Fertigung oder auch materieller oder finanzieller Hilfe, kann sich auf der Internetseite der Macherburg informieren. Hier finden auch Kliniken, Praxen und andere medizinische Einrichtungen, die Bedarf haben, einen Ansprechpartner.